Kinder, wie die Zeit vergeht

MÜNSTERECK: Von Gläsern und Menschen

Thomas Jäger

Von Thomas Jäger

Mo, 04. Mai 2020

Kolumnen (Sonstige)

Eine Leserrückmeldung hat mich auf einem kleinen Umweg auf eine sentimentale Reise geschickt. Schnelles Internet in Zeiten von Corona sei ja gut und schön, meinte der Familienvater. Aber er selbst sei jetzt im Homeoffice, die beiden Kinder müssten online Schritt halten in Studium und Schule. Wenn sich dann Videokonferenzen überschnitten, komme man auch bei einer angeblich schnellen Verbindung ruckzuck an die Grenzen der Upload-Kapazitäten. Und das lasse sich der Dienstleister mit rund 45 Euro im Monat doch recht fürstlich bezahlen. Ich habe dann mal nachgeblättert, ganz weit zurück in meinem "Telefon"-Ordner. Anfang der 1990er Jahre war ich Student in Dortmund. Abends telefonierte ich oft lange mit meiner weit entfernt wohnenden damaligen Freundin (und heutigen Ehefrau). Telefonrechnungen um die 100 D-Mark waren keine Seltenheit. Nach einer Umrechnungstabelle der Bundesbank entspricht das einer aktuellen Kaufkraft von 84 Euro. Für unseren heutigen Telekommunikationsanschluss zahlen wir ziemlich genau halb so viel pro Monat. Dazu gehört außer der Festnetz-Flat ein Internet-Anschluss, über den die Tochter die Uni-Vorlesung streamt, der Sohn mit der Matheklasse Videokonferenz macht, die Ehefrau sich am Tablet um das Beschaffungsmanagement kümmert und der Papa die Rest-Bandbreite nutzt, um Zeitung zu machen. Okay, manchmal ruckelt’s. Aber: Zum halben Preis im Vergleich zu dem, was vor 30 Jahren ein paar Ferngespräche kosteten! Wow! Manche haben eben Glück und bekommen ein halbvolles Glas. Und manche haben Pech: Da reicht es nur für ein halbleeres.