Kindertagesstätte

Murg dachte schon vor Greta ökologisch

Michael Gottstein

Von Michael Gottstein

So, 01. Dezember 2019 um 08:30 Uhr

Murg

Die Holzbauweise der neuen Kindertagesstätte veranlasst Experten aus Südbaden zu Fachtagung.

Der Bau der Kindertagesstätte In der Mühle in Murg soll im September 2020 vollendet sein. Die äußere Gestalt ist schon deutlich erkennbar, im Inneren fällt sofort das dominierende Baumaterial ins Auge: Das Gebäude besteht fast gänzlich aus Holz. Dies ist auch der Grund, weshalb jetzt rund 70 Architekten und Baufachleute aus Südbaden und der Schweiz zu einer Fachtagung nach Murg gekommen waren.

"In Murg wird Ökologie groß geschrieben, und zwar schon lange, bevor Greta nach Amerika segelte."Bürgermeister Adrian Schmidle
Eingeladen hatten die Gemeinde und der Weilheim-Bannholzer Brettsperrholz-Bauelemente-Hersteller Lignotrend in Kooperation mit dem Architekturbüro Preiser (Waldshut) und der Zimmerei Kock und Götte (Weilheim).

"In Murg wird Ökologie groß geschrieben, und zwar schon lange, bevor Greta nach Amerika segelte", meinte Bürgermeister Adrian Schmidle. In der Kita werden 400 Kubikmeter Holz verbaut, das entspricht 360 Tonnen Kohlendioxid. Abgesehen vom Liftschacht besteht das Gebäude komplett aus Holz. "Dadurch entsteht eine Wohlfühlatmosphäre für Kinder", sagte Lignotrend-Verkaufsleiter Bertram Keßler und wies darauf hin, dass die Fassade aus heimischer Weißtanne besteht.

Bezug zur Geschichte des Areals

Nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes entschied sich die Gemeinde gegen einen konventionellen Bau. Durch die Wahl des Baustoffes wollte sie auch einen Bezug zur Geschichte des Areals herstellen, auf dem sich einst ein Sägewerk befunden hatte. Wegen der langgestreckten Grundstücksfläche wählte Architekt Preiser eine ungewöhnliche Bauform: Das Gebäude ist zweigeschossig und mit 55 Metern sehr lang und schmal. Eine gradlinige Front wäre monoton und in dieser Umgebung unpassend, daher besteht das Gebäude aus einer Aneinanderreihung von mehreren gegeneinander versetzten, aber im Inneren verbundenen giebelständigen Einzelhäusern mit unregelmäßiger Satteldachlandschaft. Im Erdgeschoss werden drei Krippen, im Obergeschoss drei Gruppen für Drei- bis Sechsjährige untergebracht, so dass insgesamt Plätze für 105 Kinder geschaffen werden. Die Gesamtkosten liegen bei etwa fünf Millionen Euro.