Murg ist auserkoren für "Leuchtturmprojekt"

Gerd Leutenecker

Von Gerd Leutenecker

Fr, 11. Oktober 2019

Murg

Energiedienst lanciert lokale Nachbarschaftsstromversorgung.

MURG/RHEINFELDEN. Mit dem Umbau der Energiewirtschaft gehen zahlreiche technische und organisatorische Änderungen einher. Die 100-prozentige EnBW-Tochter Energiedienst mit Sitz in Laufenburg und Rheinfelden geht stabsmäßig die kommenden Probleme im Engergiemanagement an. Murg ist dabei von Energiedienst ausgewählt worden, um im Rahmen von "C/sells" ein "Leuchtturmprojekt" zu realisieren, bei dem sich die Bürger zu einer Community mit dezentraler Stromversorgung zusammenschließen. Der Kerngedanke: Den produzierten Strom der eigenen Photovoltaikanlage nicht nur selbst zu verbrauchen, sondern auch lokal weiterzuvermarkten.

Zur Bewertung des Stands der Dinge im Projekt trafen sich hochrangige Vertreter aus Forschung, Wissenschaft und Verantwortliche bei ED in Rheinfelden. Der experimentellen kommunalen Stromgemeinschaft in Murg wird besonders viel Aufmerksamkeit zuteil, da sonst nur größere Städte zum Zuge kamen.

Fünf Aspekte ließen die Wahl auf die Gemeinde Murg fallen

Dem Leiter für Vertrieb und Energiewirtschaft bei ED, Daniel Schölderle, waren mit Blick auf Murg fünf Punkte besonders wichtig: Eine arbeitsame Bürgerinitiative; viele sind im Klimaschutz aktiv; viele Einfamilienhäuser haben eine Photovoltaikanlage; es gibt eine große Rückendeckung von der Gemeinde; und es liegt nicht zuletzt auch im eigenen Netzgebiet". Daher sei Murg in Konkurrenz mit Rheinfelden und Bergalingen ausgewählt worden.

Wenn die Energiewende denn ein Erfolg werden solle, stelle sich für die Zukunft recht generell die Frage, welche leistungsfähigen Energiemanagement-Systeme nötig werden. Es sei Stand der Dinge in Wissenschaft, Forschung und Politik, dass althergebrachten Lösungen nicht mehr passgenau sein könnten. Die Energieunternehmen suchen mit nach neuen Lösungen, und Energiedienst hat maßgeblich dafür in Rheinfelden eine Stabsstelle aufgebaut.

Als Projektverantwortlicher hat Oliver Maicher – wie berichtet – bereits im Juni in Hänner das Projekt vorgestellt. Das "C" steht für Zelle, "sells" für Vermarktungsalternativen. Der lokal produzierte Strom wird innerhalb der Nachbarschaft weitergereicht. Im Mittelpunkt steht die zukünftig reale Hilfe als regionaler Energieversorger und Netzbetreiber in Murg.

Noch wird über die EEG-Förderung (Erneuerbare-Energien-Gesetz) die Stromgewinnung von Privathaushalten staatlich garantiert vergütet. Die ersten privaten Stromerzeuger fallen aber ab 2021 aus dem System heraus. Da stellen sich nun Fragen für die Energiewende: Netzeinspeisung weiterhin, den Eigenverbrauch optimieren und alternative Vermarktungswege aufbauen: Maicher und Schölderle sehen auf allen Wegen operative Probleme.

Murg wird da zur "Demozelle", um aussagekräftige Daten zu gewinnen. Dafür bekommen die Teilnehmer neueste Messsysteme installiert, kostenlose und auch nach Abschluss der Pilotphase für ED weiterhin von den Nutznießern verwendbare intelligente Stromzähler. Der Fortsetzungsgedanke sei für die Murger Teilnehmer von Anfang an inbegriffen. Als Anreizsystem für die Murger Gemeinschaft stehe die mögliche spätere Energieautonomie hoch im Kurs. Mit 60 Zählern neuester Generation wird derzeit in Murg von Seiten der Energiedienst gerechnet. "Aber wir haben grünes Licht für ein Vielfaches an Teilnehmern", so die Projektverantwortlichen.

C/sells: Alle Murger Haushalte und
Einrichtungen können am Pilotprojekt teilnehmen. Ansprechpartner bei Energiedienst ist Oliver Maicher, Telefon 07623/ 923869, E-Mail csells@energiedienst.de. Für die dezentrale Energiewelt von morgen wird derzeit noch kostenlos die Steuereinheit im Haushalt zur Verfügung stehen.