Museum oder Moschee?

dpa

Von dpa

Fr, 03. Juli 2020

Kultur

Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei gibt Entscheidung über Hagia Sophia erst später bekannt.

Das Oberste Verwaltungsgericht in der Türkei will laut einem Medienbericht erst in spätestens 15 Tagen bekanntgeben, ob die Hagia Sophia ein Museum bleibt oder wieder zur Moschee wird. Die Anhörung zum Status des berühmten Bauwerks sei beendet, berichtete der Staatssender TRT Haber am Donnerstag. Eine Sprecherin des Obersten Verwaltungsgerichts in Ankara wollte sich auf Anfrage dazu nicht äußern.

Der Status des Bauwerks ist ein Politikum. Anhänger der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP fordern seit langem, die Hagia Sophia für das Gebet zu öffnen. Der türkische Präsident und AKP-Chef Recep Tayyip Erdogan hatte eine Umwandlung zuletzt vor den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr angekündigt. Vor allem Griechenland ist wegen der Bedeutung der Hagia Sophia für die Orthodoxie gegen eine Änderung des Status. Die Entscheidung könnte die Spannungen zwischen den Nachbarländern weiter verschärfen, die sich um Erdgas im östlichen Mittelmeer streiten. Kritiker werfen Erdogan zudem vor, mit der Diskussion um das Bauwerk von wirtschaftlichen Problemen ablenken zu wollen oder das Thema in der Vergangenheit vor Wahlen auf die Tagesordnung gebracht zu haben, um seine religiöse Anhängerschaft hinter sich zu vereinen.

Die US-Regierung sprach sich gegen eine Umwidmung der Hagia Sophia in eine Moschee aus. Die USA forderten die türkische Regierung auf, sicherzustellen, dass die Hagia Sophia für alle zugänglich bleibe, hatte US-Außenminister Mike Pompeo am Mittwoch erklärt. Die Regierung in Ankara müsse die Hagia Sophia weiterhin als Musterbeispiel für ihr Engagement, die Glaubenstraditionen und die vielfältige Geschichte des Landes zu respektieren, beibehalten. Das türkische Außenministerium zeigte sich daraufhin erstaunt. Die Hagia Sophia sei Eigentum der Türkei. Man habe ihren historischen und kulturellen Wert seit der Eroberung immer in Ehren gehalten.

Die im 6. Jahrhundert nach Christus erbaute Hagia Sophia (griechisch: Heilige Weisheit) gehört seit 1985 als Teil der Istanbuler Altstadt zum Unesco-Weltkulturerbe. Sie war fast ein Jahrtausend lang das größte Gotteshaus der Christenheit und Hauptkirche des Byzantinischen Reiches, in der die Kaiser gekrönt wurden. Nach der Eroberung des damaligen Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 wandelte Sultan Mehmet II. ("Der Eroberer") die Hagia Sophia in eine Moschee um und fügte als äußeres Kennzeichen vier Minarette hinzu. Auf Betreiben des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk ordnete der Ministerrat im Jahr 1934 die Umwandlung der Hagia Sophia in ein Museum an.