Zurück in den Lockdown

dpa

Von dpa

Sa, 19. September 2020

Ausland

Israel schränkt das öffentliche Leben erneut stark ein / Großbritannien könnte folgen.

(dpa/BZ). Nach Corona-Neuinfektionen in Rekordhöhe will die israelische Regierung mit einem zweiten landesweiten Lockdown die Ausbreitung des Virus wieder eindämmen. Derweil schließt auch die britische Regierung einen neuerlichen nationalen Lockdown nicht mehr aus.

In Israel bleiben Schulen und Kindergärten geschlossen, auch Hotels und Einkaufszentren machen zu, Strandbesuche sind untersagt. Die Menschen dürfen sich nur in Ausnahmefällen – wie etwa dem Weg zur Arbeit oder zu einer Demonstration – weiter als 1000 Meter von ihrem Zuhause entfernen. Fahrten in andere Städte sind verboten. Besuche in anderen Haushalten sind untersagt. Die strikten Beschränkungen des öffentlichen Lebens treten vor wichtigen jüdischen Feiertagen wie Rosch Haschana, dem jüdischen Neujahrsfest, und Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, in Kraft. Sie sollen vorerst für drei Wochen gelten.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu deutete an, die Regeln noch verschärfen zu wollen. Oppositionsführer Jair Lapid sagte, die Bürger würden bestraft, weil die Regierung versagt habe. "Dieser Lockdown ist ein Fehler, er ist ein Desaster." Die Arbeitslosenquote lag im Sommer bei mehr als 20 Prozent. Wöchentlich gab es Proteste gegen Netanjahu, auch wegen dessen Corona-Politik. Die Corona-Krise hat der Wirtschaft des Landes bereits schwer zugesetzt.

Israels Regierung hatte im Frühjahr einen ersten Lockdown verhängt, um die Pandemie einzudämmen. Damit erzielte sie Erfolge. Im Mai lag die Zahl der täglichen Neuinfektionen lange im zweistelligen Bereich. Nach Lockerungen stiegen die Zahlen jedoch wieder. Experten warfen der Regierung vor, Maßnahmen wie Schulschließungen zu früh aufgehoben und das Land unzureichend auf eine zweite Corona-Welle vorbereitet zu haben. Nun sollen Medien zufolge 6000 Polizisten die Einhaltung der neuen Regeln durchsetzen, unterstützt von 1000 Soldaten.

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen war in Israel zuletzt auf Rekordwerte geklettert. Sie lag deutlich über der Zahl in Deutschland, wobei Deutschland etwa neunmal so viele Einwohner hat. Vom jüngsten Anstieg der Infektionszahlen sind arabische und ultraorthodoxe jüdische Wohnviertel am stärksten betroffen. Dort leben häufig größere Familien auf engem Raum zusammen, so dass Infektionsketten nur schwer unterbrochen werden können.

Großbritannien droht wegen der sich dramatisch verschlimmernden Corona-Lage ebenfalls ein landesweiter Lockdown. Top-Forscher hätten der Regierung die zweiwöchige Maßnahme empfohlen, um die stark steigenden Infektionszahlen in den Griff zu bekommen, berichtete die Financial Times. Der Lockdown soll nach einer Empfehlung des wissenschaftlichen Beratergremiums der Regierung während der Schulferien im Oktober stattfinden.

"Wir möchten einen nationalen Lockdown vermeiden, aber wir sind darauf vorbereitet", räumte Gesundheitsminister Matt Hancock in der BBC ein. Es sei das "letzte Mittel der Verteidigung". Man setze zunächst auf lokale Beschränkungen. In vielen Regionen sind die Maßnahmen schon verschärft worden, so in Teilen von Schottland und Wales und im nördlichen England. Mehr als zehn Millionen Menschen sind davon betroffen.