Hohe Kosten durch Verkehr

afp

Von afp

Di, 27. August 2019

Deutschland

Laut Studie summieren sich Folgekosten der Auto- und Bahnfahrer und Flieger auf 149 Milliarden Euro.

BERLIN (dpa/AFP). Die Folgekosten des Verkehrs wie Unfälle, Krankheiten, Umwelt- und Klimaschäden belasten die Allgemeinheit einer Studie zufolge stark: Diese Kosten summieren sich demnach in Deutschland auf 149 Milliarden Euro jährlich. Der Straßenverkehr ist mit 95 Prozent beinahe für die gesamten Kosten verantwortlich.

"Diese Kosten werden nicht von den Verursachern bezahlt, sondern von uns allen", sagte der Chef des Vereins Allianz pro Schiene, Dirk Flege. Dieses Bündnis aus Unternehmen, Umweltverbänden, Gewerkschaften, Hochschulen und Verbraucherverbänden gab die Studie des Schweizer Infras-Instituts in Auftrag und stellte die Ergebnisse am Montag in Berlin vor. Der Analyse liegt das Konzept der sogenannten externen Kosten zugrunde. So werden die negativen Auswirkungen bezeichnet, die individuelle Handlungen oder wirtschaftliche Aktivitäten für Dritte haben. Sie tauchen in Kalkulationen der direkt Beteiligten und Nutznießer nicht auf, da sie von der Allgemeinheit kompensiert und bezahlt werden müssen.

Für einen Großteil davon ist laut Studie der Autoverkehr verantwortlich, der mit rund 141 Milliarden Euro knapp 95 Prozent aller Folgekosten verursache. Das liege am hohen Anteil von Autos am Gesamtverkehr sowie an den vielen Unfällen. Denn für gesundheitliche Schäden oder Arbeits- und Produktionsausfälle kämen Versicherungen nur zum Teil auf, sagte Studienautor Cuno Bieler.

An zweiter Stelle steht den Autoren zufolge der Schienenverkehr, der immerhin noch für 3,8 Prozent der Folgekosten verantwortlich sei und damit für knapp sechs Milliarden Euro. Kostentreiber sind hierbei demnach vor allem Schäden durch Treibhausgas-Emissionen, die bei der Produktion, dem Betrieb und dem Entsorgen von Fahrzeugen entstehen. Auffällig ist der niedrige Anteil des Luftverkehrs, der laut Studie gerade mal für knapp einen Prozent der gesamten Folgekosten steht. Aus methodischen Gründen wurden aber nur inländische Flüge berücksichtigt.

Allianz-pro-Schiene-Chef Flege forderte mehr Tempo bei der Verkehrswende. Er sprach sich aus für den Abbau "umweltschädlicher Subventionen", für eine CO2-Bepreisung sowie für den massiven Ausbau der Schieneninfrastruktur. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte, der Verkehr sei das "größte Sorgenkind" der deutschen Klimapolitik; dieser Bereich sei der Hauptgrund dafür, dass Deutschland beim Klimaschutz hinterherhinke. Der Obmann der FDP im Verkehrsausschuss des Bundestags, Torsten Herbst, nannte die Studie "einseitig und tendenziös", weil nur mit den Folgekosten des Verkehrs argumentiert werde, ohne dabei Bedeutung und Nutzen von Mobilität zu berücksichtigen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) betonte, der Verkehr leiste jährlich Steuern und Abgaben in Höhe von über 50 Milliarden Euro. Sie dienten auch zur Abdeckung externer Kosten.