Krabben in der Nordsee

Kutter zu verkaufen

Bernhard Honnigfort

Von Bernhard Honnigfort

Fr, 09. Dezember 2011

Deutschland

In der Nordsee wimmelt es von Krabben. Viele von Schleswig-Holsteins Krabbenfischern kämpfen dennoch ums Überleben oder haben längst aufgegeben.

Am Abend hatte sich das Wasser verändert. Wind kam auf, die Wellen wurden kabbelig, die See unruhig, das Wasser "dick", wie die Seeleute sagen. Kapitän Herbert Schoer musste Schluss machen. Auf seinem Kutter Marlies stampfte er durch die unruhige Nordsee vor Helgoland. 1200 Kilogramm Krabben hatte er in den 15 Stunden zuvor gefangen. Es musste reichen. Er fuhr heimwärts, nach Büsum. Gegen Mitternacht lief die Marlies in den Hafen an der schleswig-holsteinischen Westküste. Schoer hatte Feierabend.

Am Vormittag ist das Schiff entladen. 1,2 Tonnen Krabben liegen tiefgefroren im Lagerhaus und warten auf den Lastwagen, der sie zum Pulen nach Marokko fährt. Kapitän Schoer sitzt in seiner Kajüte, Marlies schaukelt leicht im Hafenbecken. Schoer trinkt einen Kaffee, um wach zu werden. "1,2 Tonnen, das bringt 2000 Euro brutto. Das geht gerade so." Die Arbeit ist getan. Schoer ist müde. Er erzählt, was er so alles bezahlen muss, den immer teureren Diesel, den Kollegen an Deck, der die Netze einholt, kaputtes Material muss ersetzt werden.

Schnell redet sich Schoer in Wut, seine Laune kippt so abrupt wie das Wetter bei Helgoland. "Es ist mehr als Irrsinn", schimpft er und wird lauter und lauter: "Was habe ich eigentlich verbrochen, außer dass ich Fischer bin?" Vor einigen Wochen haben er und 48 andere Krabbenfischer ihre Kutter zum Verkauf angeboten. 49 von 72 Kapitänen in ...

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