Gleichberechtigung

Theresia Degener, Vorkämpferin für Behindertenrechte: Radikal normal

Julia Prosinger

Von Julia Prosinger

Mo, 15. Dezember 2014

Deutschland

Ohne sie, sagen manche, gäbe es keine Inklusion: Theresia Degener handelte für Deutschland die Behindertenrechtskonvention bei den Vereinten Nationen aus.

Treffen sich ein Dorfarzt und ein Schulleiter. Sagt der Dorfarzt: "Ich habe fünf Kinder, Sie haben fünf Kinder. Ich behandle Ihre fünf, Sie unterrichten meine fünf." So wird es erzählt. So kam Theresia Degener, das fünfte Kind des Dorfarztes, auf die Regelschule im kleinen Altenberge im Münsterland. Obwohl sie, nach dem damaligen Gesetz, in eine Einrichtung für Körperbehinderte gehört hätte. Denn Degener war 1961 ohne Arme und Hände geboren worden. Vierzig Jahre später wird eben diese Theresia Degener, eine UN-Konvention durchsetzen, damit alle Kinder erleben dürfen, was sie ihr größtes Glück nennt: Gleichberechtigung.

In einem Seminarraum der Evangelischen Fachhochschule Bochum schließt Degener jetzt das Fenster mit dem Kinn. Dann klappt sie mit den Füßen ein Tischchen auseinander, das ihr befreundete Architekten konstruiert haben. Hier kann sie ihren Laptop abstellen, mit dem Fuß einen Stift führen, auf dem Handy tippen. Je niedriger, desto besser. Es dauert etwa zwanzig Minuten, bis man vergisst, dass Degener keine Hände hat. Dass ihr Sakko ärmellos und ihre Uhr um den Knöchel gestülpt ist, ihr Ehering am Zeh steckt. Ein paar Minuten der Verwunderung darüber, wie sie mit der Nase Knöpfe drückt, damit die Leinwand für den Unterricht herunterfährt, die Ferse in die Luft stößt, um zu unterstreichen, was sie sagt. Degener hat ja Hände – sie hat Füße. Darum hat sie sich schon als ...

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