Was von der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 bleibt

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Sa, 04. Dezember 2010

Deutschland

Kreativ und überaus spannend: Streifzüge durch Deutschlands größte Metropole auf der Zielgeraden des Projekts "Europäische Kulturhauptstadt".

Manchmal hat Adolf Winkelmann eine merkwürdige Vision. "Alle hier ziehen an die Ränder, und das Innere läuft allmählich zu einem riesigen Binnensee zu." Das wäre dann einer der größten in Mitteleuropa, auf 4434 Quadratkilometern Fläche, irgendwo zwischen Düsseldorf und Hamm, Münster und Lüdenscheid. Und das Ruhrgebiet? Versunkene Geschichte, Land unter mitten in Deutschland.
So ganz für bare Münze muss man die Äußerung des bekannten Filmregisseurs ("Nordkurve"; "Contergan") und Professor für Film-Design aus dem Pott wohl nicht nehmen. Obwohl der 64-Jährige ganz ernst wirkt, wenn er über seine Hassliebe zu seiner Heimat spricht. Dort, wo nur noch sieben Prozent aller Arbeitnehmer in jener Branche beschäftigt sind, die einst das industrielle Herz Deutschlands ausmachte: im Bergbau und in der Stahlindustrie. Bis zum Ende des neuen Jahrzehnts werden sich auch die letzten Kumpels einen anderen Job gesucht haben müssen. 2018, wenn die Kohleförderung ausläuft, wird in der letzten der noch fünf aktiven Zechen das Licht ausgegangen sein. Dann wird die Frage, die Winkelmann schon 1978 in seinem preisgekrönten Ruhrgebiets-Streifen "Die Abfahrer" stellen ließ, umso präsenter sein: "Kann mir mal einer sagen, warum ich überhaupt noch hier bin?"
Vielleicht aber auch nicht. Wer am Ende des Kulturhauptstadtjahres Ruhr.2010 durch die Region streift, hat nicht den Eindruck, dass hier Grabesstille einkehrt. Dass der ganze Pott nur noch ein einziges Museum der Industriegeschichte ist, inmitten einer immer noch fünfeinhalb Millionen Einwohner zählenden Megapolis mit vielen grauen, gesichtslosen Häusern. Obwohl... Frank Goosen, der bekannte Kabarettist und Romanautor aus Bochum, hat schon nicht Unrecht, wenn er in seiner schnörkellos Poesie sagt: "An lauen Sommerabenden stehe ich gern auf der Eisenbahnbrücke am Lohring in Bochum und schaue auf meine Stadt. Ich sehe das Mercedes-Hochhaus am Bahnhof, die Fiege-Brauerei, das neue Hochhaus der Stadtwerke, die Türme von Propstei- und Christuskirche, und ganz rechts erkenne ich sogar noch den Förderturm des Bergbau-Museums. Und dann denke ich: Boah! Schön ist das nicht!"
Boah. Wir streifen durch diese über 370 000 Einwohner zählende Stadt, über die wir zuvor nicht viel mehr wussten, als dass ihr Fußballverein sich mehr oder minder standhaft im Oberhaus der Liga hält und sie über ein Schauspielhaus verfügt, das unter den Intendanten Peter Zadek und Claus Peymann ...

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