Afrolook statt glattes blondes Haar

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Von dpa

Do, 16. Mai 2019

Panorama

Khulile Vilakazi-Ofosu stellt Puppen mit besonders dunkler Haut, Scheckhaut oder Albinismus für afrikanische Kinder her.

JOHANNESBURG (dpa). Zu dünn, zu sexy, nicht kindgerecht. Wie Puppen aussehen sollen, bietet hierzulande viel Stoff für Diskussionen. Auch Eltern in Afrika kennen das Problem. Im Fokus stehen dort Hautfarbe und Haare.

Als ihre dreijährige Tochter verkündete, sie wünsche sich glattes, seidiges Haar, hatte die Südafrikanerin Khulile Vilakazi-Ofosu die Nase voll von westlichen Schönheitsidealen. Kurz entschlossen gründete Vilakazi-Ofosu mit der Sibahle Collection ihre eigene Spielzeugfirma. Sie wollte Puppen herstellen, die so aussehen wie die Kinder, die mit ihnen spielen. "Wir beschlossen, dass unsere Marke von denen repräsentiert werden sollte, die von der Schönheitsindustrie marginalisiert werden", sagt die Unternehmerin. Neben Puppen mit Afrohaaren stellt ihre Firma auch Puppen mit Albinismus her – einem Pigmentmangel, der sich mit heller Haut bemerkbar macht. Kinder mit Albinismus würden oft von Gleichaltrigen gemobbt, die sie für "hässlich" oder gar "verhext" hielten, erklärt Vilakazi-Ofosu.

Auf der Instagram-Seite der Sibahle Collection teilen Eltern Fotos ihrer Kinder mit den Puppen. Auf einem Video sei ein Mädchen zu sehen, das beim Auspacken einer Puppe außer sich sei vor Freude, "weil sie zum ersten Mal sich selbst sieht", sagt Vilakazi-Ofosu. "Bei der Albino-Puppe gibt es viele Erwachsene, die sie für sich selbst kaufen", fügt sie hinzu.

Inzwischen gibt es auch eine Puppe mit Vitiligo, auch als Scheckhaut bekannt. Vilakazi-Ofosu hat sie zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin Caroline Hlahla aus Simbabwe entworfen.

Das Problem, kindgerechte Puppen zu finden, ist auch Eltern in Deutschland bekannt, wo über die spindeldürre, großbusige Barbie seit langem diskutiert wird. Studien hätten gezeigt, dass Puppen mit verzerrten Körpermaßen ein gestörtes Körperbild oder Magersucht bei Mädchen begünstigen könnten, erklärt die Genderforscherin Stevie Schmiedel von der Protestorganisation Pinkstinks.

Herkömmliche Spielzeughersteller wie der US-Spielzeugriese Mattel bieten inzwischen auch Barbie-Puppen mit verschiedenen Körperproportionen und Hautfarben an. Aber die Kunden kauften sie kaum, sagt die Geschäftsführerin von Pinkstinks, das liege auch an dem Frauenbild, das auf Instagram oder in Modelsendungen vermittelt werde.

In Afrika kommt noch das Erbe der Kolonialgeschichte dazu: Weil weiße Haut und glatte Haare noch immer als erstrebenswert gälten, gäben junge Frauen viel Geld für schädliches Hautbleaching und das Glätten ihrer Haare aus, erklärt Schmiedel. "Da geht es ganz dringend darum, gerade bei afrikanischen Mädchen, aber auch bei Jungen, mehr Selbstbewusstsein zu schaffen und ihnen das Gefühl mitzugeben: Wir sind schwarz, und wir können stolz darauf sein."

Die Puppen der Sibahle Collection unterscheiden sich stark von schwarzen Barbies herkömmlicher Spielzeughersteller. "Wir wollten eine Puppe mit einer flachen Nase und runden Wangen, die wie ein Kind aussehen würde und nicht zu sehr sexualisiert", sagt Vilakazi-Ofosu. Zudem sind die Kleider der Puppen aus bunten heimischen Stoffen gemacht.

Leisten können sich die außergewöhnlichen Puppen aber nur wenige Familien in Südafrika. Bei Malaville Toys kostet eine Albino-Puppe 350 Rand (rund 22 Euro), eine Puppe der Sibahle Collection gar 440 Rand (rund 28 Euro). "Wir hoffen auf eine Zusammenarbeit mit Nicht-Regierungsorganisationen", sagt Vilakazi-Ofosu. Mit deren Unterstützung wolle sie einige ihrer Puppen an Menschen spenden, die sie wirklich brauchen.