Kran knickt wie ein Streichholz ab

dpa

Von dpa

Di, 11. Februar 2020

Panorama

Orkan Sabine hat in Europa für zahlreiche Schäden gesorgt / Bisherige Bilanz: einige Schwerverletzte und mindestens ein Toter.

BERLIN (dpa). Orkantief Sabine ist zwar glimpflicher ausgegangen, als viele erwartet haben – sorgte aber dennoch in Deutschland und vielen Nachbarländern für Probleme. Es gab Schwerverletzte und einen Toten.

Auf seinem Weg über Deutschland traf der Orkan seit Sonntagabend den Verkehr schwer, die Schäden hielten sich aber einigermaßen in Grenzen. In Frankfurt am Main knickte ein Baukran ab, sein Ausleger krachte in das Dach des Doms. In Bayern waren Zehntausende Menschen über Stunden ohne Strom – etwa weil Bäume Leitungen beschädigt hatten.

In Nordrhein-Westfalen wurde ein 17-Jähriger in Paderborn von einem herabfallenden Ast am Kopf getroffen und lebensgefährlich verletzt. Sechs weitere Menschen in NRW wurden schwer, sechs leicht verletzt. Unter den Verletzten seien vier Rettungskräfte, hieß es vom Düsseldorfer Innenministerium.

Auch aus anderen Bundesländern wurden Verletzte gemeldet – zum Beispiel aus dem Saarland. Eine Frau schwebte hier am Montag noch in Lebensgefahr. Sie war nach Angaben eines Polizeisprechers am Sonntagabend zusammen mit einer Kollegin aus dem Klinikum in Saarbrücken auf dem Weg zu ihrem geparkten Auto gewesen, als ein Baum umstürzte und die beiden Frauen traf. Die Kollegin sei nur leicht verletzt worden.

An den Flughäfen fielen Hunderte Starts und Landungen aus. Der Flughafen München verhängte wegen Sabine am Montag einen Abfertigungsstopp. Seit etwa 7.45 Uhr am Montag wurden keine Flugzeuge mehr be- oder entladen, wie ein Sprecher sagte. Nachdem es zunächst vereinzelte Landungen gegeben hatte, kam der Flugverkehr später komplett zum Erliegen.

Vergleichsweise entspannt war die Lage auf den Autobahnen: Der WDR meldete um 7.50 Uhr am Montagmorgen in ganz Nordrhein-Westfalen knapp 140 Kilometer Stau – eher wenig für einen Montagmorgen. "Vielleicht arbeiten heute einige von zu Hause aus oder nehmen Urlaub", spekulierte ein Sprecher der Polizei. Ganz ohne Behinderungen blieb es jedoch auch auf den Straßen nicht. So war etwa die A7 als zentrale Nord-Süd-Verbindung in Niedersachsen zwischen Hildesheim und dem Dreieck Salzgitter die komplette Nacht und am Morgen wegen Sturmschäden gesperrt.

Vor großen Problemen standen Eltern von Schul- und Kindergartenkindern: Etliche Städte ließen den Unterricht an ihren Schulen ausfallen – darunter die Großstädte Köln, Düsseldorf, Dortmund und Bremen, auch Teile von Bayern, Hessen, Niedersachsen und Baden-Württemberg waren betroffen. Etliche Kitas blieben ebenfalls ganz geschlossen oder boten nur eine Notbetreuung an.

An der Nordseeküste ist es am Nachmittag zu Sturmfluten gekommen. Auch Hamburg-St. Pauli soll betroffen sein. Der Scheitelpunkt gegen 17.30 Uhr am Montag werde 2 bis 2,50 Meter über dem mittleren Hochwasser liegen, gegen 5.45 Uhr am Dienstag etwa 1,50 Meter über dem mittleren Hochwasser, hieß es vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie. Vermutlich werde das Wasser den Fischmarkt überschwemmen.

Auf der Nordseeinsel Wangerooge wurde der Strand stark beschädigt. Die Abbruchkante sei bis zu zwei Meter hoch und erstrecke sich am Hauptstrand über eine Länge von etwa einem Kilometer, sagte der stellvertretende Ratsvorsitzende der Insel, Peter Kuchenbuch-Hanken.

Auch außerhalb Deutschlands kam es durch Sabine zu Problemen. In Großbritannien etwa kam ein Autofahrer durch einen umstürzenden Baum um. In einigen Regionen brachte der Sturm binnen 24 Stunden so viel Regen, wie sonst in eineinhalb Monaten fällt. Mehr als 20 000 Haushalte waren in der Nacht zum Montag ohne Strom.

In Frankreich erlebten rund 130 000 Haushalte einen Stromausfall. Betroffen waren nach Angaben des Netzbetreibers Enedis der Großraum Paris sowie Nord- und Ostfrankreich, wo auch zahlreiche Regionalzug-Verbindungen gestrichen wurden. Für mehr als 30 Départements dauerte die vom französischen Wetterdienst Météo-France ausgerufene erhöhte Alarmbereitschaft am Montag an.

Auch in Österreich und der Schweiz kam es zu Beeinträchtigungen im Flug-, Bahn- und Straßenverkehr. In der schweizerischen Gemeinde Wald krachte eine S-Bahn am Montagmorgen in einen umgestürzten Baum. Verletzt wurde niemand, wie die Nachrichtenagentur sda berichtete. Ein ähnlicher Unfall ereignete sich am Sonntagabend in Moutier im Kanton Bern, auch dort gab es keine Verletzten. An den Flughäfen Zürich, Basel-Mulhouse und Wien fielen seit Sonntagabend zahlreiche Flüge aus.