Keine gefährliche Körperverletzung

Hilde Butz

Von Hilde Butz

Mi, 05. August 2020

Bad Säckingen

Gericht spricht 34 Jahre alten Angeklagten frei / Zwischen ihm und einem Mann in der Gemeinschaftsunterkunft war es zu einem Streit gekommen.

. Das Amtsgericht Bad Säckingen hat einen Angeklagten vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen. Für Richter Rupert Stork handelte es sich um einen Fall von Nothilfe. Die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen hatte dem 34 Jahre alten Angeklagten vorgeworfen, er habe seinen Kontrahenten im November letzten Jahres mit einem Ledergürtel attackiert, was einen gefährlichen Angriff darstelle.

Nach Angaben des Angeklagten herrschte schon länger dicke Luft zwischen ihm und dem anderen Mann. Der habe sich als Besucher in einer Gemeinschaftsunterkunft in Bad Säckingen schon öfters danebenbenommen und deswegen Hausverbot erhalten. Dennoch habe er an jenem Abend wieder die Frau im benachbarten Zimmer aufgesucht. Er und seine Frau hätten sich darüber geärgert, zumal der Besucher drei Tage zuvor ihren Wäscheständer kaputt gemacht habe. Um den Mann rausschmeißen zu lassen, hätten sie den hausinternen Sicherheitsdienst benachrichtigt. Als seine Frau hinter dem Sicherheitsmann das Zimmer der Nachbarin betreten habe, um sie wegen des unerwünschten Besuchers zur Rede zu stellen, sei es zu Handgreiflichkeiten zwischen den beiden Frauen gekommen.

"Dann hat der andere Mann sich eingemischt und meiner Frau mehrere Haarbüschel herausgerissen. Da sie hochschwanger war, musste ich ihr doch helfen, darum habe ich ihn vielleicht fünf Mal mit einem Seil geschlagen", so seine Einlassung. Das "Seil", das er zu Anschauungszwecken gleich mitgebracht hatte, war ein eher harmlos anmutendes, etwa 30 Zentimeter langes Textilband. Das aber, laut Aussage des Mannes von der Security, nicht zum Einsatz gekommen sei, sondern "eindeutig ein Ledergürtel", erinnerte er sich. "Als ich ihn zurückgehalten habe, hat er sofort aufgehört und sich ganz ruhig verhalten; ich gehe davon aus, dass er seiner schwangeren Frau beistehen wollte", ergänzte er. Wer von den beiden Frauen mit Handgreiflichkeiten begonnen hatte, vermochte er nicht mehr zu sagen. Die Ehefrau des Angeklagten versicherte, dass es die andere gewesen sei. Die herausgerissenen Haare brachte sie als Beweismittel mit.

Richter Rupert Stork nahm die Strähnen allerdings nicht zu den Akten, sondern empfahl der Zeugin sie möge sie aufbewahren, falls die Staatsanwaltschaft in die zweite Instanz gehen sollte.

Die Anklägerin sah den Angriff mit einem Gürtel als unverhältnismäßiges Abwehrmittel an und beantragte eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung zu 120 Tagessätzen à zehn Euro. Das Gericht vertrat aber die Meinung, dass man vom Ehemann nicht verlangen könne, tatenlos zuzusehen, wie seiner Frau büschelweise Haare herausgerissen werden, zumal diese im achten Monat schwanger war und sich nicht selbst habe wehren können.