Keine Hinweise auf Notwehr

Tanja Bury

Von Tanja Bury

Mi, 05. August 2020

Südwest

Wegen der Tötung eines Auerhahns am Feldberg sind zwei junge Männer verurteilt worden.

. Das Tier durfte dort sein, auf der Wiese, die Angeklagten nicht. Und nicht nur das. Staatsanwalt Bernd Klippstein machte im Prozess um den am Feldberg getöteten Auerhahn zudem klar, dass nach seiner Überzeugung der 21-jährige Angeklagte das Tier mit einer Flasche erschlagen und damit nicht aus Notwehr gehandelt habe. Der junge Mann musste sich vor dem Amtsgericht Titisee-Neustadt wegen Tiertötung und Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz verantworten. Sein zwei Jahre älterer Freund war ebenfalls wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz angeklagt. Richter André Gerber folgte der Einschätzung der Staatsanwaltschaft nicht nur, sondern ging mit dem Strafmaß von einer Woche Arrest und 1000 Euro Geldstrafe für den 21-Jährigen über deren Forderung hinaus. Der 23-jährige Kumpel muss ein 1300-Euro-Geldstrafe zahlen.

Von einem aus Notwehr ausgeführten Schlag lediglich mit der Hand, wie von dem jungen Mann vorgetragen, zeigte sich der Richter nicht überzeugt. Dagegen sprächen zum einen die schweren Verletzungen des Tieres, zum anderen die Aussagen zahlreicher Zeugen. Sie hätten den Hergang am Laurentiusfest 2019 glaubhaft geschildert.

Die beiden jungen Männer seien in das Revier des Auerwilds eingedrungen, der Hahn habe sie als Aggressoren wahrgenommen und ihnen das durch sein Verhalten gezeigt. "Sie sind nicht weggegangen, dabei hingefallen und von dem Hahn angegriffen worden" – dieser Version des Hauptangeklagten schenkte Gerber keinen Glauben. Es habe sich vielmehr eine Dynamik mit einem – auch dem Alkohol geschuldeten – "Tunnelblick auf das Tier" entwickelt. Am Ende stand der Tod des Hahns, der gravierende Folgen für die Feldberger Population dieser besonders geschützten Art hat. Der Richter vermisste bei dem 21-Jährigen zudem eine aufrichtige Reflexion des Geschehenen: "Sie sehen nicht ernsthaft, wie Sie sich hätten anders verhalten können." Dabei würden gerade von ihm als Jäger besondere Kompetenzen im Umgang mit Wildtieren gefordert.

Sein Anwalt Joachim Streitberger hatte die Verantwortung von Gemeinden und Behörden angesprochen, die es zuließen, dass sich am Laurentiustag Tausende feiernde Menschen durch das sensible Naturschutzgebiet bewegten. Staatsanwalt Klippstein sprach von einem angemessenen Urteil. "Ich würde mir wünschen, dass es auch akzeptiert wird." Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.