Metal-Sängerin im Z7

Tarja zum 11. Mal in Pratteln: "Ein Gefühl, wie wenn man nach Hause kommt"

Karl Heidegger

Von Karl Heidegger

Fr, 12. Juli 2019 um 17:08 Uhr

Rock & Pop

"Waren es wirklich schon zehn Mal?", fragt Tarja Turunen etwas ungläubig. Am 19. Juli gastiert die Ex-Nightwish-Sängerin erneut in Pratteln. Ein Interview über das legendäre Z7, magische Nächte und die Nähe zwischen Klassik und Metal.

Operngesang trifft auf Gitarrenriffs, Melodie auf Energie, Sinnlichkeit auf Wucht: Die finnische Sängerin Tarja Turunen hat mit ihrer Stimme das Genre des symphonischen, orchestralen Heavy Metal geprägt, seitdem sie mit der Gruppe Nightwish Anfang der 2000er-Jahre den Durchbruch geschafft hat. Längst wandelt sie auf Solopfaden, ebenfalls erfolgreich. Vor ihrem Auftritt im legendären Baselbieter Club Z 7 in Pratteln Hochrhein sprach Karl Heidegger mit der 41-Jährigen.

BZ: Wenn Sie am 19. Juli bei den "Z7 Summer Nights" auftreten, dann ist das Ihr elfter Auftritt in Pratteln.
Tarja Turunen: Wirklich? Oh mein Gott. Das Z7 ist natürlich eine sehr vertraute Location für mich. Aber waren es wirklich schon zehn Mal?

BZ: Fünfmal mit Nightwish bis 2003, danach fünfmal als Solokünstlerin. Meistens unterm Hallendach, mitunter aber auch schon in der Sommersaison, wenn das Z7 draußen eine zusätzliche Bühne aufbaut. So wie jetzt.
Tarja Turunen: Damit ist Pratteln einer der Orte, in denen ich am häufigsten war. Es ist jedes Mal eine Freude. Nach all den Jahren kenne ich die Leute dort, die Crew, auch die Fans. Ich werde warmherzig begrüßt und fühle mich dort wirklich zuhause.

BZ: Viele Ihrer Fans haben Sie über all die Jahre begleitet – und erinnern sich, zum Beispiel, an einen Abend mit Nightwish im Jahr 2003, auch damals auf der Open-Air-Bühne vor dem Z7. In der Nähe ging ein Sommergewitter nieder, dessen Wetterleuchten mit den Lichteffekten der Show verschmolz.
Tarja Turunen: Es ist wundervoll, wenn sich die Menschen daran erinnern. Als Künstler hat man es da schwerer, weil man so viel unterwegs ist. Manchmal komme ich in eine Halle und sehe ein Poster, das mich bei einem vorherigen Auftritt an diesem Ort zeigt – dann erst kommt die Erinnerung zurück. Ich glaube, dass das vielen Musikern so geht und ich nicht die einzige bin, da auch mal den Überblick verliert (lacht).
"Wenn man öfters da ist, sieht man überall bekannte Gesichter. Das ist ein Gefühl, wie wenn man nach Hause kommt."
An Pratteln kann ich mich aber immer erinnern. Es ist gut zu erreichen ist und zieht ein internationales Publikum an. Für mich ist es sehr speziell und einzigartig, besonders die "Summer Nights" auf der Open-Air-Bühne. Der Rhein ist nur einen Steinwurf entfernt und ich gehe da jedes Mal laufen, so wie ich mir vor Konzerten immer gerne die Umgebung anschaue. Wenn man öfters da ist, sieht man überall bekannte Gesichter. Das ist ein Gefühl, wie wenn man nach Hause kommt. Das tut gut, denn – ehrlich gesagt – sind Touren oft anstrengend, weil man nie genügend Schlaf bekommt. Irgendwann erwischt einen die Müdigkeit, das kennt wohl jeder Künstler von seinen Konzertreisen. Die Konzerte selbst sind es dann, die mir die Energie zurückgeben. Und die Kraft, um überhaupt weiterzumachen.

BZ: Können Sie in Worte fassen, die einen Konzertabend zu einer magischen Nacht macht?
Tarja Turunen: Es ist die Atmosphäre. Nur die Atmosphäre. Ich spiele damit und versuche ganz bewusst, unterschiedliche Stimmungen zu erzeugen. Meine Konzerte sind ja keine reinen Heavy-Metal-Shows.
"Ich bin ein Performer und erzähle Geschichten, aber ich lebe von den Gefühlen der Musik und von den Emotionen der Menschen vor der Bühne."
In der Mitte des Konzertes werden alle elektrischen Instrumente heruntergefahren und es gibt ein kleines akustisches Set, wodurch ich mich meinem Publikum noch näher fühle; die Energie der Menschen kommt dann noch direkter und ungefilterter bei mir an. In diesen Momenten geht es nur um die Musik, die die Herzen und Seelen des Publikums erreicht. Ich bin ein Performer und erzähle Geschichten, aber ich lebe von den Gefühlen der Musik und von den Emotionen der Menschen vor der Bühne. Und ich hoffe und glaube, dass ich den Menschen diese Emotionen zurückgeben kann. Darum geht es mir.

BZ: Sie wandeln auf dem Grat zwischen Klassik und Heavy Metal – einem Grat, der gar nicht so schmal ist. Trotzdem gibt es Berührungsängste. Was also könnten Metalfans von der Klassik lernen?
"Und ein Symphonieorchester ist manchmal lauter als eine Heavy-Metal-Band."
Tarja Turunen: Oh, es gibt wunderschöne klassische Musik, und viele Metalfans wissen das. Ich gebe ja auch Klassik-Konzerte, manchmal mit einem Orchester und manchmal ganz reduziert in einer Kirche. Auch dort tauchen oft Menschen auf, die mich aus dem Metal-Bereich kennen – und sie kommen gerne. Und übrigens kann Klassik durchaus heavy sein: Eine Wagner-Oper oder Werke von Mussorgsky können dich umhauen! Und ein Symphonieorchester ist manchmal lauter als eine Heavy-Metal-Band.

BZ: Sollten Metalfans also einfach mal Wagner hören statt Slayer, zur Abwechslung?
Tarja Turunen: Für Anfänger wäre eine Wagner-Oper ein bisschen viel verlangt. Aber wie wäre es mit Mozarts Zauberflöte als Einstieg?
Konzert in Pratteln: Tarja, Rage und Serious Black beim Z7 Open Air, 19. Juli, 18.30 Uhr, Infos und Tickets auf http://www.z-7.ch