Bahn schafft Platz für Räder

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Von dpa

Sa, 02. November 2019

Wirtschaft

Auf allen Fernstrecken soll ab 2025 Mitnahme möglich sein / Angebot bleibt oft aber beschränkt.

BERLIN (dpa). Bahnkunden sollen es künftig leichter haben, ihr Rad mit auf Dienstreise oder in den Urlaub zu nehmen. 2025 sollen auch auf allen Fernstrecken Fahrradstellplätze verfügbar sein, wenn auch noch nicht in jedem Zug. Ziel seien Mitnahmemöglichkeiten in 60 Prozent des Fernverkehrsangebots, teilte das Bundesverkehrsministerium mit. Derzeit liegt der Anteil bei 47 Prozent.

Künftig werde die Bahn nur noch Personenzüge mit Radstellplätzen bestellen, antwortete das Ministerium auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Stefan Gelbhaar. Während Platz für Fahrräder in Regionalzügen Standard ist, gibt es bislang nur in einem Teil der Fernzüge Platz für Fahrräder: in den rund 180 Intercity-Zügen sowie in 59 ICE-T-Zügen, wo sie nachgerüstet wurden. In ICE der Baureihen 1 bis 3 können Reisende kein Rad mitnehmen. Diese will das Unternehmen auch nicht umrüsten – der Aufwand gilt als zu groß.

Dagegen hat der neue ICE 4 ein Fahrradabteil. 39 dieser Züge hat die Bahn schon im Bestand, bis 2023 folgen weitere 80. Die Bahn sicherte zudem zu, bei künftigen Umbauten in Bahnhöfen auf den Einbau von Aufzügen zu achten, die groß genug für Fahrräder sind. "Bahn und Fahrrad gehören für uns zusammen", sagte ein Bahnsprecher. Im Fernverkehr würden heute 350 000 Fahrradkarten pro Jahr verkauft. Rechnerisch ist damit bei höchstens etwa jeder zweiten Fahrt ein Fahrrad an Bord. Die Nachfrage steige, sagte ein Sprecher. "Wir werden unsere Kapazitäten deutlich ausbauen."

Doch während Intercity-Züge heute 8 bis 16, in Einzelfällen sogar 24 Stellplätze haben, werden es in neuen Zügen künftig weniger sein. Geplant sind 8 Plätze pro Zug. Die Bahn geht damit nicht über die Mindestvorgabe einer EU-Richtlinie hinaus. Bedürfnisse der Reisenden und wirtschaftliche Belange müssten berücksichtigt werden, hieß es zur Begründung. Schließlich seien Fahrradplätze im Fernverkehr im Schnitt nur zu 21 Prozent ausgelastet, Sitzplätze für Fahrgäste hingegen zu 56 Prozent.

"Fahrradmitnahme sollte so selbstverständlich sein wie Strom und W-Lan im Zug", forderte hingegen der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). "Acht Stellplätze in jedem Zug sind schon mal ein guter Anfang", sagte ADFC-Geschäftsführer Burkhard Stork. Das habe die Bahn aber schon 2011 zugesagt. "Die Umsetzung erfolgt leider in sehr kleinen Schritten." Wichtig seien für Radfahrer auch die Details: dass sie Fahrradabteile schnell finden können, dass Türen breit genug sind und dass sich die Räder ohne große Anstrengung abstellen lassen. Außerdem müsse die Bahn flexibel planen: Acht Plätze könnten in vielen Fällen reichen, aber in Hotspots des Radreisens müssten es saisonal deutlich mehr sein.