Burda investiert 30 Millionen in Offenburg

Helmut Seller

Von Helmut Seller

Fr, 31. Juli 2020

Wirtschaft

Druckzentrum wird erweitert.

. Todgeweihte leben länger: Schon 1996 hat der Burda-Konzern mit der Planung eines neuen Druckzentrums am Stammsitz in Offenburg begonnen, obwohl dem Tiefdruck kaum mehr eine Zukunft vorhergesagt wurde. "Fast 25 Jahre später sind wir immer noch vital", sagt Burda-Finanzvorstand Holger Eckstein. Mit der Investition von weiteren 30 Millionen Euro bekennt sich der Konzern nicht nur zum Tiefdruck, sondern auch zum Standort Offenburg.

Nach 2004 und 2009 wurde am Donnerstag mit einem symbolischen Spatenstich der dritte und letzte Bauabschnitt eines Druckzentrums gestartet, in dem bis Mitte 2021 eine dritte große Tiefdruckrotation zum Druck von auflagenstarken Zeitschriften, Katalogen und Werbebroschüren anlaufen soll. 130 Tonnen Papier werden dann in Offenburg jährlich bedruckt – eine Menge, die laut Heiko Engelhardt 40 Millionen DIN-A4-Blättern entspricht. Aneinandergereiht, so hat der Geschäftsführer von Burda-Druck ausgerechnet, ergäbe das zwölf Millionen Kilometer oder 31-mal die Strecke von der Erde zum Mond.

Mit seinen weiteren Standorten im elsässischen Vieux-Thann und in Nürnberg kommt Burda-Druck auf noch stattlichere Zahlen: 2019 lag die bedruckte Papiermenge bei 350 000 Tonnen. Burda zählt damit zu den leistungsstärksten Tiefdruckern in Europa, muss sich laut Engelhardt aber in einem harten Verdrängungswettbewerb bewähren: "Bestehen kann nur der Schlankste, Produktivste und Günstigste." Effizienz und Automatisierung kosten Stellen: Die Zahl der ehemals 1200 und derzeit noch 400 Burda-Druck-Beschäftigten in Offenburg soll sozialverträglich auf 340 schrumpfen.

Wenn die neue Rotation 2021 in Betrieb geht, wird der zweite Offenburger Druckstandort aufgegeben: Die Druckerei neben dem Burda-Hochhaus mit derzeit noch zwei Tiefdruckrotationen wird stillgelegt, die dort angesiedelte Weiterverarbeitung und Sammelheftung zieht an den neuen Standort. Für die Stadt eröffnet dies die Chance, einen Teil des Burda-Areals in die Pläne für eine aktuell laufende Landesgartenschaubewerbung für die Jahre 2032 bis 2036 zu integrieren. Die Gespräche mit Burda laufen bereits.