Den milden Winter kompensiert

René Zipperlen

Von René Zipperlen

So, 16. Juni 2019

Wirtschaft (regional)

Der Sonntag Badenova gewinnt bundesweit neue Kunden bei Strom und Gas und hofft auf neue Möglichkeiten auf dem französischen Markt.

Der Freiburger Energieversorger Badenova konnte außerhalb seines Netzgebietes neue Kunden gewinnen und die Umsätze bei Strom und Gas 2018 steigern. Vor allem aufgrund hoher Investitionen seien die Gewinne und damit die Ausschüttungen an Kommenen aber leicht zurückgegangen.

Der südbadische Energieversorger und -dienstleister Badenova mit Sitz in Freiburg hat im Geschäftsjahr 2018 seinen Umsatz um rund 60 Millionen Euro auf eine Milliarde Euro steigern können. Weil das Unternehmen aber zugleich massiv in seine Infrastruktur und die digitalen Angebote investiert hat, ist der Bilanzgewinn um 6,8 Prozent auf 52 Millionen Euro gesunken. Das hat Auswirkungen auf Städte in Südbaden, die Anteile am Unternehmen haben und an die der Gewinn ausgeschüttet wird. Als größter kommunaler Anteilseigner ist Freiburg am stärksten betroffen und erhält nun rund 17,1 Millionen (nach 18,3 Millionen im Vorjahr). Lörrach erhält rund 2,1 Millionen (nach 2,28 Millionen), Breisach muss mit 100 000 Euro weniger auskommen und erhält nun rund 1,1 Millionen Euro. Insgesamt sind – über meist deutlich geringere Gesellschafteranteile – inzwischen 97 Kommunen zwischen Hochrhein und Nordschwarzwald an Badenova beteiligt.

Der milde Winter – der laut Badenova um sieben Prozent wärmer war als im Vorjahr – hat sich besonders im Wärmegeschäft niedergeschlagen. Trotz Kundengewinnen ging die gelieferte Wärmemenge um knapp drei auf nun 311 Millionen Kilowattstunden zurück. Die Umsätze des Geschäftsbereichs sanken von 38,4 auf 21,8 Millionen Euro laut Geschäftsbericht. Dagegen spürte das Unternehmen den geringeren Heizbedarf auch beim Erdgas deutlich, konnte die wetterbedingten Rückgänge aber durch Kundengewinne kompensieren und leicht um 1,5 Prozent auf 10,6 Milliarden Kilowattstunden zulegen, was einem Umsatz von 364 Millionen Euro entspricht. Beim Plus der Wasserlieferungen von 2,5 Prozent könnte sich auch der Hitzesommer niedergeschlagen haben.

Beim Strom konnte Badenova deutlicher zulegen und versorgte seine Kunden mit rund 3,3 Milliarden Kilowattstunden, nach 2,9 Milliarden im Vorjahr. Das entspricht einem Zuwachs von 16,7 Prozent. Mit Strom setzt Badenova inzwischen 520 Millionen Euro um.

Gefragte Bundle-Produkte

Laut Sprecherin Yvonne Schweickhardt ist dieser Zuwachs im Stromgeschäft vor allem dem bundesweiten Neukundengeschäft zuzuschreiben. Zu Kundenzahl und Stromumsätzen im eigenen Netzgebiet konnte Badenova keine Angaben machen. Das bundesweite Geschäft mit Strom gilt als recht volatil, da immer mehr Kunden sich kurzfristig an günstige Anbieter binden. Gut angenommen wurden laut Schweickhardt sowohl im Erdgas- als auch im Stromgeschäft die erweiterte Palette an sogenannten Bundle-Produkten: Wer sich für einen Badenova-Vertrag entscheidet, kann auch zugleich Handys oder Laptops dazubestellen. Wer genau rechnet, kann diese am Markt zwar oft günstiger erhalten, viele Verbraucher schätzen diese Pakete aber offenbar. Außerdem machten sich neue Vertriebspartnerschaften wie das mit SH Telekommunikation gegründete Ökostrom- und Gasportal Sparstrom.de positiv bemerkbar, so Schweickhardt.

Dass die Gewinne dennoch zurückgingen, ist Badenova zufolge vor allem den hohen Investitionen geschuldet. Mit 72,1 Millionen Euro nahm Badenova 14,6 Millionen mehr in die Hand als im Vorjahr. 25,5 Millionen flossen in das Erdgasnetz, für 13,1 Millionen erneuerte das Unternehmen sein Stromnetz, und 6,4 Millionen Euro flossen in Wärmenetze und -anlagen. 5 Millionen investierte Badenova in die Wasserversorgung, unter anderem in die Trinkwasserleitung von Hausen über Ihringen nach Breisach. Hohe Summen investierte der Energiedienstleister in seine Kundenbetreuung – von neuen Servicecenter und Shops bis zum Umbau der Onlineangebote, die nun mehr Möglichkeiten wie Tarifwechsel bieten.

2018 beteiligte sich Badenova beim elsässischen Stadtwerk Caléo mit 44,45 Prozent, auch um künftig Zugang zum französischen Markt zu erhalten. Laut Finanzvorstand Maik Wassmer hofft Badenova auf "unternehmerische Aktivitäten" vor allem nach der für 2020 angekündigten Schließung des Kernkraftwerks Fessenheim.

René Zipperlen