Freiburg

Ökonomen Oliver Landmann und Lars Feld verteidigen ihre Wissenschaft

Jörg Buteweg, Bernd Kramer

Von Jörg Buteweg & Bernd Kramer

Mi, 15. August 2018 um 19:00 Uhr

Wirtschaft

BZ-Plus Die Freiburger Wirtschaftsprofessoren Oliver Landmann und Lars Feld sind überzeugt: Die Ökonomie hat die Menschheit weitergebracht. Warum erklären sie im Interview.

Wie nützt Menschen die Ökonomie? Geht diese Wissenschaft nicht von irrealen Verhaltensannahmen aus? Solche Fragen werden Ökonomen immer wieder gestellt. Im Interview geben die beiden Freiburger
Volkswirtschaftsprofessoren Oliver Landmann und Lars Feld Antworten. Sie erklären, was ihre Wissenschaft kann und wo die Grenzen liegen. Anlass ist die Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik im September in Freiburg. Sie gilt als das wichtigste Treffen
deutschsprachiger Ökonomen.

BZ: Astronomen können zuverlässig den Lauf der Planeten vorausberechnen. Ökonomen tun sich schon bei der Prognose für das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr schwer. Die Vorhersagen sind in der Regel unterschiedlich und treffen meistens nicht zu. Ist die Volkswirtschaftslehre eine Wissenschaft wie die Naturwissenschaften oder eher eine Glaubensangelegenheit, die auf den persönlichen Wertvorstellungen jener beruht, die sie betreiben?

"Die Wirtschaft dagegen lebt und hat täglich neue Überraschungen parat." Oliver Landmann Landmann: Ich bitte Sie! Selbstverständlich ist die Ökonomie eine Wissenschaft, aber nur eben keine Naturwissenschaft, sondern eine Sozialwissenschaft. Wenn Astronomen eine Mondfinsternis voraussagen, können sie sich auf Naturgesetze stützen, denen tote, willenlose Himmelskörper seit Jahrmillionen von Jahren gehorchen. Die Wirtschaft dagegen lebt und hat täglich neue Überraschungen parat.
Feld: Im Gegensatz zur Philosophie und zur Mathematik sind Astronomie und Ökonomie Lebenswissenschaften. Theorien können auf ihre Gültigkeit hin durch Beobachtungen – Wissenschaftler sprechen von Empirie – überprüft werden. Wie Naturwissenschaftler können Ökonomen Modelle erarbeiten und auf deren Basis Berechnungen anstellen, um anschließend zu überprüfen, ob deren Ergebnisse mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Allerdings haben Ökonomen ungleich schwerere Bedingungen als Naturwissenschaftler, weil es um menschliche Entscheidungen geht. Sie können nicht ein ganzes Land bestimmten Bedingungen unterwerfen, um zu beobachten, ob ihre Theorie zutreffende Aussagen über die Wirklichkeit zulässt. Es wäre kaum möglich gewesen, den Mindestlohn nur in Ostdeutschland einzuführen, um zu erfahren, wie er wirkt. In diesem Fall hätten die Westdeutschen als Kontrollgruppe gedient. Solche Experimente sind nur in kleinen Gruppen machbar.

BZ: Trotzdem: Zwei Astronomen sind sich über den Lauf des Mondes einig. Bei zwei Ökonomen ist das bezüglich der Arbeitsmarktentwicklung nicht so sicher.
Landmann: Unser Kerngeschäft ist nicht die Prognose, sondern die Analyse wirtschaftlicher Zusammenhänge. Die Prognose ist eine der Anwendungen der Analyse, von der die Öffentlichkeit vielleicht mehr ...

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