Streik trifft Passagiere hart

Christian Ebner

Von Christian Ebner (dpa)

Do, 07. November 2019

Wirtschaft

Im Arbeitskampf bei der Lufthansa geht es um die Anerkennung der Gewerkschaft Ufo.

FRANKFURT. Vier Jahre nach dem längsten Lufthansa-Streik gehen am Donnerstag die Flugbegleiter der Gewerkschaft Ufo erneut in den Ausstand. Ihr Streik über 48 Stunden trifft Unternehmen und Passagiere hart.

Rund 180 000 Passagiere der Lufthansa sind wegen eines zweitägigen Streiks der Flugbegleiter von Flugausfällen betroffen. Das Unternehmen sagte für Donnerstag und Freitag zusammen rund 1300 Flüge ab. Das ist zwar nur ein jeweils kleinerer Teil des weltweiten Programms des Luftverkehrskonzerns mit täglich rund 3000 Flügen. An deutschen Flughäfen ist aber ein Großteil der Starts mit LH-Flugnummern abgesagt, darunter auch zahlreiche Interkontinentalverbindungen von den Drehkreuzen Frankfurt und München.

In der genannten Gesamtzahl von 3000 sind auch Flüge nicht bestreikter Flugbetriebe wie Swiss, Austrian, Edelweiss oder Brussels Airlines enthalten. Die Gewerkschaft Ufo hat bislang nur zu einem Streik bei der Lufthansa-Kerngesellschaft aufgerufen, die laut Konzern an den beiden Tagen jeweils rund 1100 Flüge weltweit absolvieren sollte. Abgesagt wurden nun 700 Flüge am Donnerstag und 600 am Freitag. Ufo hatte sich zudem vorbehalten, den Streik auf bis zu vier weitere Flugbetriebe mit deutschem Tarifrecht auszuweiten, die insbesondere noch für die Tochter Eurowings unterwegs sind. Ihren Kunden hat Lufthansa bereits umfangreiche und kostenfreie Umbuchungsmöglichkeiten angeboten.

Am Mittwoch hatte der Konzern vor dem Arbeitsgericht Frankfurt eine juristische Niederlage erlitten. Die Vorsitzende Richterin lehnte die beantragte Einstweilige Verfügung gegen den Arbeitskampf ab. Nach ihrer Einschätzung sind die Tarifverträge korrekt gekündigt worden und der Streikbeschluss gültig.

Lufthansa ging in die Berufung zu gehen. Das hessische Landesarbeitsgericht lehnte es am Mittwochabend in Frankfurt jedoch ab, den Arbeitskampf zu stoppen.Der Ufo-Vizevorsitzende Daniel Flohr hatte die Teilnahme an dem für Mittwochabend angesetzten Krisengespräch mit Lufthansa-Chef Carsten Spohr abgesagt. Er schätze das Gespräch, an dem auch Vertreter der Gewerkschaft Verdi und der noch in Gründung befindlichen Cabin Union (Kabinen-Gewerkschaft) teilnehmen sollten, ohnehin als einen reinen "PR-Coup" ein.

In der Gerichtsverhandlung am Vormittag hatte Lufthansa der Gewerkschaft Ufo noch sofortige Vorverhandlungen zu tariflichen Themen angeboten, die aber erst mit dem neu zu wählenden Ufo-Vorstand ab 15. Februar 2020 finalisiert werden könnten. Den jetzigen Vorstand lehne man weiterhin als nicht vertretungsberechtigt ab, sagte Lufthansa-Anwalt Thomas Ubber. Ufo verlangte hingegen sofortige Tarifverhandlungen auf Augenhöhe mit dem amtierenden Vorstand.

Als letzte Möglichkeit zur Verhinderung des Streiks könnte Lufthansa auch eine Schlichtung verlangen, was aber letztlich auf eine Anerkennung des Ufo-Vorstands hinausliefe. Die Gewerkschaft würde die Schlichtung befürworten, sagte ihr Sprecher Nicoley Baublies.

Ufo fordert für die 21 000 Lufthansa-Flugbegleiter höhere Spesen und Zulagen sowie besseren Zugang für Saisonkräfte in reguläre Anstellungsverhältnisse. Für die vier anderen Flugbetriebe wurden jeweils separate Forderungen aufgestellt und Urabstimmungen abgehalten. In dem Konflikt geht es aber hauptsächlich um die Frage, ob Ufo überhaupt noch Tarifverträge für das Kabinenpersonal durchsetzen kann.