Wurstproduzent fordert, weniger Fleisch zu essen

dpa

Von dpa

Di, 03. September 2019

Wirtschaft

Rügenwalder Mühle macht bereits fast 40 Prozent ihres Umsatzes mit Veggie-Produkten / Ende der Currywurst.

BAD ZWISCHENAHN (dpa). Ob die Currywurst nun im Ruhrpott oder in Berlin erfunden wurde – aus einem Ort kommt Deutschlands wohl beliebtester Imbiss jetzt nicht mehr: In Bad Zwischenahn im Norden Niedersachsens hat die Rügenwalder Mühle für September das Ende ihrer Currywurst aus Fleisch besiegelt. Der Wursthersteller brauche mehr Platz für seine vegetarischen Produkte, sagt Firmenchef Godo Röben. Mehr noch: Die Fleisch- und Wurstbranche habe es in den vergangenen Jahren übertrieben, Tierwohl und Klimaschutz seien auf der Strecke geblieben, sagt der 50-Jährige. "Es ist jetzt an der Zeit, mal 50 Prozent weniger Tiere zu essen." Bemerkenswerte Töne für einen der bekanntesten Fleischverarbeiter des Landes. Seine Strategie überzeugte anfangs auch im eigenen Haus nicht jeden. "Natürlich gab es große Widerstände", sagt Röben über die Einführung der Veggie-Produkte vor fünf Jahren. "Der Vegetarier war ja der natürliche Feind des Fleisch- und Wurstherstellers." Aber das bisherige Geschäftsmodell sei nicht mehr zukunftsfähig gewesen.

Fleischlose Produkte sind bundesweit im Kommen. Nach Zahlen des Marktforschungsunternehmens Nielsen steigt der Wert der im Einzelhandel verkauften vegetarischen Produkte deutlich an. Zwischen Mitte 2018 und Mitte 2019 sei Veggie-Fleisch in Höhe von 163,1 Millionen Euro über die Theken gegangen – ein Zuwachs von fast zehn Prozent auf Umsatzbasis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie Nielsen-Expertin Silke Schmitt erläutert.

Auch bei der Rügenwalder Mühle zeigen die Geschäftszahlen, dass es für Fleischersatzprodukte einen Markt gibt. Sie machen heute 35 bis 38 Prozent des Umsatzes aus. "Das Ziel von 40 Prozent werden wir im nächsten Jahr auf jeden Fall erreichen", sagt Röben. Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) betont, vegetarische und vegane Produkte gehörten "zu den wichtigen Lebensmitteltrends der letzten fünf Jahre". In diesem Zeitraum sei der Absatz dieser Produkte um mehr als 15 Prozent gestiegen.

Bei der Rügenwalder Mühle ist die Fleischverarbeitung nach eigenen Angaben in den vergangenen vier Jahren um durchschnittlich drei Prozent zurückgegangen. Dadurch wurden Kapazitäten für vegane und vegetarische Produkte frei. Wobei beim Ende der Currywurst zur Wahrheit auch gehört, dass das Unternehmen sie erst seit 2014 im Angebot hatte und einräumt, das Vermarktungsumfeld sei schwierig gewesen.