Gundelfingen

Naturschützer starten einen Plakat-Protest gegen Gundelfinger Baugebiet

Sebastian Heilemann

Von Sebastian Heilemann

So, 14. Februar 2021 um 18:05 Uhr

Gundelfingen

Der BUND wirbt mit Schildern gegen das Neubaugebiet Nägelesee Nord. Die Naturschützer befürchten negative Auswirkungen auf Tierarten.

Auf dem geplanten Neubaugebiet Nägelesee Nord reihen sich aktuell zahlreiche Protestplakate aneinander. Mit der Aktion will der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) auf die Artenvielfalt aufmerksam machen, die aus Sicht der Naturschützer durch das Baugebiet bedroht ist.

16 Plakate sind es, die Michael Müller und André Grabs auf dem Acker eingepflockt haben. "Damit wir bleiben können", steht auf den Schildern mit Kröte, Specht und Steinkauz. Und: "Nein zum Bürgerentscheid Nägelesee Nord". Denn künftig sollen hier Wohngebäude stehen. Damit sind die beiden Naturschützer allerdings nicht einverstanden. Ihre Befürchtung: Der Lebensraum zahlreicher Tierarten könnte durch das Projekt beschnitten werden. "Uns geht es darum, dass die Tiere zurückgedrängt werden", sagt André Grabs, Vorsitzender des BUND Gundelfingen. Dabei gehe es nicht nur um die Tiere, die aktuell auf der Fläche leben, sondern auch um diejenigen, deren Revier bis zum Gebiet Nägelesee Nord reicht.

"Der Druck auf die angrenzenden Flächen wird immer größer" André Grabs

Doch nicht nur das Gundelfinger Bauprojekt, über das die Bürger beim Bürgerentscheid am 14. März abstimmen können, ist den Naturschützern ein Dorn im Auge. Sie üben auch Systemkritik und beklagen den generellen Trend, dass Städte und Gemeinden immer weiter wachsen wollen und somit immer mehr Flächen versiegeln. Denn, so Grabs Befürchtung, für alle Tierarten, die im Offenland leben, werde es zunehmend enger. "Der Druck auf die angrenzenden Flächen wird immer größer", sagt Grabs. "Und die Schlagzahl an Störungen für die Tiere wird größer." Neben den möglicherweise vom Baugebiet betroffenen Tieren, machen die Plakate auch auf ein laut BUND weiteres Problem aufmerksam: Verschwindende landwirtschaftliche Flächen. Deswegen weisen die Plakate neben verschiedenen Tierarten auch den Landwirt als bedrohte Art aus. Denn aus Sicht des BUND wird durch das Bauprojekt wertvoller Ackerboden unwiederbringlich vernichtet.

Dass die Gemeindeverwaltung Ausgleichsflächen schaffen wird, um etwa den ökologischen Eingriff durch Nägelesee Nord zu kompensieren und so neue Lebensräume für Tiere zu schaffen, wollen die Naturschützer nicht gelten lassen. "Es ist eine Lüge, dass sich alles so einfach ausgleichen lässt. Unterm Strich bleibt immer ein Minus", sagt Grabs. "Flächen wachsen nicht einfach nach." Für Landwirte bedeute dies, dass sie auf immer weniger Fläche immer intensiver wirtschaften müssten.

Ob und in welcher Zahl die Tierarten auf den aufgestellten Plakaten tatsächlich auf der Fläche von Nägelesee Nord leben, ist den Naturschützern bei ihrer Kritik zweitrangig. "Es geht uns ums System", sagt Michael Müller. Es gehe vor allem darum, ein Signal zu setzen. "Hier kann ich am 14. März mit ,Nein’ abstimmen", sagt er – auch wenn Nägelesee Nord für die beiden nur ein kleiner Teil eines viel größeren Problems ist.