Renaturierung

Ein Nebenarm der Dreisam in Freiburg droht zu verlanden

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Mo, 06. September 2021 um 11:00 Uhr

Freiburg

500 Kubikmeter Kies werden ab Donnerstag aus der Dreisam gebaggert. Der Grund: Ein Nebenarm in Höhe des Uni-Sportgeländes bleibt trocken, wenn der Fluss wenig Wasser führt.

Im Seitenarm der renaturierten Dreisam hat sich erneut zu viel Kies gesammelt. Der untere Bereich in Höhe des Uni-Sportgeländes droht zu verlanden. Deshalb will der Landesbetrieb Gewässer des Regierungspräsidiums von diesem Donnerstag an rund 500 Kubikmeter Kies ausbaggern. Das soll "so behutsam wie möglich" vonstatten gehen, sagt Bernhard Walser, Flussbaumeister und Leiter des Betriebshofs Riegel, der zum Landesbetrieb Gewässer gehört.

Vor sechs Jahren wurde die Dreisam an den Kartauswiesen im Osten der Stadt naturnah umgestaltet. Die Gewässerstruktur habe sich deutlich verbessert, teilt die Behörde mit, und die Dreisam sei zu einem beliebten Naherholungsziel geworden. Doch wo die Dreisam langsam werde, bleibe das Geschiebe liegen, erklärt Flussbaumeister Walser. Und genau das sei bei der Aufweitung mit Seitenarm der Fall.

Die Hoffnung, das Renaturierungsprojekt komme ohne anschließendes Ausbaggern aus, hat sich nicht erfüllt. Vor genau zwei Jahren setzte der Landesbetrieb unterhalb des Ottilienstegs tonnenschwere Granitblöcke ein, sogenannte Buhnen, die die Strömung auch in den Seitenarm lenken. Nun hätten die jüngsten Hochwasser flussabwärts so viel Kies abgelegt, dass der Nebenarm oberhalb der Sandfangbrücke trockenfällt, wenn die Dreisam wenig Wasser führt. Eigentlich sollten die Bagger im Sommer anrollen. Doch der Seitenarm habe permanent Wasser geführt, sagt Bernhard Walser. Wegen der Laichzeit hat sein Betriebshof nur bis Ende September Zeit für die neuerliche, rund 15 000 Euro teure Maßnahme.

Am Donnerstag soll sie beginnen. Zunächst soll der 150 Meter lange Bereich abgefischt und trocken gelegt werden. Bis Dienstag soll der Kies abtransportiert sein und später im Wegebau eingesetzt werden.

Der Fuß- und Radweg muss während der Arbeiten kurzfristig und abschnittsweise gesperrt werden. Ob auch hier Leitbuhnen eingesetzt werden können, ohne den Hochwasserschutz zu gefährden, soll ein Ingenieurbüro berechnen.

Nach Ansicht des Gewässerökologen Hans Jürgen Hahn von der Universität Koblenz-Landau hat der Rückbau in ökologischer Hinsicht allerdings wenig bewirkt – das gelte für die meisten ähnlichen Maßnahmen, sagte er der Badischen Zeitung bei einer Begehung vor mehr als zwei Jahren.