Neuer Name, neuer Schwung

Silke Hartenstein

Von Silke Hartenstein

Di, 23. Juli 2019

Neuenburg

Konzert der Chorgemeinschaft 1845 Neuenburg-Zienken, ab jetzt "Sing & Swing 1845 Zienken".

NEUENBURG-ZIENKEN. In Pink und Schwarz, dem Publikum den Rücken zugewandt, steht die Chorgemeinschaft 1845 Neuenburg-Zienken auf der Bühne. Nach und nach wenden sich die Sänger und Sängerinnen um und eröffnen mit Volks-Rock ‘n’ Roll und vielstimmigem "Hodiodiohhdihodieh" gut gelaunt, gut bei Stimme und mit dynamischer Choreografie ihr Sommerkonzert in der Zienkener Dorfgemeinschaftshalle.

Dieses Konzert ist etwas Besonderes. Vier Jahre lang gab der aus zwei Ensembles neu formierte Chor kein eigenes Konzert mehr, wie die Vorsitzende Corinna Sawall verkündet. Nun ist der 25 Sänger und Sängerinnen starke Chor unter Claudia Mundis temperamentvoller Leitung mit neuen Mitgliedern, neuen Liedern und kleinen Choreografien gerüstet für die Feier seines 175-jährigen Bestehens im kommenden Jahr. Nur der alte, lange Chorname wollte nicht mehr so recht passen: Ab jetzt heißt der Chor "Sing & Swing 1845 Zienken".

Gefeiert wurde dieser besondere Anlass zusammen mit dem Männergesangverein Hügelheim, der Sängervereinigung Müllheim und "Just Sing" aus Britzingen. Und die Zuhörer in der recht gut besetzten Halle erlebten ein sommerlich leichtes, abwechslungsreiches Konzert.

"Wir singen jetzt auch fremdsprachig", stellte Sawall fest. Und so folgten auf Andreas Gabaliers "Hulapalu" und den mit effektvollen Tempo-Wechseln gesungenem Schlager "Griechischer Wein" der dynamisch und temperamentvoll interpretierte Musicalhit "You’re the one that I want". Und selbst bei den rhythmisch sauberen Stakkato-Parts von Helene Fischers Riesenhit wurde Sing & Swing keineswegs "Atemlos".

Ohne Zugabe durfte kein Chor von der Bühne

Sodann hieß es: Bühne frei für den vier Jahre jungen gemischten Britzinger Chor "Just Sing" unter Leitung und mit Klavierbegleitung von Dirk Herzig. Dass Herzig auch eine schöne Tenorstimme hat, bewies er beim romantischen "You raise me up", effektvoll umrahmt von den 13 Sängern. Sie nahmen ihr Publikum mit auf den Gang über "Sieben Brücken", ließen mit Pop-Rock-Sängerin Christina Stürmer "Millionen Lichter" leuchten und hauchten dem suggestiven Gospel "Down in the river to pray" eine Menge füllig klingendes Leben ein. Ohne Zugabe durften sie, ebenso wie die anderen Chöre, nicht von der Bühne abtreten.

"Ein kleines Lächeln tut so gut, versuch‘ es dreimal täglich". Mit dieser freundlichen Empfehlung, komponiert vom in Müllheim lebenden Sänger, Komponisten und Chorleiter Jürgen E. Wolff, eröffnete die Sängervereinigung Müllheim, an diesem Abend unter Helmut Schwitallas Leitung, ihren Konzertpart. Es folgte Wolffs "Ich wünsch dir Zeit", beide a cappella und mit klarer Aussprache interpretiert. Zum lateinamerikanischen Rhythmus der "Melodie d‘ amour" griff David Böse in die Tasten. Der Pianomann, der auch Zienkens und Hügelheims Sänger begleitete, wechselte an diesem Abend souverän die Genres, von Pop und Musical bis zum Paso Doble beim geschmeidigen Lied der Sängervereinigung "Die schöne Spanierin".

Einst, als sich Zienkens Chorgemeinschaft gründete, stand der Männergesangverein Hügelheim Pate. Heute haben Patenchor und Patenkind bei allen Unterschieden in Klangcharakter und Repertoire eine große Gemeinsamkeit: ihre Leiterin Claudia Mundi. Und so überzeugte die Sängerschar in Küferkleidung beim fröhlichen "Aus der Traube in die Tonne" mit schönem Stakkatogesang und fülligen Parts und lief beim venezianischen Volkslied "Der Hahn von Onkel Giacometo" zu gesanglicher Hochform auf. Ein Höhepunkt war Mundis Solo. Klar, voluminös und mit gekonnter Phrasierung begeisterte die Sopranistin mit "I feel pretty" aus Bernsteins "West Side Story" das Publikum. Im Anschluss daran ernteten die Sänger für ihren deutsch-italienischen, präzise und strahlend interpretierten Sommerklassiker "Azurro" großen verdienten Abschiedsapplaus.

Die Stunde des Abschieds schlug zuletzt auch für "Sing & Swing" nach ihrem zweiten Konzertteil mit Calypso, Samba, Soul und dem locker-leicht gesungenen Pop-Oldie "Lollipop". Das Publikum bedankte sich mit kräftigem Beifall und bekam als Zugabe den 1950er Schmusesong "Good Night, Sweetheart", gefolgt von Sawalls freundlichem Hinweis, man solle den Liedtext nicht wörtlich nehmen – und es gebe Cocktails an der Bar.