Neuer Schwung für Evergreens aus Rock, Pop und Swing

Heidrun Simoneit

Von Heidrun Simoneit

Mi, 30. November 2022

Titisee-Neustadt

Big Band der Jugendmusikschule samt Dirigent Kilian Heitzler und Sänger Bernd Wider präsentiert sich beim Jahreskonzert im Kurhaus gut aufgelegt.

. Wer diesem musikalischen Erlebnis fernblieb, weil der Name JMS Big Band (Jugendmusikschule Hochschwarzwald) den Eindruck vermittelt haben könnte, hier spiele der Nachwuchs, der hat etwas verpasst. Beim Jahreskonzert im Kurhaus in Titisee saßen erfahrene Musiker, manche schon im Rentenalter, auf der Bühne. Ein überwiegend älteres Publikum hatte im gut besetzten Saal Platz genommen.

Was für ein beeindruckender Sound und was für eine mitreißende Atmosphäre gelang an diesem Nachmittag: Das Orchester präsentierte Welthits und Ohrwürmer aus der Pop-Rock-Ära, als Swing Shuffle, Disco Funk und interpretierte die Dauerbrenner auf angenehm jazzige Art. Mit dieser Umsetzung gelang eine neue Perspektive und eine Aufwertung alter Melodien, die einst Lieblinge waren, nach dem heutigen Geschmack aber vielleicht etwas angestaubt daherkommen.

Ein gut gelaunter Dirigent (Kilian Heitzler), souveräne Solisten (Rainer Hättich/Posaune, Matthias Waldvogel/Altsaxophon, Sonja Hofmeier/Tenor-Saxophon, Christian Simon/Trompete, Eugen Roth/Gitarre, Lars Gehring/Posaune, Joachim Kaiser/Altsaxophon) und ein brillanter Sänger aus Löffingen (Bernd Wider) sorgten zusammen mit dem aus einem Guss spielenden Ensemble für ein besonderes Hörerlebnis. Als Gastspieler begleitete Tobias Burgert seine ehemaligen Kollegen am Klavier.

Beatles-Songs (Day Tripper, Come together, Something, Lady Madonna) gehörten ebenso zum Repertoire wie großartige Film- oder Revuemusik (I can give you anything but love). Bei "Sway", einem Hit von Dean Martin und durch den kanadisch-italienischen Jazzsänger Micheal Bublé wieder zum Leben erweckt, zeigte sich die ganze Leichtigkeit des gefühlvollen Songs. Wider performte mit großer Ausdruckskraft auch einen Hit von Nina Simone (Feeling good).

Gut fühlten sich bestimmt auch die Zuhörer an diesem Abend, denn gute Musik beflügelt, beruhigt, entspannt, ruft Erinnerungen wach und macht glücklich. 120 Minuten purer Genuss, am Ende forderten die Zuhörer zaghaft eine Zugabe. Die gab es mit einem Amy-Stewart-Song aus dem Jahr 1970: "Knockin’ on wood" erlangte auf dem Höhepunkt der Disco-Welle ungeahnte Reichweiten.

Danach aber war Schluss. Dirigent Heitzler wies auf den nächsten Auftritt hin, der am 17. Dezember um 21 Uhr im Café Diva in Hinterzarten beginnt.

Wo ist denn die Jugend? Das wurde Cesar Masano Cavaloti, der seit drei Monaten die Jugendmusikschule leitet, an diesem Abend mehrfach gefragt. Er hat das irreführende Problem im Namen JMS längst erkannt: "Vor 40 Jahren wurde das so kreiert. Mittlerweile haben wir aber auch viele Erwachsene und auch Senioren." Man könne auch im hohen Alter noch anfangen und ein Instrument erlernen. Um aber besonders ein jüngeres Publikum anzusprechen, überlegt er, soziale Medien zu nutzen, um die Reichweite zu erhöhen und dem möglichen Nachwuchs zu demonstrieren, wie schön Jazz in einer modernen Umsetzung sein kann.