Gute Karten für Wolf und Luchs?

Neues Ausstellungsmodul über Wolf und Luchs im Haus der Natur

Susanne Gilg

Von Susanne Gilg

Fr, 08. November 2019 um 13:50 Uhr

Feldberg

Kaum ein Tier polarisiert in jüngster Zeit im Schwarzwald so wie der Wolf. Der Luchs dagegen ist auf leiseren Pfoten unterwegs. Im Haus der Natur gibt es daher ein neues Ausstellungsmodul zu beiden Tieren.

Mit einem neuen Ausstellungsmodul, das sich interaktiv mit Wolf und Luchs beschäftigt, möchten das Haus der Natur und Feldbergranger Achim Laber unter dem Titel "Gute Karten für Wolf und Luchs?" Besuchern verschiedene Aspekte zu den beiden Tieren aufzeigen. Noch nie sei es so schwierig gewesen, sich auf ein Konzept zu einigen, berichtet Laber. Seine Erkenntnis nach der Recherche: "Die eine Wahrheit gibt es bei dem Thema nicht."

Es ist Freitagabend, wie jede Woche im Winterhalbjahr sitzen in der warmen Stube am Kachelofen drei Cegospieler und prosten sich zu. Natürlich geht es darum, wer das beste Blatt hat. Doch schon bald gerät das Schwarzwälder Kartenspiel zur Nebensache, denn die drei Herren haben unterschiedliche Meinungen zur Rückkehr von Wolf und Luchs in den Schwarzwald.

Kabarettist und Nebenerwerbslandwirt Nikolaus König alias Niki spricht vom Wolf, der im Schluchsee "versoffen" ist. Damit zieht er den Zorn seines Mitspielers Fidelius Waldvogel (Martin Wangler) auf sich: "Den toten Wolf vom Schluchsee, den hat ein Wolfshasser verschossen", schnaubt er wütend. "Kein Mensch braucht den Wolf im Schwarzwald – außer ein paar Naturschützer, damit sie wieder Arbeit haben", entgegnet ihm Niki. "Was sagst eigentlich Du dazu, Achim, als Obernaturschützer?" fragt Fidelius Waldvogel an Feldbergranger Achim Laber gewandt. Damit endet der erste von elf kurzen Filmen, in denen sich die drei Cegospieler mit den den beiden großen Beutegreifern Wolf und Luchs auseinandersetzen.

"Schafe sind für Wölfe das perfekte Fastfood."Achim Laber, Feldbergranger
"Gute Karten für Wolf und Luchs?" heißt daher die Fragestellung, die sich als roter Faden durch die Filme zieht, in denen es unter anderem um Herdenschutz, um Problemwölfe, um die Nahrung von Wolf und Luchs, um die Gefährlichkeit der Tiere oder um Naturschutz geht.

Die Grundidee für das Ausstellungsmodul, sagt Achim Laber, sei ein Faktencheck gewesen. "Doch während der Recherche haben wir festgestellt, dass es die eine Wahrheit bei diesem Thema nicht gibt." Vor allem im Internet sei es schwierig gewesen, sachliche und wissenschaftlich fundierte Informationen zu finden. Auch bei diesem Thema werde im Netz dermaßen polarisiert, statt sachlich diskutiert. Daher beantworteten auch die elf Kurzfilme nicht alle Fragen zu dem Thema – und die Gäste seien aufgefordert, sich ihre eigene Meinung zu bilden.



"Was in Brandenburg stimmen mag, das ist in Südfrankreich vollkommen anders", sagt Laber. So funktioniere in vielen Regionen der Herdenschutz mit Zäunen und Herdenschutzhunden, in manchen wiederum nicht. "Ich kenne einen Ranger in Brandenburg, der in 21 Jahren noch kein einziges Tier an den Wolf verloren hat." Jener Ranger kommt in einem der elf Streifen, die Filmemacher Dirk Adam produziert hat, auch zu Wort.

"Schafe sind für Wölfe das perfekte Fastfood", erklärt Achim Laber in dem Film, der sich mit der Nahrung auseinandersetzt, die Wölfe und Luchse bevorzugen. Es gehe darum, Wölfe und Luchse in jungen Jahren von Fastfood fernzuhalten – "sonst wissen sie ihr ganzes Leben lang, dass sie sich dort bedienen können". Daher sei ein funktionierender Herdenschutz extrem wichtig. Laber verhehlt nicht, dass sich der Naturschutz bei diesem Thema vielfach auch in einem Interessenskonflikt befinde.

"Wir haben immer mehr kleinere Strukturen in der Landwirtschaft und oft sind wir auf die Gutmütigkeit der Landwirte angewiesen." Wenn der Wolf tatsächlich in den Schwarzwald zurückkehre, dann "wird sich unsere Landschaft verändern", sagt Laber. "In den Filmen versuchen wir, die verschiedenen Argumente auf den Tisch zu bringen – fachliche Unterstützung haben wir von der Forstlichen Versuchsanstalt in Freiburg erhalten", berichtet der Ranger.