New Yorks Kronjuwel ist poliert worden

Christina Horsten

Von Christina Horsten (dpa)

Sa, 12. Oktober 2019

Panorama

Ausstellung und Aussichtsplattformen des Empire State Building wurden neu gestaltet / Heute wird es für Besucher wieder eröffnet.

NEW YORK. Rund 40 Jahre lang war das 1930/31 erbaute Empire State Building das höchste Gebäude New Yorks, bis 1972 auch das höchste der Welt. Inzwischen aber wirkt der weltbekannte Turm vergleichsweise klein neben den neueren Wolkenkratzern, deren höchster das One World Trade Center ist. Um mit den höheren Skyscrapern bei der Attraktivität für Besucher mitzuhalten, wurden im Empire State Building die Aussichtsplattformen neu gestaltet.

Rund ein halbes Dutzend größere Wolkenkratzer sind im Bauboom der vergangene Jahre in New York fertiggestellt worden, zahlreiche weitere wachsen derzeit noch in die Höhe. Bislang unangefochtener Spitzenreiter ist das neue World Trade Center im Süden Manhattans mit rund 540 Metern Höhe. Für das 88 Jahre alte und 443 Meter hohe Empire State Building wächst mit all diesen neuen Wolkenkratzern auch stetig die Konkurrenz um Besucher – vor allem, weil viele der Türme auch Aussichtsplattformen haben und diese gezielt und modern bewerben. Das World Trade Center beispielsweise preist seine Multimedia-Show an, im neuen Viertel Hudson Yards soll 2020 "die höchste Outdoor-Aussichtsplattform der westlichen Hemisphäre" auf 335 Metern eröffnen.

Jetzt aber schlägt erstmal der Platzhirsch zurück: Das Empire State Building hat seine Ausstellungsräume und Plattformen komplett überholt und renoviert. Ab dem heutigen Samstag, 12. Oktober, ist alles für die Öffentlichkeit zugänglich. Das Art-déco-Gebäude mitten in Manhattan ist in erster Linie Geschäftshaus und Quartier für zahlreiche Firmen wie die Netzwerk-Plattform Linked-In. Jeden Tag pendeln rund 16 000 Menschen ins Empire State Building zur Arbeit.

Darüber hinaus besuchen rund vier Millionen Menschen pro Jahr das aus zahlreichen Hollywood-Filmen wie "King Kong" bekannte Gebäude. Dem Betreiber Realty Trust bringt das rund 132 Millionen Dollar (etwa 120 Millionen Euro) ein. Die Blicke von den Plattformen waren schon immer atemberaubend, Besucher beschwerten sich aber mitunter über die angestaubte, veraltete Ausstellung im unteren Teil des Gebäudes und über lange Schlangen an Kassen und Aufzügen. "Wir haben unsere Besucher befragt, und alle haben uns gesagt, dass sie schon eine Verbindung zum Empire State Building hatten, bevor sie nach New York gekommen sind. Dass sie die Marke und das Gebäude lieben. Dass sie den Ausblick lieben – aber die Schlangen fanden sie nicht so doll", sagt Jean-Yves Ghazi, Chef der Aussichtsplattformen. "Mit dieser neuen Ausstellung haben wir einen Weg gefunden, die Schlangen aufzulösen und die emotionale Beschäftigung der Besucher mit dem Gebäude anzuregen", so Ghazi. Vor viereinhalb Jahren habe man mit dem Projekt begonnen, "die Besucher-Erfahrung neu zu konzipieren – und da sind wir, 165 Millionen Dollar später."

Der Besuchereingang ist verlegt worden, Tickets sollen fast nur noch im Voraus oder per Karte an Automaten gekauft werden. Der Weg zu den Aufzügen führt durch die neu renovierte Ausstellung über die Geschichte des Turms, die nun deutlich mehr Multimedia-Elemente und Selfie-Stationen enthält. Am beliebtesten ist Riesenaffe King Kong, der durch zahlreiche Bildschirme und zwei große Hände zum Leben erweckt wird. Das alles helfe, Schlangen zu verhindern, sagt Tom Hennes von der beauftragten Design-Firma Thinc. "Alles ist so konzipiert, dass die Menschen schon eine emotionale Bindung zu dem Gebäude haben, bevor sie oben ankommen." Das Hochhaus scheint fit für die Instagram-Ära.

Die wahren Stars, das "Kronjuwel", wie Realty-Trust-Chef Anthony Malkin sagt, sind natürlich die Aussichtsplattformen: eine offene, viereckige im 86. Stock und eine geschlossene runde im 102. auf 381 Metern. Beide wirken nach der Renovierung deutlich freundlicher, bieten mehr Platz und größere Fenster. Im 102. Stock können Besucher durch 24 Fenster einen 360-Grad-Panoramablick über New York genießen. "Die renovierte Aussichtsplattform wird wahrscheinlich ein Muss-Anlaufziel, sogar für abgestumpfte Eingeborene", urteilte die New York Times. Nur ein Makel wird sich nicht beheben lassen: Eine der schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt sieht man nie von der Aussichtsplattform – das Empire State Buildung selbst.