DFB-Machtkampf

Nicht nur Fritz Keller steht im Fokus

dpa/BZ

Von dpa & BZ-Redaktion

Di, 04. Mai 2021 um 20:00 Uhr

Fussball

Das DFB-Sportgericht verhandelt nicht nur in Sachen Fritz Keller, sondern auch wegen Generalsekretär Friedrich Curtius. Vize-Präsident Rainer Koch soll sich gegenüber der DFL rechtfertigen.

Ein Urteil des DFB-Sportgerichts im heiklen Fall um den Nazi-Vergleich von Fritz Keller soll bis Ende Mai fallen, doch so lange wird der angeschlagene Präsident des Deutschen Fußball-Bundes öffentlich wohl nicht schweigen können. Die Ethikkommission hat ihre Ergebnisse an das dreiköpfige Gremium unter dem Vorsitz von Hans E. Lorenz verwiesen. Indes hat Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball-Liga DFL, einen Brief an DFB-Vizepräsident Rainer Koch geschrieben. "Mit einer Entscheidung ist noch im Mai zu rechnen, allerdings nicht in dieser und auch nicht in der nächsten Woche", sagte Lorenz. Trotz Kellers heftig kritisierten verbalen Entgleisung gegenüber Vizepräsident Rainer Koch, den er auf der DFB-Präsidiumssitzung am 23. April mit dem früheren Nazi-Richter Roland Freisler verglichen hatte, erbat sich der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes bislang Bedenkzeit. Unmittelbar zurücktreten wird er vermutlich nicht. Vor dem Abschied steht Schatzmeister Stephan Osnabrügge, der im Führungsstreit dem Curtius-Lager zugeordnet werden kann. Der Funktionär werde auf dem nächsten DFB-Bundestag 2022 nicht mehr antreten, twitterte das ZDF. Offenbar hatte Osnabrügge dies bei der Konferenz der Landes- und Regionalverbände am Wochenende in Potsdam angekündigt. Der DFB war für eine Stellungnahme dazu zunächst nicht zu erreichen.

Die Chefs der Landes- und Regionalverbände hatten Osnabrügge und Koch bei der Krisensitzung zwar das Vertrauen ausgesprochen, doch das Votum fiel keineswegs einhellig aus. Der Schatzmeister, der das Amt seit dem 15. April 2016 innehat und beim Bundestag im September 2019 für weitere drei Jahre bestätigt worden war, erhielt 13 Nein-Stimmen. Genausoviele waren es bei Koch, der im Falle eines Rücktritts von Keller den Verband gemeinsam mit Peter Peters bis zur nächsten Wahl führen würde.

Kellers Gegenspieler Curtius, mit dem der Präsident seit Monaten eine öffentliche Fehde austrägt, hatte bereits am Montag seine Bereitschaft zu einem Rückzug aus dem Amt signalisiert. Er stehe für Gespräche "zu konstruktiven Lösungen für den DFB jederzeit zur Verfügung", teilte der Generalsekretär mit. "Dies umfasst selbstverständlich auch meine Funktion."

Die DFL fordert Antworten von DFB-Vizepräsident Rainer Koch

Die DFB-Ethikkommission hatte auch zwei Anträge gegen Curtius beraten. Es handelt sich zum einen um die Umstände im Zusammenhang mit der fristlosen Kündigung von Kellers Bürochef und zum anderen um die Weitergabe eines Schreibens von Keller an den Medienberater Kurt Diekmann. Auch diese Ergebnisse wurden dem Sportgericht vorgelegt, von einer Einstellung war hier nicht die Rede.

Zur Bewertung des Keller-Eklats nahm das Sportgericht unter Leitung von Lorenz am Dienstag seine Arbeit auf. Das Verfahren inklusive einer möglichen mündlichen Verhandlung über eventuelle Sanktionen sei "nicht öffentlich", teilte der 71-Jährige mit.

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hat indes laut Informationen des Fachmagazins Kicker die Profi-Klubs über einen Brief an Rainer Koch informiert. Darin zeigt sich Seifert irritiert über brisante Gerüchte. Laut Kicker stellt Seifert in dem Schreiben klar, dass in der DFL keine Pläne existierten, den DFB strukturell zu zerschlagen. Zudem strebe er selbst keinen Wechsel in eine Private-Equity-Firma an, die auf das große Geld im deutschen Fußball ziele. Stattdessen empfiehlt er allen DFB-Funktionären, "wiederkehrende Unterstellungen zu unterlassen". Das Nachrichtenmagazin Spiegel hatte zuvor um eine Stellungnahme zu der bisher unbestätigten Information gebeten, DFB-Vize Koch habe in einer Sitzung am Wochenende die Befürchtung geäußert, die DFL wolle den DFB strukturell zerschlagen. In dem Schreiben an Koch, das den 36 Profiklubs zuging, fordert Seifert nun: "Ich würde Sie zunächst bitten, gegenüber der DFL Stellung zu beziehen, ob Sie sich entsprechend geäußert haben und falls ja, gegenüber wem." Auch der Druck auf Koch wird demnach größer.