Fußball

Nora Häuptle, Trainerin des Sand: "Es wird immer schwieriger, mitzuhalten"

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Do, 03. Dezember 2020 um 22:00 Uhr

Frauenfussball

Nora Häuptle, Trainerin des Frauen-Fußball-Bundesligisten SC Sand, der um den Klassenerhalt kämpft, spricht über schlaflose Scouting-Nächte und Herausforderungen.

. Seit dieser Saison trainiert Nora Häuptle die Bundesliga-Fußballerinnen des SC Sand. Nach knapp der Hälfte der Spielzeit befinden sie sich mitten im Abstiegskampf. Im Interview mit Jakob Schönhagen spricht die Fußball-Lehrerin über die Herausforderung, Bundesliga-Fußball in Sand zu stemmen, schlaflose Scouting-Nächte und wie man aus wenig Geld, viel Leistung herausholt.

BZ: Frau Häuplte, Sie sind nun knapp eine halbe Saison Trainerin des SC Sand. Kurz vor der Winterpause steht Ihr Team auf dem zehnten Tabellenplatz, knapp vor den Abstiegsrängen. Haben Sie sich die Aufgabe leichter vorgestellt?
Häuptle: Das Meiste läuft wie erwartet. Das ist spannend und anstrengend zugleich. Es kostet viel Energie, man muss aufpassen, dass man sich genügend Pausen nimmt.
BZ: Was ist die größte Herausforderung in Sand – dem neben Aufsteiger SV Meppen kleinsten Verein der 1. Bundesliga?
Häuptle: Aus wenig viel zu machen. Der Verein muss wahnsinnig in Strukturen investieren. Wir müssen weg vom Amateurfußball, haben dafür aber nur ein kleines Budget.
"Wenn man so bleibt, wie man war, wird man schlechter."
BZ: Was bedeutet das konkret?
Häutple: Wir versuchen, professionelle Strukturen zu schaffen. Zur Rückrunde stellen wir einen Physiotherapeuten und Assistenztrainer an. Diese Woche haben wir in einem Container einen Kraftraum aufgebaut – für 3 000 Euro. Da sehen sie, wie groß die Herausforderung ist. Und wir werden uns zur Rückrunde personell verändern, uns von ein, zwei Spielerinnen trennen und uns verstärken.
BZ: Wie findet man im Corona-Jahr die passenden Spielerinnen für einen Verein, der fern jeder Großstadt mitten im Ortenaukreis liegt, der weniger zahlt als das Gros der Konkurrenz und im Abstiegskampf steckt?
Häuptle: Man schläft wenig. In den letzten Wochen habe ich mir Videos von vierzig Spielerinnen angeschaut. Da schaut man Spiele bis nachts um halb zwei. Und das Training ist da noch nicht vorbereitet. Wir haben Profile erstellt. So wissen wir genau, nach welchen Spielerinnen wir suchen. Da wir weniger zahlen als andere Vereine, ist die Schwierigkeit, Spielerinnen zu finden, die sonst keiner auf dem Schirm hat und die in Sand die Chance sehen, einen nächsten Schritt zu gehen. Und dann müssen sie auch noch zum Team passen.
BZ: Ihr Team hat zwei Spiele gewonnen und acht verloren. Wie zufrieden sind Sie mit der Hinrunde?
Häuptle: Man sieht, dass wir uns Schritt für Schritt entwickeln. Wir versuchen, den spielerischen Akzent zu betonen. Da dürfen Fehler passieren.
BZ: Wo sehen Sie die größten Baustellen?
Häuptle: Wir müssen viel besser gegen Standards verteidigen, da fangen wir die meisten unserer Gegentore. Vor allem im ersten Spielabschnitt bekommen wir zu viele Treffer. Auch die Effizienz vorm Tor ist ein Thema.
BZ: Das klingt insgesamt recht positiv.
Häuptle: Ich habe bereits vor der Saison gesagt, dass der Klassenerhalt in Sand eine Meisterleistung wäre. Von der Manpower und den Ressourcen her, wäre das eine Sensation.
BZ: Der SC Sand spielt seit 2014 in der Bundesliga. Kann man da noch immer von einer Sensation sprechen?
Häuptle: Das ist ja gerade der Fehler: Zu denken, es geht immer so weiter. Wenn man so bleibt, wie man immer war, wird man schlechter. Dem müssen wir entgegenwirken, sonst wird es nicht reichen. Die Liga hat sich rasant entwickelt. Es wird immer schwieriger für einen Verein wie Sand, mitzuhalten. Die Lohnschere in der Liga geht immer weiter auseinander. Am Ende lügt der Spielerwert nicht. Viele Vereine profitieren zudem von den Strukturen ihrer Männerteams.
BZ: Was macht Sie zuversichtlich, dass es am Ende für den Klassenerhalt reicht?
Häuptle: Einige Spielerinnen haben sich stark weiterentwickelt. Da haben wir teilweise einen großen Schritt gemacht. Wir erarbeiten uns viele Chancen. Gegen Teams aus der hinteren Tabellenhälfte haben wir das Spiel bestimmt. Insgesamt sind wir auf einem guten Weg.

Am Sonntag (14 Uhr) tritt der SC Sand in der zweiten Runde des DFB-Pokals beim SV Göttelborn an. Das Team aus dem Saarland steht in der Regionalliga Südwest mit fünf Siegen aus fünf Spielen an der Tabellenspitze.