Leukämie

Novartis eröffnet im Aargau neue Anlage für Gentherapie gegen Blutkrebs

Stefan Ammann

Von Stefan Ammann

Do, 28. November 2019 um 17:20 Uhr

Bad Säckingen

90 Millionen Franken will Novartis in den nächsten drei Jahren an dem Standort nahe Bad Säckingen investieren und bis zu 450 Arbeitsplätze schaffen.

Die Novartis AG hat am Donnerstag in Stein im Aargau eine neue Produktionsanlage für Zell- und Gentherapie offiziell eingeweiht. Dort soll ein neuartiges Therapiemittel gegen Blutkrebs hergestellt werden. 90 Millionen Franken will der Pharmakonzern in den nächsten drei Jahren am Standort investieren. 185 Arbeitsplätze sind so seit August entstanden – bis zu 450 sollen es noch werden.

Neue Arbeitsplätze

Erst im vergangenen September hatte der Konzern angekündigt, wegen einer Restrukturierung 680 Stellen am Standort Stein abbauen zu wollen. Wie Matthias Leuenberger, Präsident von Novartis Schweiz, am Donnerstag bei der Einweihung erklärte, sei dies bereits bei 120 Stellen geschehen. Gleichzeitig hat die Novartis allerdings mit der neuen Produktionsanlage auch 185 neue Stellen geschaffen. 90 Prozent davon seien mit Mitarbeitern besetzt worden, deren Arbeitsplätze anderweitig abgebaut wurden, so Leuenberger. Bis zu 450 Arbeitsplätze will der Konzern insgesamt in den nächsten drei Jahren mit einem Investitionsvolumen von 90 Millionen Franken in der neuen Sparte am Standort Stein schaffen. Seit 1957 stellt der Konzern dort Medikamente und Therapiemittel her. Insgesamt arbeiten 1800 Menschen auf dem Campus. "Stein wird für uns auch in Zukunft ein wichtiger Standort für die Zell- und Gentherapie sein", betont Steffen Lang, Mitglied der Geschäftsleitung.

Kampf gegen den Blutkrebs

Novartis hatte den Aufbau einer neuen Produktionsstätte im Sommer 2018 angekündigt. Nach nur einem Jahr Umbauzeit hat die Anlage im August 2019 den Betrieb aufgenommen. Der Pharmakonzern stellt dort ein neuartiges Mittel gegen Blutkrebs her. Menschen, die an Leukämie erkrankt sind, leiden – stark vereinfacht gesagt – an fehlerhaften weißen Blutkörperchen. Bei der Gentherapie wird dem Patienten in einem Krankenhaus Blut abgenommen. In der neuen Produktionsanlage in Stein werden daraus Immunzellen angereichert. Diese sogenannten "T-Zellen" verändert Novartis genetisch so, dass sie in der Lage sind Krebszellen zu erkennen und zu vernichten. Als "Killerzellen gegen den Blutkrebs" beschreibt Werksleiterin Dorothea Ledergerber dieses Verfahren. Dem Patienten wird schließlich das Serum aus den eigenen modifizierten Zellen wieder gespritzt.

Eine aufwändige Therapie

Die von Novartis unter dem Namen "Kymriah" vermarktete Therapie ist kein Standardmedikament. Jede Dosis muss individuell für den jeweiligen Patienten hergestellt werden. Novartis produziert das Mittel bereits in zwei Anlagen in den USA und in Frankreich. Nach Angaben des Unternehmens seien bislang weltweit 1500 Erkrankte behandelt worden. Die neue Anlage in Stein hat seit ihrem Betriebsstart bereits sechs Dosen für klinische Studien hergestellt. Die Produktionsstätte habe "mit Schweizer Gründlichkeit" alle Inspektionen der Behörden "ohne Beanstandungen" bestanden, betonte Dorothea Ledergerber. Im ersten Quartal 2020 soll die kommerzielle Produktion beginnen.