Als wolle er die Bitterkeit der Medizin bekömmlich machen

tilk

Von tilk

Do, 14. Februar 2019

Offenburg

Markus Kapp und seine musikabarettistische Floßfahrt bei der Premiere seines neuen Programms "Kapp der guten Hoffnung" .

OFFENBURG. Die Trauben hängen hoch, in den Gefilden des Kabarett. Selbst im Olymp der Besten herrscht Gedränge. Das Publikum im Offenburger Salmen ist erwartungsvoll und auf einiges gefasst, nicht nur im gagverwöhnten SWR3-Land. Man muss sehr musikalisch sein, pointiert und mit Wortwitz schreiben können, zudem noch eine mitreißende Performance abliefern, um die Zuschauer ein- und mitzunehmen, auf eine turbulente Floßfahrt, die, mal durch Untiefen, mal durch seichte Gewässer und dann wieder durch Sturm und Wellen führt. Markus Kapp ist so einer, dem sich die Mitreisenden anvertrauen dürfen.

Obwohl der Abend einige unvorhergesehene Überraschungen bietet – einmal muss sogar die Vorstellung wegen eines Notfalls im Publikum unterbrochen werden – hat der "Kappitän" den Kurs souverän im Griff, umschifft sämtliche Imponderabilien einer Live-Vorstellung mit professioneller Nonchalance. Im Gegenteil machen kleine Unebenheiten – mal ein beim Singen herausfallendes Hustenbonbon, dann und wann ein Textaussetzer – den Abend noch amüsanter und bringen den Künstler noch sympathischer rüber.

Es ist eine Lust, wenn einer so genial mit Worten umgehen kann, den Gag so akkurat auf den Punkt landet, messerscharf, nachdem er gerade noch in scheinbar harmlosem Smalltalk die Vorlage dazu geschaffen hat. Zuweilen scheint er jedes Klischee zu bedienen, vom Brexit, über die Kirche, zu Trump, Merkel und dem Elend des Erniedrigungsfernsehens à la "Ich bin ein Star, holt mich hier raus".

Genial sein konfuser Dialog zweier Fernsehredakteure über ihre Kollegen, die "Keiner" und "Niemand" heißen. "Niemand" nannte sich doch Odysseus, damals beim Zyklopen – auch der ein sturmerprobter Seefahrer. "Niemand hat mir ein Auge ausgestochen" "Keiner hats geseh’n". In diesem witzigen Dialog ist ein gehöriges Maß an Medienkritik eingewoben, über die Oberflächlichkeit aktueller Darbietungen, die wie Drogen betäuben, damit keiner auf die Idee kommt, nachzudenken, um dann vielleicht etwas ändern zu wollen. Doch keine Angst, wir sind sowieso viel zu bequem. Bevor jemand den "Power-off"-Knopf drückt, findet er lieber tausend Ausreden: "Was zu tun, das wär schon der Clou, doch leider find ich grad nicht meinen Schuh."

Doch Kapp kann auch anders, jenseits lustiger Kalauer. Er hat, das spürt man immer wieder, ein Anliegen, so ernsthaft, dass er es einbettet in die Grundstimmung kabarettistischer Heiterkeit, so als wolle er die Bitterkeit seiner Medizin bekömmlicher machen. "Best of Africa" ist so ein Lied. Zur Melodie von Leonard Cohens "Haleluja" entwickelt sich ein bitterböser Text über Kindersoldaten, Sextourismus, Korruption, Unterdrückung von Frauen, Privatisierung der Wasserreserven auf dem "Schwarzen Kontinent". Dank Europa, Amerika und China wird viel investiert, doch "aus jedem Cent, wird das 20-Fache wieder rausgezogen". "Wir stellen da ein paar Brunnen hin ...", doch "unser Wohlstand ruht auf nem Leichenberg, macht aber nix, wenn´s dort keiner bemerkt" . Denn "wenn sie anfangen, nach Glück zu suchen, kommen sie übers Mittelmeer und woll´n ein Stück von unserem Kuchen" .

"Jetzt ist die Stimmung im Keller", konstatiert der studierte Theologe Kapp, doch der routinierte "Kapperetist" zieht sie gleich wieder hoch. Grandios sein Auftritt als Bauchredner im Dialog mit Darth Vader – der seinen Job verloren hat und nun als Atemtherapeut und Yogalehrer sein Brot verdient. Mitreißend auch Kapps musikalische Leistung auf verschiedenen Instrumenten und durch unterschiedlichste Stile.

Drei Zugaben verlangt das Publikum - der lange Abend war unglaublich kurz.

Da die Premiere von Markus Kapps Programm schnell ausverkauft war, gibt es einen Zusatztermin am Freitag, 22. März, 20 Uhr im Salmen. Tickets beim Bürgerbüro Offenburg, Tel. 0781-822000 oder online im Internet unter der Adresse http://www.kulturbuero-offenburg.de