Fünfter Prozesstag

Offenburger Arztmordprozess: Psychiater hält Angeklagten für krank und gefährlich

Jonas Hirt

Von Jonas Hirt

Do, 14. Februar 2019 um 11:32 Uhr

Offenburg

BZ-Plus Vor dem Landgericht hat der psychiatrische Sachverständige sein Gutachten vorgestellt. Er hält den Angeklagten für psychisch krank und gefährlich. Von einer paranoiden Schizophrenie ist die Rede. Doch was bedeutet das für die Schuldfähigkeit?

Das Wichtigste in Kürze
Knapp ein halbes Jahr nach einem tödlichen Angriff auf einen Mediziner in Offenburg wird gegen einen 27-Jährigen verhandelt. Dem Asylbewerber wird Mord zur Last gelegt. Er soll Mitte August einen 52 Jahre alten Arzt in dessen Praxis mit einem Messer getötet haben. Der Mediziner starb nach Messerstichen in Kopf und Hals am Tatort. Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage angesetzt. Gehört werden sollen 40 Zeugen.
16.50 Uhr: Die Verhandlung ist beendet. Als Termin für die Urteilsverkündung nennt Walter den 12. März.

Die Befragung des forensischen Psychiaters geht weiter. Staatsanwalt Stoffregen fragt, ob das gesamte wahnhafte Verhaltens des Angeklagten nur gespielt sei? "Das ist grundsätzlich möglich, aber nicht plausibel", antwortet Bork. Denn der Angeklagte hätte in diesem Fall schon Ende 2016 mit dem Schauspiel beginnen müssen.

"Gibt es eine Erklärung für die Brutalität", fragt Stoffregen? Das spreche für die Wahndynamik, antwortet Bork. Er spricht von einem geordneten Wahnsinn und einem wahnsinnigen Wahnsinn.

Auf Nachfrage von Verteidiger Marc Kutschera nennt Bork eine positive Auswirkung auf eine mögliche Behandlung: die wohl jetzt feststehende wahre Identität des Angeklagten. "Vorausgesetzt er hört uns zu", fragt Verteidiger Lederle, "was können wir tun, damit wir einen raschen Behandlungsfortschritt haben?" Bork empfiehlt einen nicht konfrontativen Ansatz. Über den Wahn zu diskutieren mit dem Angeklagten, ergebe keinen Sinn.

Anwältin fragt, inwiefern die Tötung den Angeklagten vom Wahn befreien könne. Bork präzisiert, es befreie ihn vom wahnbedingten handeln. Für Vogt dränge sich aber der Gedanke auf, dass die Tötung- aus Sicht des Angeklagten - eher eine Strafe für den Arzt sei.

16.00 Uhr: Stephan Bork stellt das psychiatrische Gutachten vor. Am 25. September habe Bork dem Angeklagten ein erstes Gespräch angeboten. Das habe der Mann aber abgelehnt. Bis heute habe kein Gespräch stattgefunden. Aus den Ermittlungsunterlagen habe er auch keine wesentlichen Erkenntnisse für ein Vorgutachten gewinnen können. Auf Grundlage der Aussagen des Angeklagten könne er aber mittlerweile eine Einschätzung treffen, auch ohne Kontaktaufnahme. "Das ist nicht selbstverständlich", sagt Bork. Da die Personalien unklar sind, werde er den Angeklagten mit Probanden ansprechen, und nicht mit seinem Namen.

Dessen Angaben im Verfahren, die Ermittlungsunterlagen und Zeugenangaben und die Behandlung im JVA-Krankenhaus seien die Säulen des Gutachtens. Zum ersten Punkt sagt Bork. Der Angeklagte spreche davon, dass seine Verteidiger und der Dolmetscher unter eine Decke stehen würden. Mal sei er krank, mal nicht. Bork schildert die Erklärungen des Angeklagten an, warum er in der Stadt unterwegs sei. Er sage, dass alles, was in seinem Kopf sei, jeder im Internet lesen könne. Bork schildert, wie der Proband Vergiftungsversuche bestreitet.

Zur zweiten Säule sagt Bork: Aus den Ermittlungsunterlagen gehe hervor, dass der Angeklagte sehr wohl Ängste gehabt habe, dass er vergiftet worden sei. So zum Beispiel durch den getöteten Arzt. Zudem sei dieser auch an allem Schuld, so die Einschätzung des Angeklagten. Bork beschreibt weiter, wie Zeugen den Mann als introvertiert beschrieben haben, der auch im Sommer stets seine Wollmütze getragen habe.

"Es lässt sich eine paranoide Schizophrenie feststellen" Stephan Bork Die dritte Säule bezieht sich auf die Behandlung in der JVA bis Januar 2019. Dort habe man sich nicht auf eine Diagnose festgelegt. Angegeben wird erstens, eine Schizophrenie. Ein Psychiater stellte aufgrund eines Vorfalls eine Psychose ...

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