"Wir schreiben Eisenbahngeschichte"

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Fr, 26. März 2021

Offenburg

In Offenburg entsteht bei der SWEG eine neue Betriebswerkstatt zur Wartung von zunächst 20 batteriegetriebenen Personenzügen.

. Das Land Baden-Württemberg kauft 20 batteriebetriebene Personenzüge bei Siemens Mobility. Gewartet werden sie 30 Jahre lang bei der SWEG in Offenburg. Dazu baut das Verkehrsunternehmen eine weitere Wartungshalle in Offenburg und schafft neue Arbeitsplätze. Zur Vertragsunterzeichnung war der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann am Donnerstag nach Offenburg gekommen.

"Wir schreiben hier ein Stück Eisenbahngeschichte", sagte Herrmann, mit den Zügen und dem langjährigen Wartungsvertrag breche eine "neue Zeit der Eisenbahntechnologie" an. Tatsächlich kommen die "Mireo Plus B"-Züge, die in Krefeld gebaut werden, allerdings bereits in Österreich zum Einsatz. In Deutschland soll der erste der 120 Plätze bietenden Triebzüge Ende 2023 auf dem Netz der Ortenau-S-Bahn in Betrieb gehen. Anschaffungskosten pro Zug: 6,5 bis 8 Millionen Euro. Baubeginn für die neue Wartungshalle ist Anfang 2022. Für die Wartung, die die SWEG im Auftrag von Siemens Mobility übernimmt, werden neun bis zehn neue Mitarbeiter (Mechatroniker und Elektriker) eingestellt.

Das Land hatte in einer technologieoffenen Ausschreibung nach Möglichkeiten gesucht, um auch den Personenverkehr auf dem bislang nicht elektrifizierten Drittel der baden-württembergischen Schienenwege "lokal emissionsfrei" nutzen zu können. Überall Oberleitungen bereitzustellen wäre ein zu großer Aufwand, so der Verkehrsminister. Den Zuschlag bekam Siemens Mobility für 20 Züge, drei weitere Züge der Reihe sollen auf der wiederbelebten Hermann-Hesse-Bahn im Nordschwarzwald eingesetzt werden. Die lange Laufzeit von 29,5 Jahren für den Wartungsvertrag erklärte Hermann so: "Wer 30 Jahre lang Wartung anbietet, hat ein Interesse daran, dass er nicht 30 Jahre lang reparieren muss."

Johannes Emmelheinz, Kundendienst-Vorstand von Siemens Mobility, verwies darauf, dass von den derzeit betriebenen 2900 Dieselzügen (die auf nicht elektrifizierten Strecken zum Einsatz kommen) etwa die Hälfte mehr als 20 Jahre alt ist. Die neuen Züge, die mit zwei Lithium-Ionen Batteriecontainern 80 Kilometer weit fahren können, bis sie wieder – zum Beispiel an einer Oberleitung – aufgeladen werden müssen, seien hierfür ein Ersatz nach modernen Umweltstandards. Auch bei der Bergabfahrt können die Züge elektrische Energie zurückgewinnen. Sowohl die Züge wie auch die Batterieeinheiten seien reparaturfreundlich gestaltet. Wenn eine Reparatur nicht mehr möglich sei, werden die Batterien recycelt.

Als "fahrende Datencenter" könnten die Züge im Betrieb Erkenntnisse zur Optimierung des Energieverbrauchs und der Wartungsintervalle liefern, statt Wartungs- und Austauschintervalle wie derzeit üblich von Alter und Kilometerleistung abhängig zu machen. Emmelheinz und Hermann versprechen sich von der digitalen Ausstattung der Züge, dass Wartungsarbeiten ohne Auswirkung auf den Betrieb – also ohne Zugausfälle – geplant und durchgeführt werden können. Für die SWEG freut sich der Vorstandsvorsitzende Tobias Harms "auf die spannenden Aufgaben und über die innovativen Arbeitsplätze" für den Standort Offenburg.