Sechster Prozesstag

Offenburger Arztmordprozess: Staatsanwalt fordert Freispruch und Unterbringung in Psychiatrie

Jonas Hirt

Von Jonas Hirt

Do, 21. Februar 2019 um 13:50 Uhr

Offenburg

BZ-Plus Der Offenburger Arztmordprozess neigt sich dem Ende zu. Der Angeklagte sei paranoid-schizophren, stellt der Staatsanwalt in seinem Plädoyer fest. Der sechste Prozesstag im Protokoll.

Das Wichtigste in Kürze
Knapp ein halbes Jahr nach einem tödlichen Angriff auf einen Mediziner in Offenburg wird gegen einen 27-Jährigen verhandelt. Dem Asylbewerber wird Mord zur Last gelegt. Er soll Mitte August einen 52 Jahre alten Arzt in dessen Praxis mit einem Messer getötet haben. Der Mediziner starb nach Messerstichen in Kopf und Hals am Tatort. Für den Prozess waren ursprünglich sechs Verhandlungstage angesetzt. 40 Zeugen wurden gehört. Die Staatsanwaltschaft hat auf Freispruch wegen Schuldunfähigkeit und Unterbringung in der Psychiatrie wegen paranoider Schizophrenie plädiert.


12.55 Uhr:
Der Vorsitzende erklärt, dass am 12. März um 14 Uhr das Urteil gesprochen wird. Die Verhandlung ist beendet.

12.33 Uhr:
Als letzter hält Joachim Lederle sein Plädoyer. Es handele sich bei der Tat nicht um die eines Kriminellen, sagt der Verteidiger. Auch er bezeichnet den Fall als Schicksal, als etwas, das "nicht zu verhindern war." Der Anwalt spricht über die Situation ab 2015, als die Zahl der Einwanderungen stieg. "Mit den Flüchtlingen kamen hin und wieder kranke Menschen." Das sei nun das Ergebnis. "Dann passieren Dinge, die nicht verhindert werden können", sagt Lederle. "Es hätte jeden treffen können, auch mich."

Der Verteidiger nimmt Bezug auf die Anklage: Mord in Tateinheit mit Körperverletzung. Sicher sei, dass sich die Tat nur gegen den Arzt gerichtet habe, nicht aber gegen die Arzthelferin. Sie sei im Zuge der Tat verletzt worden. "Es geht einzig allein um die Frage: Ist der Angeklagte Schuld an der Tat der Tötung des Dr. T.?"

Der Angeklagte sei freizusprechen, weil seine Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt gewesen sei. Daher sei auch die Unterbringung im Maßregelvollzug zwingend. "Der Angeklagte ist krank und weil er krank ist, hat er keine Schuld, das müsse man akzeptieren." Man dürfe ihn auch nicht nur auf dem Papier freisprechen.

"Es ist ein juristisch äußerst interessanter Fall", sagt Lederle. Es gehe um die Frage, ob sich der Wahn nur gegen den getöteten Arzt richte. Es habe vorher keine Anzeichen für die Tat gegeben. "Niemand hätte das verhindern können, kein Sozialarbeiter."

Lederle sagt, dass es für die Opfer schwer sei, dies zu akzeptieren. "Es bringt aber nichts, Schuldzuweisungen zu machen."

Der Verteidiger schildert das Verhältnis zu seinem Mandanten: "Er war immer sehr höflich zu mir." Bei allem, was passiert sei, wolle er eine Lanze brechen. "Wir müssen uns damit abfinden, dass er krank ist." Am Ergebnis gebe es keine Zweifel. "Der Angeklagte kam hierher und wollte sich integrieren." Er habe niemanden gestört und wollte in Ruhe gelassen werden. "Solange er gesund war, hat er alle Möglichkeiten genutzt."

Lederle fährt fort: "Was passiert ist, war schrecklich." Auch er gehe von einem Totschlag aus. Der ...

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