Interview

Onlinehändler Michael Ebner-Seibold: "Klein anfangen, schrittweise ausbauen"

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Di, 10. September 2019 um 13:10 Uhr

Freiburg

Michael Ebner-Seibold hat vor zehn Jahren mit dem Onlinehandel von Zahnriemen begonnen. Heute erzielt das reine E-Commerce-Unternehmen fast zwei Millionen Euro Jahresumsatz.

Vor zehn Jahren hat Michael Ebner-Seibold seinen Onlinehandel mit Zahnriemen und ähnlichen Produkten gestartet – anfangs noch parallel zum Studium. Heute hat das reine E-Commerce-Unternehmen Zahnriemen24.de, das in der Ziegelhofstraße 33a in Lehen ansässig ist, zwölf Mitarbeiter und erzielt fast zwei Millionen Euro Jahresumsatz. Holger Schindler hat nachgefragt, was Freiburger Händler, die auch online verkaufen wollen, beachten sollten.

"Entscheidend ist eine solide technische und organisatorische Grundlage."

BZ: Worauf kommt es an, wenn man als Einzelhändler in Zukunft zusätzlich auch mit einem Onlineshop erfolgreich sein will?
Michael Ebner-Seibold: Das hängt auch vom Einzelfall ab. Wir sind ja sowohl im B2C-Geschäft mit Endverbrauchern als auch im B2B-Geschäft mit anderen Unternehmen tätig. Das hilft uns – und kann für andere Händler auch eine Überlegung wert sein. Entscheidend ist aber etwas anderes, nämlich eine solide technische und organisatorische Grundlage. Wir reden ja heute oft von Industrie 4.0 und Web 4.0, dabei ist schon das Web 1.0 eine Herausforderung. Web 1.0 bedeutet, statische Inhalte ins Netz zu stellen – und daran arbeiten wir die meiste Zeit. Web 2.0, die Nutzung der Schwarmintelligenz über Feedback von Benutzern, erscheint uns, allein schon wegen der Haftungsfragen und des Moderationsaufwands, für unseren Shop noch zu hoch gegriffen. Von Web 3.0 und 4.0 mit intelligenten Assistenten, Planungstools und Maschine-zu-Maschine-Kommunikation ganz zu schweigen.
Michael Ebner-Seibold (31) leitet zusammen mit seiner Frau Tabea Seibold die Firma Antriebstechnik Ebner-Seibold mit dem Onlineshop Zahnriemen24.de.

BZ: Welchen Aufwand sollte man also als Onlinehändler zum Einstieg treiben?
Ebner-Seibold: Meine Devise, die für uns sehr gut funktioniert hat, lautet: Start small, think big. Man sollte klein anfangen, und dann den Shop schrittweise ausbauen, sich also am Anfang nicht verzetteln, sondern die Kräfte auf ein gut funktionierendes Basisangebot konzentrieren. Wir haben zum Beispiel anfangs keinen telefonischen Kundensupport, sondern nur E-Mail-Support angeboten, weil wir gar nicht die Kapazitäten gehabt hätten. Zudem kann ich nur raten, sich beim Angebot abzuheben, also zuerst die eigenen Spezialitäten online zu stellen, am besten Produkte und Dienstleitungen, die andere gar nicht bieten. Sonst ist die Konkurrenz bei Suchmaschinen zu groß.

BZ: Ist es empfehlenswert, auch über Amazon und andere Onlinemarktplätze zu verkaufen?
Ebner-Seibold: Man kann darüber relativ leicht Zusatzumsatz erzielen – aber man gewinnt keine Stammkunden. Die Kunden kaufen dann nämlich gefühlt zum Beispiel bei Amazon und bleiben auch dort. Wir haben uns bislang bewusst dagegen entschieden und bieten unsere Waren nur im eigenen Onlineshop an.
Onlinehandel

In Deutschland haben sich die Umsätze im Onlinehandel laut dem Handelsverband von 12,6 Milliarden Euro im Jahr 2008 auf 53,4 Milliarden Jahr im vergangenen Jahr mehr als vervierfacht. Elektronik- und Elektroprodukte sowie Mode sind mit jeweils rund 25 Prozent Umsatzanteil dabei die wichtigsten Warengruppen im E-Commerce. Die größte Hürde für den Einstieg ins Onlinegeschäft sehen Händler laut einer Unternehmensbefragung beim Thema Datenschutz und Datensicherheit. Schon das zweitgrößte Problem sind langsame Internetverbindungen.

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