Brand im Fanzug

"Wir haben alle sehr viel Glück gehabt"

Tamara Keller

Von Tamara Keller

Di, 22. Oktober 2019

SC Freiburg

BZ-INTERVIEW mit Helen Breit, die an der Organisation des Sonderfanzuges nach Berlin beteiligt war.

FREIBURG. Die Supporters Crew Freiburg, ein Zusammenschluss von Fans, hat erstmals allein einen Sonderzug organisiert. In dem brach bei der Rückfahrt in Berlin ein Feuer aus (die BZ berichtete). Helen Breit, 32, war lange bei der Supporters Crew Freiburg (SCFR) im Vorstand. Sie hat sich zurückgezogen, ist aber nach wie vor an der Organisation der Auswärtsfahrten beteiligt. Tamara Keller hat mit ihr über die Besonderheit eines Sonderzuges und dessen Organisation gesprochen.

BZ: Wie viel Stunden Schlaf hatten Sie in den vergangenen 48 Stunden?

Helen Breit: Ich habe die Stunden nicht zusammengerechnet. Aber ich fühle mich so erholt, wie es geht.

BZ: Was muss die Supporters Crew gerade organisatorisch alles regeln?

Breit: Das Organisationsteam von acht bis zehn Leuten informiert alle nochmal per Mail über Fragen zu den Wertgegenständen und deren Ausgabe. Einige der Wertsachen sind schon auf dem Weg nach Freiburg, aber es werden auch noch Gegenstände nachgeliefert. Wichtig ist für uns, dass kein großes Unglück passiert ist. Wir haben alle sehr viel Glück gehabt.
BZ: Es gab von Anfang an Spekulationen, wie das Feuer entstanden sein könnte – wie geht die Supporters Crew damit um?

Breit: Unsere Informationslage ist die gleiche wie am Samstag. Wir warten auf die Mitteilung des Sachverständigen.

BZ: Wie läuft so eine Sonderzugbuchung eigentlich ab?

Breit: Wir haben als eingetragener Verein diese Fahrt organisiert und einen Vertrag mit der Centralbahn [Anm. privates Eisenbahnunternehmen in der Schweiz] abgeschlossen. Es ist zum ersten Mal, dass wir von der Supporters Crew der alleinige vertragliche Veranstalter sind. So ein Zug mit 700 Reisenden ist ein sehr hoher finanzieller Aufwand – viel höher als die Reisebusse, in denen sonst 50 oder 100 Fans mitfahren. Es sollte mit 89 Euro pro Person inklusive Karte für möglichst wenig Geld allen die Zugreise ermöglicht werden. Die Kosten bei so einem Zug liegen je nach Entfernung und Ausstattung zwischen 30 000 und 60 000 Euro.

BZ: Was genau ist der Unterschied zu einem normalen Zug?

Breit: Sonderzüge sind etwas Großartiges. Da kommen sehr viele verschiedene Menschen zusammen. Ich bin in meinen 15 Jahren aktiver Fanzeit erst zwei Mal mit so einem Sonderzug gefahren. Und weil es etwas Besonderes ist, würden wir auch wieder einen organisieren. Auch wenn natürlich aktuell die Aufarbeitung im Vordergrund steht. Bei diesem Sonderzug lief alles über Selbstorganisation: Die gesamte Abwicklung lag bei uns – vom Ticketverkauf bis hin zum Essens- und Getränkeverkauf. Es haben sehr viele Menschen zusammengearbeitet. Zu Auswärtsfahrten bieten wir manchmal auch Fansprinter in Kooperation mit der Deutschen Bahn und der Fangemeinschaft an oder es werden Entlastungszüge von der Deutschen Bahn zur Verfügung gestellt.