Ortenau übersteigt Corona-Grenzwert

Mark Alexander

Von Mark Alexander

Fr, 09. Oktober 2020

APA

Der Landkreis empfiehlt den Kommunen, die Gästezahlen bei Feiern zu begrenzen – Lahr hat am Donnerstag prompt reagiert.

. Der Ortenaukreis hat am Donnerstag den Inzidenzwert von 35 bei den Corona-Infektionszahlen überschritten. Der Landkreis empfiehlt deshalb, die Zahl der Gäste bei privaten Feiern zu beschränken. Lahr hat dies bereits gestern umgesetzt und eine Allgemeinverfügung erlassen.

Der Inzidenzwert bezeichnet die Zahl der Neuinfektionen innerhalb der letzten sieben Tage, umgerechnet auf 100 000 Einwohner. Ist er höher als 35, werden erste Beschränkungen empfohlen, ab 50 werden die Vorgaben strenger. Am Donnerstag hat der Ortenaukreis einen Inzidenzwert von 35,92 erreicht. Es gab damit 155 gemeldete Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tage. In Südbaden ist es der erste Landkreis, der über dem Inzidenzwert liegt (siehe Seite 2).

Der Inzidenzwert war für das Landratsamt das Signal, die ersten Schritte einzuleiten. Der Ortenaukreis hat deshalb seinen Kommunen empfohlen, die Teilnehmerzahlen für private Feiern wie Hochzeiten oder Geburtstage ab sofort zu beschränken. Bis auf Weiteres sollen private Feiern – wie beispielsweise Hochzeiten und Geburtstagsfeiern – in öffentlichen Räumen (zum Beispiel in Restaurants und dafür gewerbsmäßig vermieteten Räumen) auf maximal 50 Teilnehmer beschränkt werden. In privaten Räumen soll die Beschränkung bei maximal 25 Teilnehmern liegen, so die Vorgabe des Landkreises.

"Wir stehen im engen Austausch mit unseren Städten und Gemeinden und haben das Infektionsgeschehen genau im Blick", erklärt Landrat Frank Scherer in der Pressemitteilung, "zuletzt ging es ganz wesentlich auf größere private Feiern zurück. Da diese im ganzen Kreis stattfinden, ist das Risiko für weitere Infektionsausbrüche hoch, deshalb empfehlen wir eine Obergrenze für private Feiern." Scherer appelliert, die weitere Ausbreitung des Virus unbedingt zu verhindern, damit das öffentliche Leben weiter aufrechterhalten bleibt. "Unsere Empfehlung ermöglicht den Kommunen eine jeweils differenzierte Vorgehensweise unter Wahrung der Verhältnismäßigkeit", so der Landrat. Das Gesundheitsamt des Ortenaukreises werde die Aufhebung dieser Allgemeinverfügungen ausdrücklich empfehlen, sobald die epidemiologischen Voraussetzungen hierfür vorliegen.

67 Fälle in Zusammenhang mit Hochzeitsfeier in Lahr

In Lahr wurde die Empfehlung noch am Donnerstag von Oberbürgermeister Markus Ibert in eine Allgemeinverfügung umgesetzt. Das heißt, dass von heute an Feiern verboten sind, die die angegebene Personenzahl überschreiten. Bei Zuwiderhandlung werden Bußgelder in Höhe von 300 Euro pro Gast, der über der zulässigen Höchstgrenze liegt, festgelegt. Bei einer Geburtstagsfeier in einer Gaststätte mit 70 Personen wären das also 6000 Euro Bußgeld.

Dass Lahr so schnell reagiert, steht in Zusammenhang mit einer Hochzeitsfeier im September in Mietersheim. Mittlerweile ist sie der Ausgangspunkt von 67 Infektionen, wie das Landratsamt auf BZ-Anfrage mitteilt. Diese Zahl bezieht sich nicht nur auf direkte Hochzeitsgäste, sondern auch auf deren Umfeld. Mit vielen weiteren Fällen sei nicht zu rechnen, die meisten Tests seien ausgewertet.

Mehrere Hundert Schüler sind an Schulen in Lahr und im Umland momentan in Quarantäne. Hinzu kommen zahlreiche Lehrkräfte, die ausfallen. Seit Schuljahresbeginn habe es an insgesamt 17 Schulen im Ortenaukreis Corona-Fälle und somit Quarantäne gegeben, heißt es auf BZ-Anfrage. "Die Hochzeit in Lahr war ein großer Infektionsherd, in diesem Ausmaß gab es sonst nichts", sagt Landratsamt-Pressesprecherin Caroline Luschy. Inwieweit weitere private Feiern eine Rolle spielten, kann sie nicht sagen.

Wie geht es den Betroffenen nach dem Vorfall in Lahr? Schwere Corona-Fälle, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, sind derzeit nicht bekannt. Konkrete Angaben hierzu macht das Landratsamt aus Datenschutzgründen nicht.