Rekordhitze

Ozon belastet die Atemluft der Menschen in Südbaden

Franz Schmider und dpa

Von Franz Schmider & dpa

Do, 25. Juli 2019 um 21:33 Uhr

Südwest

Lingen ist neuer deutscher Hitzemeister: 42,6 Grad wurden dort am Donnerstag gemessen. Nie war es hierzulande heißer. Doch auch die Ozonbelastung ist hoch. Auch Südbadens Behörden warnen.

In Folge der intensiven Sonneneinstrahlung hat die Ozon-Konzentration der Luft am Oberrhein die kritische Grenze von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten. Die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) hat deshalb am Donnerstag eine Ozonwarnung für Kinder und Menschen mit empfindlichen Atemwegen ausgesprochen. Indes stellte das niedersächsische Lingen mit 42,6 Grad nach vorläufigen Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) einen neuen deutschen Hitzerekord auf.

Damit ist erstmals seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in der Bundesrepublik die 42-Grad-Marke durchbrochen worden. In Baden-Württemberg gab es dagegen keinen neuen Topwert. Die landesweit höchste Temperatur wurde am Donnerstag mit 39,8 Grad in Waghäusel registriert. Es blieb beim Höchstwert von 40,2 Grad, der unter anderem am 13. August 2003 in Freiburg gemessen worden war.

Verbunden mit der Ozon-Warnung ist der Hinweis der Behörden vor allem für Menschen mit Atemwegserkrankungen, körperliche Anstrengung zu vermeiden und auf sportliche Aktivitäten zu verzichten – vor allem im Ausdauerbereich. Besonders betroffen war der Oberrhein. In Baden-Baden und Freiburg stiegen die Werte auf 223 beziehungsweise 219 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft.

Was die Dauerbelastung mit Ozon angeht, bleiben indes die Messwerte an der Station Schwarzwald-Süd an der Kälbelescheuer im Münstertal kritisch. Dort wurde der kritische Wert von 180 Mikrogramm im Juni an 14 und im Juli bereits an 6 Tagen überschritten. Auch die Stationen Freiburg (8+3), Neuenburg (8+1) und Weil am Rhein (7+0) verzeichneten zahlreiche Tage mit überhöhten Ozonwerten. Allerdings wurden nie jene 240 Mikrogramm erreicht, ab denen die Behörden Ozonalarm ausrufen müssen. Als gesundheitlich unbedenklich gilt ein 8-Stunden-Mittelwert von maximal 120 Mikroprogramm pro Kubikmeter.

Ozon entsteht immer dann, wenn die Sonneneinstrahlung besonders intensiv ist und über einen längeren Zeitraum anhält. Im Gegensatz zu den primären Luftschadstoffen wie Stickoxiden oder flüchtigen Kohlenwasserstoffen wird Ozon nicht direkt ausgestoßen. Ozon (die Verbindung von drei Sauerstoffatomen) ist ein Sekundärschadstoff, der aus einer chemischen Reaktion entsteht – immer dann, wenn Primärschadstoffe in der Luft vorhanden sind und die Energie einer intensiven UV-Bestrahlung dazukommt. Ist das über mehrere Tage der Fall, baut sich eine Grundbelastung auf, obwohl Ozon eine sehr instabile Verbindung ist, die rasch zerfällt. Die Belastungsspitzen werden meist am späten Nachmittag erreicht.

Derweil brachte der Sommer am Donnerstag auch andernorts Hitzerekorde. Mit 42,4 Grad war es in Frankreichs Hauptstadt so heiß wie nie zuvor seit Beginn der Temperaturaufzeichnung. Zuvor waren in Paris jene 40,4 Grad aus dem Jahr 1947 lange unerreicht geblieben. Die Niederlande registrierten erstmals seit 75 Jahren mehr als 40 Grad.

Hitzewellen dürften sich häufen und verstärken. Studien, die in den Fachmagazinen Nature und Nature Geoscience veröffentlicht wurden, zeigen, dass der weltweite Temperaturanstieg der vergangenen Jahrzehnte in der jüngeren Menschheitsgeschichte beispiellos ist. Demnach gab es in den vergangenen 2000 Jahren noch nie einen so schnellen und weitverbreiteten Anstieg der Temperatur wie zum Ende des 20. Jahrhunderts. Mark Maslin vom University College London erklärte, Klimawandelleugner könnten nicht mehr argumentieren, die derzeit beobachtete Erderwärmung sei Teil eines "natürlichen Klimazyklus".