Vereinigte Arabische Emirate

Prinzessin aus Dubai flüchtet nach London

Michael Wrase und dpa

Von Michael Wrase & dpa

Do, 04. Juli 2019 um 20:30 Uhr

Panorama

Eine Ehefrau des Emirs von Dubai bittet um Asyl. Ihr Ehemann tobt – und schickt wüste Drohungen gegen sie.

LIMASSOL. Wochenlang war sie wie vom Erdboden verschluckt, nun wird klar: Die vor ihrem rachsüchtigen Mann und Emir von Dubai nach Europa geflohene Prinzessin Haya ist wohl in Sicherheit. Die Halbschwester des jordanischen König Abdullah II. halte sich in der 100 Millionen Euro teuren Villa der Familie im Londoner Nobelviertel Kensington Palace Gardens auf, meldete gestern die BBC.

Drei Tage zuvor hatte Scheich Mohammed, der Alleinherrscher im Emirat Dubai und Regierungschef der Vereinigten Arabischen Emirate, in einem auf Instagram veröffentlichten Hassgedicht seiner 44 Jahre alten Frau, der sechsten und jüngsten Gattin in seinem "Harem", den Krieg erklärt. "Dein teuflisches Verhalten wird dir nichts nutzen: Für mich ist es gleichgültig, ob Du tot oder lebendig bist", textete Mohammed bin Raschid al-Maktoum, wie der Scheich mit vollem Namen heißt, – und löste mit diesen Zeilen wilde Spekulationen aus.

Über ihre Flucht, bei der deutsche Diplomaten geholfen haben sollen, hat Haya bisher kein Wort verloren. Nach Informationen des BBC-Golf-Korrespondenten Frank Gardener, der in Dubai lebt, soll die Prinzessin "beunruhigende Details" über die von Scheich Mohammed erzwungene Rückkehr seiner Tochter Latifa in Erfahrung gebracht haben.

Gemeinsam mit ihrer finnischen Fitnesstrainerin versuchte Latifa im Februar letzten Jahres mit einer Yacht nach Indien zu fliehen, wo sie auf Betreiben ihres Vaters von der Küstenwache aufgegriffen und nach Dubai zurückgebracht wurde. In einem Youtube-Video hatte die junge Frau zuvor ihren Vater als "das pure Böse"" verunglimpft. Seit ihrer Rückkehr wird Latifa offenbar mit Psychopharmaka ruhig gestellt. Versuche von Prinzessin Haya, Latifa zu helfen, scheiterten und sollen die Atmosphäre in der Herrscherfamilie nachhaltig vergiftet haben.

Glaubt man Palastinsidern, befürchtete Haya, dass es ihr wie der jungen Latifa ergehen könnte. Ihre Flucht nach Großbritannien hatte die brillante Reiterin – Prinzessin Haya vertrat ihr Heimatland Jordanien bei den Olympischen Spielen in Sidney – offenbar gut vorbereitet: Neben ihren beiden Kindern soll sie 31 Millionen Pfund in bar mit nach London gebracht haben. Für den Multimilliardär Scheich Mohammed ist die Summe vergleichsweise gering. Um nicht sein Gesicht zu verlieren, dürfte der Emir von Dubai die Flucht seiner Frau aber nicht tatenlos hinnehmen.

Wie eine Pressesprecherin eines Londoner Familiengerichts am Mittwoch bestätigte, soll es dort am 30. Juli eine Anhörung in dem Fall geben. Worum es dabei geht und ob Prinzessin Haja Bint al-Hussein sogar anwesend sein wird, konnte die Sprecherin nicht sagen.