Statistik

Weniger Hochzeiten wegen Corona

dpa

Von dpa

Mo, 21. September 2020 um 19:09 Uhr

Panorama

Monatelange Planung für den schönsten Tag im Leben, dann kam das Corona-Virus. Vielen Paaren ist angesichts der strengen Auflagen die Freude am Heiraten vergangen - zunächst.

Die Corona-Pandemie hat viele Heiratspläne vorerst platzen lassen. In den ersten sechs Monaten des Jahres wurden bundesweit 139 900 Ehen geschlossen, 29 200 weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden unter Berufung auf vorläufige Ergebnisse mitteilte. In Baden-Württemberg wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 18 467 Ehen geschlossen. Das sind 3771 weniger als im Vorjahreszeitraum. Mitte März hatten Bund und Länder strenge Auflagen verhängt, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Viele Standesämter schlossen vorübergehend, andere schränkten ihre Dienste ein.

Nur einmal wurden seit der Wiedervereinigung in einem ersten Halbjahr noch weniger Ehen geschlossen: 2007, als viele Paare den Juli und damit das Hochzeitsdatum 7.7.2007 ansteuerten. Damals heirateten im ersten Halbjahr nur 138 800 Paare.

Im laufenden Jahr gab es mit dem 02.02.2020 und dem 20.02.2020 gleich zwei attraktive Termine, die auch reichlich genutzt wurden – was ein weiteres Absinken der Zahlen verhinderte, wie das Bundesamt berichtete. Im Februar 2020 heirateten 21 500 Paare, fast 7300 mehr als im Vorjahresmonat. Im Südwesten heirateten im Februar 2759 Paare, 917 oder knapp 50 Prozent mehr als im gleichen Monat 2019. Der Effekt war aber in den Bundesländern unterschiedlich stark: In Brandenburg (plus 84 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (plus 82 Prozent) und Thüringen (plus 80 Prozent) sagten im Februar deutlich mehr Paare "Ja" zueinander. In Hamburg fand er dagegen so gut wie keine Beachtung.

Erkenntnisse über die Auswirkung der Pandemie ließen sich erst langfristig gewinnen, erklärten die Statistiker. Denn langsam wieder steigende Zahlen vom Mai und Juni deuteten daraufhin, dass viele Standesamt-Termine lediglich verschoben und nicht abgesagt wurden. Der Stand der Vorjahre war aber noch nicht erreicht.

"Es kann sein, dass einiges wieder aufgeholt wird", sagt Carola Hofbauer-Raup, Standesbeamtin in Schleswig und Vorsitzende des Landesverbands der Standesbeamtinnen und Standesbeamten Schleswig-Holstein. Vielerorts seien nur wenige Termine wirklich abgesagt und dafür mehr verschoben worden. Etwa jetzt in den Spätsommer. "Oder die Paare wollten den gleichen Termin ein Jahr später", sagt Carola Hofbauer-Raup.

Die Bedingungen zum Heiraten seien vor Ort noch sehr unterschiedlich, berichtete die Standesbeamtin mit Blick auf die bundesweite Situation. Es gälten Abstandsregeln und Höchstgrenzen für die Zahl der Gäste. Anfangs hätten die Paare nur allein kommen dürfen – was nicht überall für Ärger gesorgt habe: "Manche waren ganz froh, dass sie die Zeit für sich haben konnten."

Was das große Feiern angeht, sei die Verunsicherung groß, sagt die Sprecherin des Bundes deutscher Hochzeitsplaner, Svenja Schirk. Viele Paare hätten ihr Fest daher auf nächstes Jahr verschoben. Die Corona-Regeln könnten jeden Tag geändert werden, dazu seien sie vor Ort sehr unterschiedlich. "Ausgelassen Feiern und einen unbeschwerten Tag zu haben, geht zurzeit nicht." Sie hoffe, dass sich die Lage nächstes Jahr bessere.