Miss Germany 50 plus

Wenke Oehlandt rät jungen Frauen, nichts auf Instagram zu geben

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Sa, 19. Oktober 2019 um 15:38 Uhr

Panorama

Vor einigen Jahren hat Wenke Oehlandt in Freiburg mit ihrem Mann die Lokale Oscar’s und Grace betrieben. Nun steht sie im Finale des Wettbewerbs "Miss Germany 50 plus". Ein Telefon-Interview.

Am nächsten Freitag wird es ernst. Da steht sie auf der Bühne eines Luxushotels in Westfalen – als eine von 20 Finalistinnen des Wettbewerbs "Miss Germany 50 plus": Wenke Oehlandt aus Buchenbach. Eine Jury aus Schauspielerinnen, Kosmetik- und Modefachfrauen und dem unersetzlichen Experten Wolfgang Bosbach (CDU) wird die achte "Miss Germany 50 plus" küren.

Gesponsert wird der seit 2012 veranstaltete Event unter anderen von einer Firma für Anti-Falten-Drinks und einer Champagnerkellerei. Stefan Hupka hat Wenke Oehlandt am Telefon in Kapstadt erreicht, wo sie mit ihrer Familie für einen Teil des Jahres lebt.

BZ: Hallo, Frau Oehlandt, halte ich Sie gerade von wichtigen Übungen ab?

Oehlandt: Gar nicht, ich sitze am Pool und bin heute schon tausend Meter geschwommen.

BZ: Ihr Mann und Ihr Sohn, hieß es, haben Sie heimlich angemeldet, schlimm?

Oehlandt: Nein, die haben sich doch einen Spaß gemacht.

BZ: Waren Sie überrascht, es bei 500 Bewerberinnen ins Finale zu schaffen?

Oehlandt: Schon. Beim Casting in Frankfurt, der Vorauswahl, waren viele hübsche Frauen über 50 dabei.

BZ: Das ist schon auch Stress, oder?

Oehlandt: Ach wo. Ich erwarte auch nicht, dass ich gewinne. Aber – wer nicht mitmacht, gewinnt erst recht nicht. Ich freu’ mich drauf, es sind auch total nette Frauen dabei. Das ist ja nicht wie bei 25-Jährigen, die untereinander zicken. Ich glaube, es macht Spaß.

BZ: Muss man trainieren fürs Finale, an sich arbeiten?

Oehlandt: Brauch ich nicht. Ich weiß, dass manche jetzt Sport treiben und vorsichtiger essen. Aber das mache ich auch so schon, ohne Wettbewerb – Sport, gesundes Essen. Aber auch mal ein Glas Wein.

BZ: Worauf kommt’s an im Finale?

Oehlandt: Man muss erst im Businesslook antreten, dann im Abendkleid, und dann werden einem auch noch Fragen gestellt. Das Wichtigste ist, denke ich: Ausstrahlung. Ohne die wird man es nicht. Eine gute Figur und Aussehen sind nicht alles.

BZ: Aber im Bikini antanzen – manche nennen es "Fleischbeschau" – das müssen Sie nicht?

Oehlandt: Nein. Das haben die auch bei den Mädchen von "Miss Germany" schon abgeschafft.

BZ: Schade drum?

Oehlandt: Es würde mir nichts ausmachen, aber, ach, es muss nicht sein.

BZ: Einer der Sponsoren ist ein Trinkampullenhersteller, der mit Faltenfreiheit wirbt. Braucht man das Zeugs?

Oehlandt: Das kriegen alle Finalistinnen gratis einen Monat lang. Deswegen nehme ich das auch, ja. Aber keine Ahnung, ob das hilft, vielleicht auch erst nach zwei, drei Monaten. Die sagen, dass es ein Ersatz für Botox sei.

BZ: Was soll das bringen, Jugend?

Oehlandt: Angeblich festere und irgendwie strahlendere Haut. Aber kaufen würde ich mir das nicht.

BZ: Trägt das nicht alles zu einem Optimierungsstress bei, unter dem schon junge Leute heute leiden?

Oehlandt: Manche übertreiben das sicher sehr. Ich selbst etwa würde keine Schönheits-OP machen. Botox vielleicht mal, aber das ist schon alles. Gesund essen und Sport treiben, das ist mein Rezept.

BZ: Was raten Sie jungen Frauen in der Instagram- und Influencer-Hektik?

Oehlandt: Nichts auf Influencer oder Instagram zu geben! Gute Laune, ein positives Weltbild, das wirkt viel mehr. Mein Sohn ist zwölf und findet sich durchaus hübsch, aber der richtet sich kein bisschen nach Instagram und so.

BZ: Was ist, wenn’s klappt, haben Sie dann Pflichten wie eine Weinkönigin?

Oehlandt: Die wollen schon, dass man dann repräsentiert, es gibt Aufträge, Fotoshootings, auch Gewinne, ein Wochenende in einem Hotel im Schwarzwald (lacht) und einiges an Sekt.

BZ: Erhoffen Sie sich Werbeeinnahmen?

Oehlandt: Ich habe mich damit noch nicht beschäftigt, ich weiß nicht so recht, was da auf mich zukäme.

BZ: Sie leben im Breisgau und in Kapstadt, bieten luxuriöse Ferienwohnungen an, schätzen gehobenen Lebensstil. Muss man wohlhabend sein, um schön zu sein?

Oehlandt: Glaube ich nicht. Das hat auch mit Disziplin, Sport und gesunder Ernährung zu tun. Klar, die ist manchmal kostspieliger als Fastfood.

BZ: Aber mit einem Fulltimejob in der Kita oder auf dem Finanzamt wäre ein solches Leben schwieriger.

Oehlandt: Das würde ich auch machen, wenn ich Vollzeit arbeiten würde, Schwimmen gehen zum Beispiel, früh morgens oder nach der Arbeit. Das macht man ja nicht nur für die Figur. Ich bin dann immer total entspannt.

BZ: 50 plus, das erinnert, pardon, auch an den Hormonwechsel. Ein Problem?

Oehlandt: Hm, ja. Punkt 50 habe ich das gemerkt. Aber viel machen kann man da eh nicht, man muss da einfach durch. Ich versuche mich selber aufzuheitern, suche die Luft und die Sonne. Die Leute hier in Südafrika sind immer so gut drauf. Auch wenn viele fast nichts haben, gerade viele schwarze Südafrikaner. Wenn ich dann nach Deutschland komme, beschweren sich die Leute übers Wetter, manchmal sogar in Freiburg. Da merkt man, was die Leute für Probleme haben.

BZ: Was ist, wenn’s klappt, werden Sie sich dann vermarkten?

Oehlandt: Mal sehen. Klar warten dann auch Werbechancen.

BZ: Wofür denn so?

Oehlandt: Alles Mögliche, was in meiner Altersgruppe ankommt, eine Freundin zum Beispiel gibt ihr Gesicht für Hormontabletten für Leute ab 50 (lacht).

BZ: Gibt es Reklame, für die Sie nicht zur Verfügung stehen?

Oehlandt: Bei Treppenliften oder Rollatoren würde ich zögern.

Wenke Oehlandt (51) stammt aus Luckenwalde. Gelernt hat sie Restaurant- und Hotelfach und hat eine Zusatzausbildung als Sommelière. Mit Ehemann Patrick führte sie früher drei Freiburger Innenstadtlokale (Grace, Oscar’s, Caruso). Sie lebt abwechselnd im Breisgau und in Kapstadt.