Gemeinderatsentscheidung

Parken in Freiburg wird deutlich teurer

Uwe Mauch, Rahel Schneider, Maxim Melzer

Von Uwe Mauch, Rahel Schneider & Maxim Melzer

Mi, 13. November 2019 um 18:52 Uhr

Freiburg

Parken wird zum 1. Februar in innenstadtnahen Bereichen zwischen 28 und 63 Prozent teurer. Das hat der Gemeinderat mit knapper Mehrheit beschlossen.

Der Rat Er ging dabei weit über den Vorschlag der Stadtverwaltung hinaus, der eine Anhebung um zwölf Prozent vorgesehen hatte.

In einem ist sich der Freiburger Gemeinderat weitgehend einig: Parken soll teurer werden – nicht zuletzt aus Gründen des Klimaschutzes. Außerdem sei ein Mobilitätskonzept nötig, vom Ausbau des Radwegenetzes bis zum Ausbau von "Park & Ride"-Plätzen. Doch in der Sitzung am Dienstagabend gingen die Meinungen weit auseinander, wie hoch die Parkgebühren steigen sollen und wie schnell ein solches Konzept vorliegen kann.
Das hat der Gemeinderat am Dienstagabend beschlossen:
  • Zum 1. Februar steigen die Gebühren für oberirdische Stellplätze von derzeit 2,50 auf 3,20 Euro (Innenstadtzone I), von 1,80 auf 2,60 Euro in der Zone II (Stühlinger, Teile der Wiehre und von Neuburg) und von 80 Cent auf 1,30 Euro in der Zone III ( (Oberau, Teile der Wiehre, bei der Tumorbiologie im Stühlinger).
  • Alle zwei Jahre werden die Parkgebühren um zehn Prozent angehoben.
  • In Zone I soll bis 23 statt bis 19 Uhr fürs Parken gezahlt werden müssen.
  • Der halbierte "Frühparkertarif" in der Zone I bis 10 Uhr entfällt.
  • Die Stadtverwaltung prüft, ob die Abrechnung minutengenau und die Bezahlung per Handy erfolgen kann.

Den Vorschlag der Stadtverwaltung hielten CDU und SPD/Kulturliste für moderat. Grünen, "Einer Stadt für alle" und Jupi ging er indes nicht weit genug. Mit 23 Ja- und 19 Gegenstimmen setzten sie sich durch. Die AfD lehnt eine Erhöhung grundsätzlich ab. Die Freien Wähler hatten erfolglos eine Vertagung beantragt.

Der Ratsbeschluss stößt bei den Bürgern auf ein geteiltes Echo, wie eine BZ-Umfrage zeigt. Dass Menschen durch höhere Parkgebühren bewegt werden sollen, umzusteigen, begrüßt die 22-jährige Studentin Maria-Sophie Jenkel, die fast ausschließlich den öffentlichen Nahverkehr nutzt. Für Familien, die ihren Großeinkauf erledigen wollen, sei der Beschluss allerdings sehr unattraktiv. "Unser Ziel sollte eine gänzlich autofreie Innenstadt sein", findet Eva Kaphun, 47, Maler- und Lackierermeisterin aus Emmendingen. Dass Autofahrer wegen eines Zuschlags von 70 Cent pro Stunde ihr Verhalten ändern, glaubt sie nicht. Sie nennt Straßburg als Beispiel, wo Autofahrer einen Tag für pauschal 4,20 Euro parken und das Ticket als ÖPNV-Fahrschein für bis zu sieben Personen nutzen können.

"Uns bleibt abends gar keine andere Möglichkeit, als mit dem Auto in die Stadt zu fahren", sagt Ilse Preußter, 78, Rentnerin aus Staufen. Nicht das Parken sollte teurer werden, sondern der Nahverkehr besser. Dann, so Axel Putz, 52, aus Oberried, würde sich die Regiokarte mehr lohnen. Übertrieben findet der 23-jährige Student Peter Baer die Erhöhung. Die Angst der Einzelhändler vor Einbußen hält er für verständlich.