Vereint im Verein

Partys, die Flüchtlinge unterstützen: Mit Bewegung Grenzen überwinden

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 11. Mai 2016

Freiburg

VEREINT IM VEREIN: Unter dem Motto "Grenzen wegdancen" plant eine Gruppe Partys, die Flüchtlinge unterstützen.

FREIBURG. Alles fing an, als ein Freund von ihnen, der in Dänemark studiert, ein Projekt plante: Er wollte eine Party organisieren und mit den Erlösen eine Hilfsorganisation unterstützen. Viele machten mit, es funktionierte prima. Da beschloss der große Freundeskreis des Studenten, in F

reiburg mit dieser Idee weiterzumachen. Alle sind jung, die meisten um die 20. Sie nennen sich "Movement Motus", also doppelt "Bewegung" – auf Englisch und Latein. Am Freitag ist ihre nächste Party.

Auf dem großen Tisch stehen Knabbereien, Getränke und ein Laptop, drumherum sitzt eine Gruppe junger Menschen, drei von ihnen wohnen hier. Immer wieder klingelt es, und es kommt jemand dazu. In dieser WG-Küche an der Eschholzstraße fanden die meisten Planungen für das große Ereignis am Freitag statt.

Auf einem Blatt Papier, das an der Küchenwand hängt, sind sämtliche Arbeitskreise aufgelistet, die im Lauf der vergangenen Monate entstanden: Kasse, Flyer, Facebook, DJs und Bands, Deko und Werbung zum Beispiel. Alles, was nötig ist, um eine Party auf die Beine zu stellen.

Für einige von ihnen ist Selbstorganisation nichts Neues: Jonas Rees (22) und sein Bruder (20) holen zurzeit ihr Abi nach – mit "Methodos", einem Verein, in dem sich Jugendliche gemeinsam aufs Abi vorbereiten, ohne Schule, mit selbstgeplantem Unterricht. Auch Pina Haas (20) hat im vergangenen Jahr so ihr Abi gemacht. Jacob Ott (23) studiert Kunst, Carolina Köppel (18) ist Schülerin, Leon Hartmann (19) Praktikant und Celia Härl (20) beginnt bald eine Ausbildung als Bootsbauerin am Bodensee.

Ihr Ziel: "Grenzen wegdancen" und dabei Geld sammeln

Die meisten von ihnen sind seit langem befreundet – und auf dieser Basis funktioniert alles besonders gut: "Mir gefällt es, mit Freunden zusammen was Cooles zu organisieren", sagt Pina Haas. Cool finden sie nicht nur, dass ihre Partys Gelegenheiten sein sollen, bei denen sich alle treffen – das Motto "Grenzen wegdancen" signalisiert, dass Nationalitäten und andere künstlich hergestellte Barrieren keine Rolle spielen. Dazu gehört, dass niemand wegen des Eintritts ausgeschlossen sein soll. Normalerweise soll der Eintritt frei sein, so wie bei der ersten Party im Winter in der "Bar Erika", als durch den Verkauf von Getränken bei rund 300 Gästen 3500 Euro zusammenkamen.

Diesmal allerdings übernimmt die Kneipe "Waldsee" die Bewirtung, darum sind die Party-Macher dort auf Eintritt angewiesen – Richtwert 15 Euro. Denn neben dem Partyspaß ist es wichtig, dass viel Geld zusammenkommt, das sinnvoll eingesetzt werden kann. Darum kommen nur Partyorte in Frage, die keine Miete verlangen. Und wenn die "Movement Motus"-Leute selbst Getränke verkaufen, sind die gespendet. Das zu organisieren ist ein riesiger Aufwand.

Die Erlöse der ersten Party flossen an den Verein "Zarok" – das kurdische Wort für Kinder, für die der Verein unter anderem in Syrien und im Irak Projekte auf die Beine stellt. Diesmal wurde die Organisation Catalytic Action ausgewählt – das sind junge Architekten, die Bauprojekte für geflüchtete Menschen in afrikanischen Ländern umsetzen, sagt Jacob Ott. Zunächst konzentrieren sie sich auf Flüchtlinge und wollen nachhaltig wirken – und Bildung oder Anlaufstellen für psychisch traumatisierte Menschen stärken.

Langfristig wollen sie auch Freizeitaktionen mit Freiburger Flüchtlingen planen, um in Kontakt zu kommen und dann gemeinsam neue Projekte anzugehen.

Freitag, 13. Mai: "Grenzen wegdancen"-Party ab 21 Uhr im "Waldsee", Waldseestraße 84. Mit der Band Peaceful sins und den DJs Max Backfisch, Johnass Hyronymus M. und Felix Brauner. Als Eintritt sind 15 Euro erwünscht, aber nicht verpflichtend.