Permanenter Lernprozess

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Fr, 27. August 2021

Landesliga Staffel 3

Landesliga-Fußballer des FC Neustadt und FC Löffingen arbeiten hartnäckig an ihrer Formkurve.

Wer glaubt, alles zu können, kann seine Mitmenschen schon mal nerven. Wer um seine Schwächen weiß, kann sich gezielt verbessern und ein Gewinn sein für andere. Fußballtrainer wissen um diese Gemengelage. Wenn sie geschulte Pädagogen sind wie Florian Heitzmann, der den Landesligisten FC Neustadt coacht, ist das Ziel an jedem Wettkampfwochenende klar: "Wir sind in einem Lernprozess", sagt der FCN-Trainer vor dem Heimspiel gegen den Türkischen SV Konstanz.

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FC Neustadt – Türkischer SV Konstanz (Samstag, 15.30 Uhr). Der Schädel brummte, die Glieder schmerzten. Der Lehrer Florian Heitzmann wurde in den vergangenen Urlaubstagen von einer Sommergrippe geplagt und war doch in Gedanken bei seiner Mannschaft, die am vergangenen Sonntag unter der Regie von Ranil Weerakkody nach 2:0-Führung in Schonach mit einem 2:2 zufrieden sein musste. Ernste Besetzungssorgen gibt es beim FCN nicht, in den ersten Partien kamen 19 Feldspieler zum Einsatz. Und doch gibt es nach der konzentrierten Saisonvorbereitung, starkem Wir-Gefühl und viel Trainingsfleiß Probleme. "Irgendwie seltsam", sagt Heitzmann mit Blick auf die jüngsten Aussetzer. Gegen Furtwangen habe sein Team den möglichen Sieg ebenso vergeben wie jetzt in Schonach. Das liege vielleicht daran, "dass wir auf einigen Positionen noch nicht eingespielt sind".

Die Findungsphase dauert an. Lernen müsse jeder beim FCN, so der Coach. Vier Kicker, die jetzt zum Kader zählen, sind noch keine 20, Fehler seien da beim taktischen Verständnis, bei Zweikämpfen und im Spielaufbau leicht möglich. Doch Heitzmann ist zuversichtlich: "Es sind Kleinigkeiten, die fehlen, wir brauchen noch zwei, drei Wochen Zeit." Respekt habe er vor dem kommenden Gegner, der jüngst die Spielvereinigung F.A.L. mit 1:0 besiegte. "Wir müssen das Maximum unseres Leistungsvermögens abrufen", so Heitzmann.

FC Löffingen – FC Furtwangen (Samstag, 15.30 Uhr). Jörg Klausmann, Trainer des FC Löffingen, ist Schwarzwälder durch und durch. Der Heimatverein des ehemaligen Nordischen Kombinierers ist der FC Furtwangen. Die einst enge Verbindung ist jetzt nur noch lose. "Ein ganz normales Landesliga-Spiel" erwartet der gewiefte Taktiker am Samstag. Obwohl, was sei schon normal in diesen Nach- und doch noch Mittendrin-Corona-Zeiten, in einer Saison, die gerade erst anläuft, mit Mannschaften, die zum Saisonstart dezimiert waren. Urlaubssehnsucht treibt derzeit viele Kicker an. Doch jetzt stellt sich wieder so etwas wie Alltag ein, sowohl beim FCL als auch in Furtwangen. "Wir haben jetzt ein bisschen Luft", sagt Klausmann mit Blick auf die Rückkehrer Marco Kopp, Marco Schwiertz, Julan Reich und Felix Kohler, zudem ist der Einsatz von Florian Hofmann wahrscheinlich.

Der Löffinger Trainer hat bei der Aufstellung wieder ein bisschen die Qual der Wahl, muss aber wohl auf David Baumann verzichten, der in der Abwehr hinten links oder hinten rechts erste Wahl wäre. Das System? "Offen", sagt Klausmann, "wir wollen die Furtwanger überraschen." Dass sie den Gegner verblüffen können, bewiesen die Löffinger am vergangenen Wochenende beim knappen und dank nicht erlahmender Hartnäckigkeit doch verdienten 4:3-Sieg in Denkingen. Um die Furtwanger zu knacken, brauche es erneut eine starke Leistung. "In Löffingen kann alles passieren", sagt Klausmann.

Das hofft auch Furtwangens Trainer Uwe Müller. Die Bregtäler, am vergangenen Wochenende bei der 1:4-Heimniederlage gegen die SG Dettingen-Dingelsdorf chancenlos, versprechen, eine andere Mannschaft zu präsentieren. "Die Urlauber kehren so langsam zurück", sagt Müller, bei der Aufstellung habe er jetzt mehr Alternativen: Zwei Sorgenkinder bleiben dennoch. Johannes Wehrle plagt sich wieder mit einer Adduktoren-Verletzung und auch der Einsatz von Stammtorhüter Christof Wehrle ist fraglich.