Jobmarkt spezial: Bewerben in Corona-Zeiten (2)

Persönlichkeit auf neuen Wegen entfalten

BZ-Gastbeitrag von Alfred Speth

Von BZ-Gastbeitrag von Alfred Speth (Freiburg)

Do, 28. Mai 2020 um 09:37 Uhr

Beruf & Karriere

Die Corona-Pandemie hat uns weitgehend im Griff. Erste Lockerungen werden vollzogen, aber viele Unternehmen haben nach wie vor massive wirtschaftliche Probleme.

Die Corona-Krise trifft die Arbeitswelt mit ungewohnter Heftigkeit. Jobsuche und Einstellungsprozesse werden in vielfältiger Weise beeinflusst, Arbeitssuchende bekommen dies unangenehm zu spüren. Trotzdem: Es gibt ein Leben mit und nach Corona. Dies gilt auch für die berufliche Situation.

Wie ist die eigene aktuelle berufliche Situation einzuschätzen?
Zunächst gilt es, sich die eigene Lage zu vergegenwärtigen: Bin ich gekündigt oder arbeitslos? Bin ich in Kurzarbeit? Arbeite ich vom Home-Office aus? Hat mein Arbeitgeber eine oder mehrere Maßnahmen geplant und kommuniziert? Im Fall der Kündigung oder Arbeitslosigkeit muss der Zugang zum Stellenmarkt schnellstmöglich gesucht werden. Dazu einige Schlagworte: Stellenanzeigen prüfen (Print, Online-Börsen), eigenes Netzwerk nutzen, aktiv auf potenzielle Arbeitgeber zugehen, das eigene Stellenprofil in den sozialen Netzwerken optimieren.

Wie verhalte ich mich in der Kurzarbeit?
Schwieriger wird es im Falle von Kurzarbeit: Verantwortungsbewusste Unternehmen versuchen, ihre Mitarbeiter zu halten, um für einen kommenden Aufschwung gewappnet zu sein, auch wenn dessen Beginn in den Sternen steht. Sie wissen, der Arbeitsmarkt wird irgendwann wieder eng sein und Suche, Einstellung und Qualifizierung neuer Beschäftigter ist langwierig und teuer. Wenn der Mitarbeiter grundsätzlich mit Firma und Aufgabe zufrieden ist, sollte er die Krise gemeinsam mit seinem Arbeitgeber durchstehen, vielleicht die Zeit für Weiterbildung nutzen oder Zusatzqualifikationen erwerben.

Richtig angewandt sichert Kurzarbeit Arbeitsplätze. Wenn das Unternehmen Kurzarbeit allerdings dazu benutzen will, Ergebnisse zu verbessern, sollte eine berufliche Umorientierung in Betracht gezogen werden.

Was spricht für oder gegen die Suche nach einer neuen Stelle?
Heute einstellende Firmen sind in der Regel gesund oder sehen zumindest eine entsprechende Perspektive, sie wollen mit guten Mitarbeitern wachsen. Wenn der Aufschwung kommt, kann der Neue diesen mitgestalten. Ist er dabei gut, wird sich das sehr positiv auf die berufliche Situation im neuen Unternehmen auswirken. Dagegen spricht, dass ein Neueinsteiger häufig der erste ist, der wieder gehen muss, falls es nicht klappt. In der neuen Stelle fehlt das Netzwerk, Unterstützung muss man mühsam zusammensuchen.

Auf was muss sich ein Bewerber in der jetzigen Situation einstellen? Klar ist, dass viele Personaler ihr eigenes Home-Office und damit viele Prozesse neu organisieren müssen. Persönliche Vorstellungsgespräche finden praktisch nicht mehr statt. Erstgespräche per Skype oder Zoom sind die meistgenutzten Alternativen. Dazu muss der Bewerber bereit und in der Lage sein. Er sollte einen dazu vereinbarten Termin peinlichst einhalten und dafür sorgen, dass seine Elektronik funktioniert. Auch das persönliche Erscheinungsbild sollte nicht zu lässig sein, übertriebene Hintergründe des Videobildes (die aufwändige Bücherwand) machen nicht unbedingt Eindruck. Sollte der Bewerber überzeugen, kommt es vielleicht am Ende der Bewerbungsphase doch noch zu einem persönlichen Gespräch, heute vielleicht mit Maske. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Maske einen Großteil des Gesichts verbirgt und dabei die Mimik verloren geht. Diese kann für den persönlichen Eindruck sehr wichtig sein. Es wird deshalb schwieriger, eine gewisse persönliche Beziehung aufzubauen.

Wie sieht es mit der Einarbeitung aus?
Es ist heute nicht ungewöhnlich, dass ein Neuer seinen Arbeitsbeginn im Home-Office erlebt. Das sogenannte Onboarding (Maßnahmen zur Eingliederung in Unternehmen und Arbeitsprozesse) wird dadurch schwieriger. Die Übergabe der notwendigen Arbeitsmittel wie Laptop oder Smartphone muss organisiert werden: Abholung oder Zusendung, Einweisung? Daneben empfiehlt es sich, dass der Neuling einen Paten erhält, den er zu Fragen, die bei einem Jobstart auftreten, jederzeit konsultieren kann.

Fazit: Auch mit einer steigenden Anzahl von Arbeitslosen und Kurzarbeitern sind Stellen zu besetzen. Die Rekrutierungsabläufe sind allerdings anders und nicht einfacher. Und: Die Arbeitswelt nach Corona wird digitaler sein. Sich darauf vorzubereiten, kann nur angeraten werden.

Zur Person

Alfred Speth leitete in Freiburg eine führende Unternehmensberatung von 1996 bis 2015 als geschäftsführender Gesellschafter. Sein Schwerpunkt lag dabei in der Rekrutierungsberatung, in betriebswirtschaftlichen Fragestellungen sowie dem Coaching von Unternehmern und Führungskräften.

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