Osterfest

Pfarrgemeinderäte in der Region Freiburg vertrauen auf Hygienekonzepte der Kirchen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 01. April 2021 um 16:00 Uhr

Schallstadt

Was bedeutet Ostern für gläubige Christen? Können sie es sich ohne Gottesdienste vorstellen, sollte es die Pandemie nicht anders erlauben? Die Breisgau-Redaktion hat sich in der Region Freiburg umgehört.

Batzenberg/Obere Möhlin

Isabella Bobeth-Grabowski ist Pfarrgemeinderatsvorsitzende der Seelsorgeeinheit Batzenberg/Obere Möhlin. Sie sagt: "Für uns als Christen hat das Osterfest im Jahreskreis eine große Bedeutung." 2020 sei die Karwoche, auch bereits unter Pandemie-Bedingungen, sehr bedrückend gewesen. Dass der Papst den traditionellen Segen urbi et orbi ohne Besucher im Petersdom erteilte, habe tiefe Sorge und Not ausgedrückt. Das sei für sie sehr beeindruckend gewesen. Vor Ort habe die Kirchengemeinde damals in Schallstadt versucht, den Menschen zu zeigen, dass sie für sie da ist, dass an sie gedacht wird. Das sei auch dieses Jahr so, unabhängig davon, ob die Gottesdienste stattfinden können oder nicht. Die Kirche sei geöffnet, auf den Altarstufen würden Kerzen stehen, die Menschen könnten sich dort das Osterlicht holen. Wer krank sei oder die Wohnung nicht verlassen wolle, bekomme es nach Hause gebracht. Es würden Gebete verteilt, ein ökumenisches für den Ostersonntag etwa, damit die Menschen zu Hause beten und feiern können. Die manchmal geäußerte Kritik, die Kirche leiste zu wenig, könne sie nicht teilen, sagt Isabella Bobeth-Grabowski. Dank des Engagements der Gemeindeteams laufe viel im Kleinen, werde Trost gespendet, wo es nötig ist, werden Kontakte über Telefonate oder, wenn es erlaubt ist, über Einzelbesuche gehalten, werden Kleinveranstaltungen in der Kirche angeboten und gut angenommen. Die Pfarrgemeinderatsvorsitzende sagt: "Wir tun, was wir können".

Breisach-Merdingen

Martin Hau, Pfarrgemeinderatsvorsitzender der Seelsorgeeinheit Breisach-Merdingen, ist sehr froh darüber, dass an Ostern Präsenzgottesdienste stattfinden können, nachdem dies im vergangenen Jahr pandemiebedingt nicht möglich war. Für viele Gläubige, denen der Kirchgang ein echtes Bedürfnis ist, sei dies überaus schmerzlich gewesen. Die Möglichkeit, dass Gläubige heuer wieder gemeinsam in der Kirche das Osterfest feiern dürfen, sei ein großes Privileg, dessen sei man sich im Pfarrgemeinderat sehr bewusst. Hau ist überzeugt davon, dass die Gottesdienste sicher abgehalten werden können. Es würden voraussichtlich nur vergleichsweise wenige Menschen an den Messen teilnehmen, so dass strenge Abstands- und Hygieneregeln leicht einzuhalten seien. Für die wenigen Gottesdienstbesucher sei dies aber ein wichtiges Stückchen Normalität in schwerer Zeit. Dies gelte gerade auch für Alleinstehende, die unter der pandemiebedingten Einsamkeit besonders leiden. Nach wie vor könne ein großer Teil des kirchlichen Lebens derzeit nicht stattfinden, bedauert der Pfarrgemeinderatsvorsitzende.

Staufen-St. Trudpert

In den gottesdienstlichen Feiern der Karwoche und an Ostern erfahren viele Menschen Stärkung und Trost, insbesondere angesichts der momentan so schwierigen Pandemielage, findet Elisabeth Wiesler, Pfarrgemeinderatsvorsitzende Staufen-St. Trudpert. So sei es "gut, dass wir in den Kirchen, anders als im letzten Jahr an Ostern, Präsenzgottesdienste feiern können. Die Kirchen haben funktionierende Hygienekonzepte, die sich bewährt haben und dies ermöglichen". Dennoch verzichteten viele ältere Gemeindemitglieder schon länger wegen ihrer gesundheitlichen Gefährdung bewusst auf Präsenzgottesdienste und nähmen die digitalen Angebote wahr. Mit verschiedenen kleinen Zeichen, beispielsweise einem Kartengruß, versuche man in der Gemeinde immer wieder die Verbindung mit den "Zu Hause Gebliebenen" auszudrücken.

Auch wenn Gottesdienste in Präsenz möglich seien, "so ist die Form der Gottesdienstfeiern unter den geltenden Bestimmungen ohnehin gewöhnungsbedürftig und spricht nur einen kleinen Teil der Gemeindemitglieder an", so Wiesler. Als Beispiele nennt sie die große Distanz zum anderen, das eher stumme Mitfeiern mit Maske, den fehlenden Gemeindegesang, die nicht mögliche Begegnung und das eher wieder priesterzentrierte Feiern. "Gerne würde ich sagen: Ich freue mich auf eine volle Kirche an Ostern 2022! Mir bleibt die Sorge, welche Auswirkung die Reduzierung auf eine derzeit kleine Kerngemeinde auf die Entwicklung unserer Kirche in der der Zeit nach der Pandemie hat", so Elisabeth Wiesler.

An der Glotter

Andreas Härtel, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats der römisch-katholischen Kirchengemeinde An der Glotter, erklärt: "Wir haben nicht damit gerechnet, dass die Politik Vorgaben macht." Die deutliche Aufforderung der Kanzlerin, an Ostern auf Präsenzgottesdienste zu verzichten, habe die Kirchengemeinde an der Glotter überrascht. Auch deshalb, weil die Inzidenzzahlen geringer waren als an Weihnachten. "Es war voreilig und wurde auch schnell revidiert", sagt Härtel. Die Kirchengemeinde habe sich mehrgleisig vorbereitet, so dass nun Präsenzgottesdienste in Denzlingen, Glottertal, Heuweiler, Reute und Vörstetten stattfinden. Das sei auch möglich geworden, weil sich dort, wo die zwei Pfarrer nicht sein können, Gemeindemitglieder gefunden haben, um einen Wortgottesdienst zu gestalten. Parallel gibt es auch die Livestreamübertragung der Osternachtsfeier aus der Kirche St. Jakobus, von wo seit Ostern 2020 Gottesdienste übertragen werden. "Die Präsenzgottesdienste standen für uns auch nicht in Frage, weil wir nicht damit rechnen, dass so viele kommen, dass jemand weggeschickt werden muss", sagt Härtel. Zu Weihnachten sei dies noch anders gewesen. Wie an Weihnachten werde der Pfarrbrief an die Gemeindemitglieder zu Ostern eine Beilage mit Anregungen haben, wie das Fest zuhause gefeiert werden kann. Denn unabhängig von den Rahmenbedingungen sei eines klar. "Ostern findet statt", zitiert Härtel den leitenden Pfarrer Nelson Ribeiro. Die Auswirkungen der besonderen Umstände auf die Gemeindemitglieder könne er nicht abschätzen, sagt Härtel. Da empfinde jeder unterschiedlich. Doch habe das zurückliegende Jahr auch gezeigt, dass viele sehr kreativ darin sind so zu feiern, wie sie es sich vorstellen. "Und wenn sie ihr eigenes kleines Osterfeuer für sich und vielleicht ein paar Nachbarn machen."

Gundelfingen

Ursula Cahnbley, Kirchengemeinderätin der Evangelischen Kirchengemeinde Gundelfingen, sagt: "Grundsätzlich denke ich, dass sich die Kirchen genauso an die Regeln halten sollten, wie das öffentliche Leben." Klar sei aber auch, dass es viele Menschen gebe, denen es sehr wichtig sei, einen Präsenzgottesdienst zu besuchen. "Ich kenne das Hygienekonzept in Gundelfingen sehr gut und stehe dahinter." Cahnbley engagiert sich unter anderem für den Kindergottestdienst. Als dieser an Weihnachten ausgefallen sei, habe man ein Video davon erstellt. Das sei auch eine Möglichkeit, falls an Ostern der Inzidenzwert überschritten werde und der Kindergottesdienst nicht stattfinden könne. "Ich hätte kein gutes Gefühl, wenn man sich über irgendwelche Inzidenzwerte hinweg setzen würde." Die Zahl von 100 sei ein sinnvoller Wert.

Auf das Abendmahl habe man bewusst verzichtet, um das Infektionsrisiko gering zu halten. Ostern sei das Fest, dass Jesus auferstanden ist und deswegen für Christen eine ganz wichtige Botschaft. "Es ist immer eine Botschaft der Hoffnung", sagt Cahnbley.

March

Helga Lambrecht, Kirchengemeinderätin der evangelischen Kirchengemeinde March, betont: "Ostern steht für die frohe Botschaft: Der Herr ist auferstanden. Mir ist es wichtig – auch unabhängig von Ostern – , dass wir als Kirche den Menschen Hoffnung geben." Gerade jetzt in der Pandemie solle die Kirche mit dieser Botschaft präsent sein und nicht nach dem Motto "Wir haben nichts zu sagen" handeln und still sein, sagt Lambrecht. Die Gemeinde mit 1200 Mitgliedern hofft nun, dass die Inzidenzzahlen nicht über 100 steigen. Gründonnerstag und Karfreitag können in Präsenz gefeiert werden. Die Osternacht mit der Andacht und dem Feuer im Garten sowie der Ostersonntag, der ebenfalls im Freien gefeiert werden soll, hängen noch von den Zahlen ab – am Karfreitag soll entschieden werden, ob die Feiern stattfinden oder man allen angemeldeten Besuchern telefonisch absagen wird. "Das würde uns in der Seele wehtun, aber dann müssen wir die Notbremse ziehen", sagt Lambrecht. Am Montag ist außerdem ein ökumenischer Gottesdienst geplant. Ein digitaler Gottesdienst, wie etwa in der Nachbargemeinde Bötzingen, wird in March erst einmal nicht stattfinden – je nach Pandemie-Entwicklung werde man sich des Themas aber künftig doch annehmen müssen, sagt die Vorsitzende des Marcher Kirchengemeinderats. Um unabhängig von Gottesdiensten den Menschen etwas anzubieten, kann man über die Feiertage einen Spaziergang an den Wegkreuzen vorbei vom Gemeindezentrum Buchheim bis zur Dreifaltigkeitskapelle Neuershausen machen – mit Impulsen und Andachten. Außerdem gibt es auf der Gemeindehomepage die Ostergeschichte zum Anhören, und Kinder haben ein Oster-Überraschungspaket bekommen.

Dreisamtal

Nachdem Erzbischof Stefan Burger "grünes Licht" gab und sein Vertrauen in die Einhaltung der Hygienevorschriften durch die Gemeinden ausdrückte, entschied der Pfarrgemeinderat der Seelsorgeeinheit Dreisamtal, dass alle Gottesdienste in den Gemeinden Kirchzarten, Stegen, Eschbach, Buchenbach, Oberried und Hofsgrund wie geplant "in Präsenz" gefeiert werden. Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Stefan Eschbach stellt dazu fest: "Die Hygienemaßnahmen in unseren Kirchen haben sich schon über Weihnachten bewährt. Auf dieser Basis feiern wir auch zu Ostern Präsenz-Gottesdienste im Dreisamtal. Ich habe übrigens den Eindruck, dass wieder mehr Menschen in die Kirchen kommen, je länger der Corona-Lockdown anhält. Gemeinsam Gottesdienst zu feiern, scheint ein steigendes Bedürfnis zu sein."