Pfiffige Tipps für ein erfülltes Berufsleben

Yvonne Siemann

Von Yvonne Siemann

Sa, 28. Januar 2023

Weil am Rhein

Das Oberrhein-Gymnasium geht bei der Berufsorientierung neue Wege. Am Freitag gastierte "Mein mutiger Weg" in der Mensa.

"Wisst ihr alle, was eure Stärken sind?" fragt Pascal die Jugendlichen der 11. Klasse des Oberrhein-Gymnasiums. Zögerlich gehen einige Hände in die Höhe. Pascal: "Wir leben in einer defizit-orientierten Gesellschaft, wo viele ihre Schwächen besser benennen können als ihre Stärken. Aber auf genau diese Stärken müssen wir setzen, um unseren Traumjob zu finden. Denn wenn wir etwas gut können, kommen Spaß und Motivation meist wie von selbst!"

Als nächstes gehen die Jugendlichen eine lange Liste durch: Kann ich gut logisch denken? Oder kann ich andere leicht zum Lachen bringen? Dann diskutieren sie zu zweit, wie sie von anderen eingeschätzt werden: "Mir ist schnell aufgefallen, dass du sehr strukturiert arbeitest." Der nächste Schritt: Zu jeder Stärke ein konkretes Beispiel geben. Wer kreativ ist, hat vielleicht eine Indonesienreise in einer Art Fotoalbum verarbeitet. "So kann man sich im Vorstellungsgespräch einen Menschen besser vorstellen, es entsteht Sympathie und Menschen werden unter anderem deshalb eingestellt", erklärt Pascal den Gymnasiasten, die sich in Kürze für ein Studienfach oder einen Beruf entscheiden sollen.

Pascal, Babsi und Aricia vom kleinen Unternehmen "Mein mutiger Weg" machen viele Übungen mit den Jugendlichen – gespickt mit persönlichen Anekdoten. Bisweilen erinnert der Workshop an eine Show US-amerikanischer Prägung, so Lehrer Patrick Schmeja, der zusammen mit anderen Lehrkräften zusieht. "Mein mutiger Weg" wurde 2018 in Rheinland-Pfalz gegründet. Die jungen Leute zwischen 22 und 30 Jahren wollen so Berufsorientierung auf moderne und unterhaltsame Art vermitteln. Für sie geht es darum, den Jugendliche Mut zu machen, ihre Stärken zu erkennen und ihren eigenen Weg zu gehen.

Doch wie findet man seinen Weg im riesigen Dschungel von Möglichkeiten – bei mehr als 21.000 Studiengängen und 326 Ausbildungsberufen alleine in Deutschland? Im hinteren Teil des Raums hängen sechs Plakate, auf denen sich jeweils konkrete Beispielberufe finden. Daneben kann man unter anderem "Mutmacher"-Plakate und -Armbänder für zwei Euro kaufen. Eine Ecke ruft dazu auf, sich mit Plakaten wie "Dreamteam" und "Ich bin nicht perfekt, aber ganz nah dran" zu fotografieren.

Weiter geht es mit der Frage, was zum jeweiligen Traumjob gehört: "Sich auf den nächsten Tag freuen", "Geld", "Spaß", "Abwechslung". Trainerin Babsi erzählt darauf von ihrem abgebrochenen Biologie-Studium. Irgendwann habe sie gemerkt, dass dieses wohl eher auf Labor-Arbeit als auf spannende Forschungsreisen hinauslief. "Macht nicht meinen Fehler und überlegt von hinten: Wie will ich später arbeiten?" Die Botschaft: Es braucht keinen perfekten Plan, aber eine gute Vorstellung von den eigenen Traumjob-Kriterien. Also: Würde ich lieber im Büro oder draußen arbeiten? Alleine oder mit anderen? Ziel des Vormittags ist es, einen individuellen Fünf-Schritte-Plan zum Traumberuf zu erarbeiten.

Lehrerin Annette Güntzel ist am Oberrhein-Gymnasium verantwortlich für die Berufsorientierung und wollte nun einmal einen anderen Zugang zum Thema ausprobieren. Der Workshop findet das erste Mal am Oberrhein-Gymnasium statt und ist teilfinanziert von der Agentur für Arbeit. Er ist jedoch nur ein Teil des Informationsangebots. So können die Jugendlichen an den Uni-Besuchstagen in Baden-Württemberg und Basel teilnehmen. Außerdem kommen "Botschafter" an die Schule, die gerade in Studium oder Ausbildung sind und aus erster Hand von ihrem Weg, vor allem aber auch von Alltagsproblemen wie WG-Zimmersuche und Finanzierungsfragen berichten.

Die Jugendlichen sind in der Pause jedenfalls begeistert. Maja: "Das beste, was wir je hatten! Es sind junge Leute, die auf uns eingehen." Auch Chiara schätzt die lockere Atmosphäre und meint: "Die Persönlichkeitseinschätzung kann sicher helfen, zu wissen, wo man hin will."