Stellenspezial Gesundheit

Pflege soll cool werden: Daten und Fakten über die Pflege in Deutschland

kna

Von kna

Do, 07. März 2019 um 12:09 Uhr

APA

Rund 800 000 Menschen arbeiten in der deutschen Autoindustrie. In der Alten- und Krankenpflege sind es mehr als eine Million.

Nun hat die von der Bundesregierung eingerichtete "Konzertierte Aktion Pflege" Vorschläge vorgelegt, um die Arbeitsbedingungen deutlich zu verbessern und gegen den Pflegenotstand anzugehen. Die Pflege soll cool werden, hieß es. Die Katholische Nachrichtenagentur nennt wichtige Zahlen und Entwicklungen. Quellen dafür sind die Pflegekassen und das Statistische Bundesamt.

Wie entwickelt sich die Zahl der Pflegebedürftigen?
Ende 2017 waren in Deutschland nach Angaben der Pflegekassen 3,41 Millionen Menschen pflegebedürftig. Im Dezember 2015 hatte die Zahl bei 2,86 Millionen gelegen. Die starke Zunahme um rund 550 000 Pflegebedürftige oder 19 Prozent ist zum großen Teil auf die Einführung des neuen, weiter gefassten Pflegebedürftigkeitsbegriffs zurückzuführen.

Wie viele Personen werden zu Hause versorgt, welchen Anteil hat die Versorgung im Heim?
76 Prozent oder 2,59 Millionen der Pflegebedürftigen wurden zu Hause versorgt. Davon wurden 1,76 Millionen allein durch Angehörige betreut. Weitere 830 000 lebten ebenfalls in Privathaushalten, wurden jedoch zusammen mit oder vollständig durch ambulante Pflegedienste gepflegt. 24 Prozent oder rund 818 000 Pflegebedürftige wurden in Pflegeheimen vollstationär betreut.

Gibt es Trends zu mehr ambulanter oder stationärer Pflege?
Sowohl die ambulante als auch die stationäre Pflege verzeichnen Zuwächse, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß. Die Anzahl der in Heimen vollstationär versorgten Pflegebedürftigen ist gegenüber 2015 unterdurchschnittlich um 4,5 Prozent oder 34 900 gestiegen. Die Zahl der durch ambulante Dienste betreuten Pflegebedürftigen stieg um 19,9 Prozent (etwa 138 000 Personen). Die Anzahl der allein durch Angehörige Versorgten nahm um 27,5 Prozent (380 000 Personen) zu. Bei der Pflege zu Hause ergibt sich somit insgesamt ein Anstieg von zusammen 24,9 Prozent (518 000 Pflegebedürftige).

Wie viele Menschen arbeiten in der Pflege?
Die Zahlen gehen bisweilen durcheinander, weil Fach- und Hilfskräfte, Teilzeit- und Vollzeitstellen in den Statistiken unterschiedlich gezählt wurden. Laut Bundesanstalt für Arbeit waren 2016 rund 1,7 Millionen Pflegekräfte erwerbstätig, davon 1,1 Millionen in der Kranken- und 600 000 in der Altenpflege. Laut Statistischem Bundesamt entsprachen die 1,7 Millionen Pflegekräfte 1,2 Millionen Vollzeitstellen (Krankenpflege 0,8 Millionen, Altenpflege 0,4 Millionen Vollzeitäquivalente).

Häufig ist vom Fachkräftemangel in der Pflege die Rede. Wie groß ist die Lücke?
Der Personalmangel in der Pflege ist dramatisch. Bundesweit seien derzeit mindestens 36 000 Stellen in der Alten- und Krankenpflege unbesetzt, teilte die Bundesregierung unter Berufung auf die Bundesagentur für Arbeit kürzlich mit. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärte, Deutschland brauche bis zu 50 000 zusätzliche Pflegekräfte. Manche Experten schätzen den Mangel noch größer ein: Der Deutsche Pflegerat und die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie erklärten, allein in den rund 2000 Krankenhäusern fehlten mindestens 50 000 Pflegefachpersonen. Nach einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung könnten im Jahr 2035 in den Pflege- und Gesundheitsberufen rund 270 000 Fachkräfte fehlen. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung rechnet sogar mit einer Lücke von 500 000 Vollzeitkräften, wenn sich die Zahl der Pflegebedürftigen wie prognostiziert bis dahin erhöht.

Wie viel verdienen Pflegekräfte in Deutschland?
Nach einer Anfang 2018 veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung verdient eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft in der Altenpflege mit monatlich 2621 Euro brutto im Durchschnitt 16 Prozent weniger als der Durchschnitt aller anderen Beschäftigten. Noch schlechter sieht es bei den Altenpflegehelfern aus: Sie verdienen durchschnittlich 1870 Euro. Besser ist die Situation in der Krankenpflege: Fachkräfte verdienen dort mit durchschnittlich 3239 Euro geringfügig mehr als die Beschäftigten insgesamt mit 3133 Euro.

Welche Maßnahmen sind geplant?
Politik, Arbeitgeber und Pflegende fordern Maßnahmen, um die Pflegeberufe wieder attraktiver zu machen. Spahn und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil setzen vor allem auf eine flächendeckende Tarifentlohnung und attraktivere Arbeitsbedingungen. Die Konzertierte Aktion Pflege fordert zudem Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Job sowie Investitionen in Software und Technik, um die Pflegenden von bürokratischen Aufgaben zu entlasten. Auch bei den Personaluntergrenzen tut sich etwas: Die Politik hat Termine gesetzt, bis zu denen Personalschlüssel in Pflegeheimen und Krankenhäusern definiert und eingeführt werden müssen.

Können ausländische Pflegekräfte das Problem lösen?
Schon jetzt ist die Zahl der ausländischen Pflegekräfte groß; sie hat sich nach Angaben der Bundesregierung in den vergangenen vier Jahren fast verdoppelt. 2017 waren in Deutschland 128 000 Pfleger aus dem Ausland sozialversicherungspflichtig in der Kranken- und Altenpflege angestellt. Hinzu kamen knapp 6000 geringfügig Beschäftigte. Die Hälfte der ausländischen Pflegekräfte (66 000) stammt demnach aus einem anderen EU-Mitgliedsstaat.

Lassen sich auch mehr Berufseinsteiger anwerben?
Der Bundestag hat den Weg für die Reform der Pflegeausbildung frei gemacht. Durch die Zusammenlegung der Berufsbilder der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege soll die Ausbildung attraktiver werden. Auch sollen Auszubildende künftig überall eine Vergütung erhalten und kein Schulgeld mehr zahlen müssen. Nach Schätzungen gibt es derzeit rund 6000 Ausbildungsplätze in der Kinderkrankenpflege und 130 000 in der Kranken- und Altenpflege. Die Zahl der Personen, die eine Pflegeausbildung machen wollen, ist zuletzt angestiegen.

Zum Schuljahr 2016/17 haben bundesweit 63 200 Jugendliche eine Berufsausbildung im Bereich Pflege begonnen. Das waren knapp 2000 mehr als im Jahr zuvor. Spitzenreiter ist mit 24 130 Personen die Gruppe der Azubis, die Altenpfleger werden wollen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey sprach 68 000 neuen Azubis.