Phosphor aus dem Klärschlamm zurückgewinnen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 17. September 2019

Breisach

Umweltfachleute aus Israel informierten sich über die geplante Pilotanlage des Abwasserzweckverbands Staufener Bucht.

BREISACH-GREZHAUSEN. Städtische Umweltfachleute aus Israel haben im Rahmen einer Studienreise die Kläranlage des Abwasserzweckverbandes Staufener Bucht besucht. Die Gruppe interessierte sich vor allem für die Pilotanlage zur Rückgewinnung des begehrten Rohstoffs Phosphor.
Er wisse sehr wohl, dass man in Israel technisch vermutlich fortschrittlicher sei, denn Wasser sei dort weit weniger verfügbar als hier. Entsprechend sorgfältiger werde es aufbereitet und auch wiederverwendet, beispielsweise in der Landwirtschaft, sagte Michael Hacker, Geschäftsführer der Kläranlage. Jedoch werde in Israel kein Biogas aus Klärschlamm gewonnen, wie das beim AZV Staufener Bucht der Fall ist. Aus dem Biogas decke die Kläranlage ihren Energiebedarf zu 95 Prozent.

Die Rückgewinnung von Phosphor werde ab 2029 Pflicht, informierte Hacker. Der Rohstoff ist selten. In Deutschland gibt es keine natürlichen Vorkommen, aber Phosphor ist ein wichtiger Nährstoff und auch Bestandteil von Dünger.

Die geplante und zur Förderung beantragte Pilotanlage in Grezhausen soll 2022 in Betrieb gehen und bis 2025 Forschungsergebnisse liefern, sodass spätestens ab 2029 mindestens 80 Prozent des in der Klärschlammasche befindlichen Phosphors recycelbar ist.

Die Besucher, die im Rahmen einer von Freiburg Future Lab organisierten Greencity-Studienreise unterwegs waren, zeigten Interesse an einem weiteren und intensiveren Austausch. Auch eine Einladung nach Israel steht.

Die Berichte der israelischen Umweltbeauftragten der Stadt Menashe, Noa Segal, interessierten Geschäftsführer Hacker besonders. "Wegen des Klimawandels müssen auch wir mit Wasser anders umgehen lernen", betonte er. Künftig müsse mehr Wasser wiederverwendet werden.

Das ist in Menashe der Fall, wo zum ersten Mal deutsche Membran-Technologie zum Einsatz kommt, um auch kleinste Schadstoffpartikel aus dem Abwasser zu filtern und das Wasser für die Landwirtschaft nutzbar zu machen.

"Wir werden mit höheren Anforderungen an die Abwasser-Behandlung rechnen müssen", war ein Fazit des Besuchs für Hacker. Seit den 1990er Jahren stagnieren die Standards. "Umweltbewusstsein, Klimakrise und Wassermangel werden hier wohl bald einiges bewegen", sagte er.