Scheinmedikamente

Placebos können viel bewirken, haben aber ihre Grenzen

Michael Brendler

Von Michael Brendler

Mi, 11. September 2019 um 19:25 Uhr

Gesundheit & Ernährung

BZ-Plus Es gibt Krankheiten, bei denen manche Patienten mit Scheinmedikamenten fast so gut bedient sind wie mit echten. Doch nur bei einer Minderheit fällt der Effekt so stark aus. Und auch Placebos haben Nebenwirkungen.

Eindrucksvoller wurde die Macht eines Placebos selten demonstriert – zumindest auf den ersten Blick: Schon eine Spritze Wasser, so zeigte der Spanier Raul de la Fuente-Fernandez fast 20 Jahren, kann Parkinsonpatienten Kraft und ein Stück Beweglichkeit zurückgeben.

Bei der Krankheit bildet der Körper nicht mehr genug Dopamin. Weil dieser Botenstoff unter anderem dabei hilft, Muskeln und Rückenmark die Bewegungspläne des Gehirns zu übermitteln, verlieren die Betroffenen zunehmend die Befehlsgewalt über ihren Körper. Sie zittern beim Greifen von Gegenständen, können nur noch schwer einen Fuß vor den anderen setzen, manchmal friert der Körper bis zur Bewegungslosigkeit ein.

Aus dieser Starre lassen sie sich durch das Medikament Apomorphin manchmal wecken, es imitiert die Wirkung von Dopamin. Mit einem Placebo (das nur vorgibt, Apomorphin zu sein) sind manche Patienten, so zeigte der Wissenschaftler der Universität Vancouver damals in der Fachzeitung Science, fast genauso gut bedient – weil die Scheinbehandlung im Gehirn die Dopaminproduktion wieder ankurbelt.

Die Studie wird auch heute noch gerne zitiert, wenn es darum geht, die geradezu wundersame Wirkung der Scheinmedikamente zu demonstrieren. Was dabei gerne unter den Tisch fällt: Nur bei einer Minderheit der Patienten fällt dieser Effekt so stark aus, die Mehrheit reagiert deutlich schwächer auf das Scheinmedikament. Bei anderen will es überhaupt nicht helfen. Und das Originalpräparat wirkt auch dreimal länger.

Bis vor acht Jahren glaubte ...

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