"Besuch" im Pflegeheim

Polizisten wollen Nilgans-Familie in Weil am Rhein fangen – und scheitern

Ulrich Senf

Von Ulrich Senf

Do, 08. April 2021 um 17:29 Uhr

Weil am Rhein

Nilgänse sorgen in Weil am Rhein für Aufsehen. Polizisten gelingt es nicht, die Tiere einzufangen. Die Feuerwehr beteiligt sich nicht an der Fangaktion. Die Mitarbeiter des Tierheims sind erfolgreich.

Auf Besuch ist man im Pflegeheim Markgräflerland eingestellt – da gibt es klare Hygiene- und Abstandsregelungen. Wenn allerdings eine ganze Familie von Nilgänsen ungefragt, ohne Anmeldung und aller Wahrscheinlichkeit nach auch ohne gültigen Coronatest vorbeisieht, dann sorgt das schon für einiges an Aufsehen.

Am Donnerstagmorgen hat so ein Besuch zumindest für Abwechslung im Alltag der Bewohner gesorgt und die Polizei alarmiert. Die hat – auch wenn das Einfangen von Tieren nicht zu deren Zuständigkeiten gehört – sofort versucht, die Tiere dingfest zu machen. Immerhin bestand die Gefahr, dass Vater und Mutter Nilgans, die doch eine recht stattliche Größe haben, samt ihres achtköpfigen Nachwuchses einfach auf die Römerstraße watscheln würden. Das hätte dann doch den Verkehr etwas durcheinandergebracht.

Polizei hat Probleme

Allerdings hatten die Polizisten sich das Einfangen deutlich einfacher vorgestellt. Die Gänse schienen nämlich daran überhaupt keine Freude zu haben und entzogen sich trickreich – und durchaus wehrhaft – den Versuchen, sie in Käfige zu locken, sie mit Decken zu fangen oder mit Futter zu ködern. Die zunächst herbeigerufene Feuerwehr lehnte den Auftrag, sich an der Fangaktion zu beteiligen, dankend ab. Der Umgang mit Tieren gehöre nicht zu ihrer Zuständigkeit.

So wurden dann die Mitarbeiter des Tierheims herbeizitiert. Auszubildender Jan Schirmacher sowie zwei ehrenamtliche Helfer machten sich rasch auf den Weg, ausgerüstet mit einem Netz. Routiniert – solche Einsätze kommen beim Tierheim immer wieder vor – fingen sie eines der Elterntiere ein. Das zweite Elterntier und die Küken waren daraufhin kaum mehr ein Problem. Wenig später konnten die Tiere dann schon am Rhein bei Märkt, auf der Höhe des Yachthafens, ausgesetzet werden.

Aktion dauert mehr als dreieinhalb Stunden

Den Bewohnern des Pflegeheims, beziehungsweise des Seniorenwohnens war’s recht. Sie hatten an dem ungewohnten Besuch viel Freude und verfolgten aufmerksam aus Fenstern und von Balkonen die Rettungsaktion.

Mehr als dreieinhalb Stunden hielt sie Polizei und die Helfer des Tierheims in Atem. Wie es der Nilgansfamilie gelang, gegen 7 Uhr bis zum Pflegeheim zu gelangen, ist im Übrigen nicht geklärt. Sowohl am Rhein als auch im Dreiländergarten lassen sich die Gänse, die wie ihr Name verrät, ursprünglich aus Afrika südlich der Sahara und Ägypten kommen, gerne nieder.

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